Medaillen-Ambitionen : Deutsche Ski-Asse mit Schwung zu Olympia

Viktoria Rebensburg ist eine heiße Medaillen-Kandidatin im Riesenslalom.
Viktoria Rebensburg ist eine heiße Medaillen-Kandidatin im Riesenslalom.

Auch ohne Siege und mit nur einem von zwei erhofften Podien verbuchen die deutschen Ski-Asse das Rennwochenende in Garmisch und auf der Lenzerheide als Erfolg. Rebensburg bestätigte ihre Gold-Ambitionen für Olympia und auch die Speed-Herren lassen auf viel hoffen.

shz.de von
29. Januar 2018, 13:43 Uhr

Garmisch-Partenkirchen (dpa) - So kann Olympia kommen für das deutsche Ski-Team um Podiums-Dauergast Viktoria Rebensburg und die weiter pfeilschnellen Speed-Jungs mit Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen.

Deutschlands Alpin-Asse haben zwei Wochen vor Beginn der Winterspiele ihre Form bestätigt und fliegen mit berechtigten Medaillenhoffnungen nach Südkorea. Vor allem Riesenslalom-Spezialistin Rebensburg sorgte mit Platz zwei auf der Lenzerheide für Euphorie. «Ich weiß, wenn ich zwei perfekte Läufe runterbringe, dass ich definitiv ganz oben stehen kann», stellte die 28-Jährige nach ihrem nur hauchdünn verpassten vierten Erfolg in diesem Winter zufrieden fest.

«Da braucht man sich nicht beschweren», resümierte Alpin-Chef Wolfgang Maier, der zwar die Bezeichnung «Gold-Favoritin» nicht mag, aber seiner besten Rennfahrerin attestierte: «Sie wird sicher eine von denen sein, die bei der Medaillenvergabe entscheidend dabei ist.» Tiefstapelei ist bei Rebensburg unangebracht, dafür hat sie als Olympiasiegerin von 2010 und Zweite von 2014 zu viel Erfahrung - und in diesem Winter mit fünf Podien in sieben Rennen eine zu gute Form.

Bei den Abfahrern sprang eine Woche nach Dreßens Coup auf der Streif beim Heim-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen zwar kein Podest heraus, Dreßens Platz sieben und Rang elf durch Andreas Sander seien aber «schon okay», meinte Maier. Zumal Dreßen auf den Schweizer Sieger Beat Feuz nur eine halbe Sekunde fehlte. «Wenn ich da nicht zufrieden wäre, dann gehörte ich geschlagen», flachste Dreßen. «Das Wichtigste ist die Konstanz, und da kann ich mit dem siebten Platz schon zufrieden sein. Die, die vor mir sind, sind ja keine Nasenbohrer.»

Vor wenigen Jahren hätte das Speed-Team des Deutschen Skiverbands (DSV) solche Ränge unter den Top 15 noch gefeiert, aber inzwischen sind die Erwartungen ganz andere - und das nicht erst nach Dreßens historischem Sieg in der vergangenen Woche in Kitzbühel.

«Ich bin eigentlich überhaupt nicht zufrieden», sagte Bundestrainer Mathias Berthold überraschend deutlich und erklärte: «Ich glaube nicht, dass wir das gezeigt haben, was wir können.» Dreßen habe ganz schwach angefangen und sich erst danach gesteigert, Sander dagegen nach einem fulminanten Anfangsteil durch Patzer vor dem Ziel einen Podiumsplatz verschenkt. «Andi führt bei der vorletzten Zwischenzeit und macht dann solche Böcke, das ist schade», sagte der Coach.

Die konkreten Platzierungen sind für die DSV-Verantwortlichen vor dem Olympia-Trip nach Pyeongchang zweitrangig, denn Speed und Einstellung passen. Sportdirektor Maier verwies vorsichtig darauf, dass Dreßen die langgezogenen Kurven bei der Olympia-Abfahrt in Jeongseon liegen dürften. «Die fährt er von seinem Naturell her genial. Da ist er bei den richtig Großen dabei», prophezeite der Alpin-Direktor.

Zum Malheur von Sander, dem zweiten folgenschweren nach Kitzbühel, sagte Maier: «Da gibt es viele die sagen, das hebt er sich dann für Olympia auf, da bin ich mal gespannt.» Herren-Coach Berthold lobte die Einstellung und den Kampfgeist seines Schützlings und hält ein fehlerfreies Rennen für eine Frage der Zeit. Kommt die in Südkorea? Berthold meinte: «Wenn er es runterbringt, dann scheppert's.»

Auf jeden Fall scheppern dürfte es beim österreichischen Superstar Marcel Hirscher, der am Sonntag den Riesenslalom in Garmisch gewann. Einen Achtungserfolg feierte der in diesem Winter mit den Folgen seines Unterschenkelbruchs ringende Fritz Dopfer auf Rang 15. Er habe «Automatismen gespürt, die ganz weit hinten gespeichert waren und die ich die letzten Jahre nicht habe abrufen können», sagte er.

Auch Rebensburg lässt es schon seit Jahren krachen und war auch auf der Lenzerheide knapp dran am Sieg. Nach einem furiosen Finish auf einer extrem fordernden Piste fehlten ihr nur 0,07 Sekunden auf Siegerin Tessa Worley aus Frankreich. «Es ist cool zu wissen, dass man schnell ist», sagte sie. «Ich bin total froh, wie es momentan läuft.» Diese Freude will sie in Asien in Edelmetall ummünzen.

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