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Bundesliga-Relegation : Nürnberg entschuldigt sich bei erkranktem Frankfurter Marco Russ

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Aus der Onlineredaktion

Nürnbergs Trainer und Keeper zweifeln an Schwere der Tumorerkrankung von Russ. Der Eintracht-Kapitän wird durch ein Eigentor auch noch zum tragischen Helden des Hinspiels in der Relegation.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2016 | 07:56 Uhr

Frankfurt am Main | Der 1. FC Nürnberg hat sich für unbedachte Äußerungen von Trainer René Weiler und Torwart Raphael Schäfer über die Tumor-Erkrankung von Eintracht Frankfurts Abwehrspieler Marco Russ entschuldigt. Nach dem 1:1 (0:1) im ersten Bundesliga-Relegationsspiel am Donnerstagabend hatte Schäfer erklärt: „Ich glaube, wenn einer wirklich schwer krank ist, kann er kein Fußball spielen.“

Auf der Heimreise nach Nürnberg distanzierte sich der Kapitän des Zweitliga-Dritten noch in der Nacht von seiner Aussage. „Meine Worte waren dumm, dafür kann ich mich nur aufrichtig entschuldigen. Ich habe mich voreilig geäußert, ohne Bescheid zu wissen. So etwas darf mir nicht passieren, das ist absolut nicht in Ordnung. Ich wünsche Marco das Allerbeste und bin sicher, dass er wieder gesund wird“, sagte Schäfer in einer Vereinsmitteilung.

Weiler, der die Bekanntmachung der Russ-Erkrankung durch die Eintracht am Abend vor dem Spiel zunächst als „Inszenierung“ kritisiert hatte, revidierte seine Aussagen ebenfalls. „Es ist pietätlos, dass ein Klub und ein erkrankter Spieler fast dazu genötigt werden, die intimsten Dinge preisgeben zu müssen, um nicht als Dopingsünder in Verdacht zu stehen“, sagte Weiler. „Ich habe meine Aussage auch bei Marco Russ sowie den Frankfurter Verantwortlichen persönlich unmittelbar klargestellt.“

Die Eintracht war am Mittwochnachmittag von der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA darüber informiert worden, dass mehrere Doping-Proben bei Russ einen zu hohen Wert des Wachstumshormons HCG ergeben hatten. Weitere Untersuchungen ergaben danach, dass es sich ursächlich nicht um einen Dopingfall handelte, sondern Russ an einer schweren Tumorerkrankung leidet und bereits am Dienstag operiert werden muss.

Doch auch nach der Schreckensnachricht hatte Marco Russ nur eines im Sinn: Den Bundesliga-Verbleib mit Eintracht Frankfurt und die beiden Relegationsspiele gegen den 1. FC Nürnberg. Beim ersten Duell wurde Russ dann aber auch noch zum sportlichen Pechvogel. In der 43. Minute unterlief ihm ein Eigentor zum 0:1, das Mijat Gacinovic nach der Pause immerhin noch ausgleichen konnte (65.). Im Rückspiel wird Russ nun allerdings fehlen, weil er sich die zehnte Gelbe Karte einhandelte.

 

Schon am Mittwochabend, als er die niederschmetternde Diagnose erhalten hatte, gab Russ sofort Grünes Licht für einen Einsatz. Die Eintracht-Verantwortlichen um Chefcoach Niko Kovac rechneten dem 30-Jährigen dies hoch an, wollten ihn aber zunächst noch einmal eine Nacht über die Dinge schlafen lassen. Doch als Kovac seinen Abwehrchef am Donnerstagnachmittag wenige Stunden vor dem Anpfiff des ersten Duells mit den Franken noch einmal fragte, bekam er wieder nur eine Antwort: Russ wollte bei einer der wichtigsten Partien der jüngeren Vereinsgeschichte unbedingt dabei sein. Von den Ärzten habe es keine Einwände gegeben, erklärte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen vor dem Spiel. „Sonst hätten wir es selbstverständlich auch nicht gemacht.“ Auch der DFB hatte erklärt, dass Russ spielen dürfe.

Und so lief Russ am Donnerstagabend um kurz vor 20.00 Uhr in die Commerzbank-Arena ein, lautstark gefeiert von den Eintracht-Fans.„Kämpfen & Siegen Marco!“, stand auf einem Transparent vor der Fankurve der Frankfurter Anhänger. Die Fans riefen bei der Aufstellung bei jedem Frankfurter Spieler den Namen „Russ“.

Russ ist ein kantiger, robuster Verteidiger, er spielt mit einer kurzen Unterbrechung seit genau 20 Jahren für seinen Verein. Wenn man nach Gründen sucht, warum die Eintracht nicht schon vorzeitig aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen ist, dann landet man bei der Arbeit von Trainer Niko Kovac, zwei wichtigen Toren von Stefan Aigner - und dem Einsatz von Marco Russ. Er hat dieses Team in den vergangenen Wochen angetrieben. Auf dem Platz und neben dem Platz.

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