Erkenntnisse vom WM-Donnerstag : Michy Batshuayi hebt den Tor-Jubel auf ein neues Level

Michy Batshuayis Jubel kam wie ein Boomerang zurück – in sein Gesicht. Foto: Imago/Uk Sports Pics Ltd.
Michy Batshuayis Jubel kam wie ein Boomerang zurück – in sein Gesicht. Foto: Imago/Uk Sports Pics Ltd.

Die Schande von Gijon feiert bei der WM 2018 in Russland ein Comeback. Und: Gelbe Karten können das Aus bedeuten.

shz.de von
29. Juni 2018, 08:35 Uhr

Moskau | Auch als erfahrener Fußball-Fan und Sportjournalist lernt man nie aus. Immer wieder überraschen Mannschaften mit interessanten Taktiken, die Spieler zeigen sich auf dem Kopf farbenfroh oder Ergebnisse sind schlichtweg nicht vorauszusagen. Auch der vergangene WM-Donnerstag brachte einiges zum Vorschein.

Erkenntnis: Sei fair, dann kommst du weiter

Ist das nun gerecht? Als letzte afrikanische Mannschaft im Turnier muss Senegal die Heimreise antreten. Während die Japaner mit dem identischen Torverhältnis (4:4) und der identischen Punkteausbeute (4) im Achtelfinale steht, darf Senegal nicht mehr weiterspielen. Der Grund: zwei Gelbe Karten mehr auf dem Konto.

Idrissa Gueye sah im Spiel gegen Polen die Gelbe Karte. Eine Verwarnung mit schweren Folgen.
Imago/Imaginechina
Idrissa Gueye sah im Spiel gegen Polen die Gelbe Karte. Eine Verwarnung mit schweren Folgen.

Natürlich muss die FIFA Kriterien festlegen, aber dass eine Mannschaft so ausscheiden muss, ist am Ende des Tages doch recht bitter. "Das ist nun einmal eine der Regeln und wir müssen das akzeptieren", sagte Senegals Trainer Aliou Cissé: "Wir wären lieber anders ausgeschieden, aber es ist nun einmal so. Das ist sehr, sehr schade."

Erkenntnis: Die Schande von Gijon ist wieder angesagt

Japan hat natürlich Wind davon mitbekommen, dass Senegal gegen Kolumbien zurücklag. Und die Asiaten wussten natürlich auch, dass sie bezüglich der Fair-Play-Wertung einen Vorteil gegenüber den Afrikanern hatten. Der Rückstand gegen Polen war dann auch gar nicht so schlimm. Schlimmer wäre gewesen, wenn die Japaner sich noch drei Gelbe Karten eingehandelt hätten. Die Folge: Ein völlig ungefährliches, anti-fußballerisches Hin- und Hergeschiebe des Spielgerätes.

Die Schande von Gijon aus dem Jahre 1982 war auf einmal allgegenwärtig. In Wolgograd, im Jahr 2018. Die Polen hatten den Sieg für die Ehre sicher, Japan das Weiterkommen in der Tasche. Sportlich gesehen kann man den Japanern keinen Vorwurf machen. Die Zuschauer im Stadion waren jedoch bedient. Zurecht, die Tickets waren sicherlich keine Schnäppchen.

Erkenntnis: Belgier revolutionieren das Jubeln

Über die Jahre hat sich ein gewisses Repertoire an Jubelszenarien ergeben. Nach Toren lassen sich Mannschaften oft einiges einfallen, um der Freude Ausdruck zu verleihen. Beim 1:0-Sieg der Belgier gegen England (es ging lediglich um den Gruppensieg) griff Michy Batshuayi ganz tief in die Trickkiste.

Nach dem Treffer seines Teamkollegen Adnan Januzaj nahm sich Batshuayi den Ball, drosch ihn gegen den Pfosten und bekam das Spielgerät entsprechend direkt in sein Gesicht zurückgespielt – autsch. Natürlich war diese Aktion so nicht gewollt. Dennoch hatte er die Lacher auf seiner Seite. Januzajs Traumtor geriet dabei ein wenig in den Hintergrund.

Erkenntnis: Tunesien und Panama spielen um mehr als nur drei Punkte

Die Angelegenheit in der Gruppe G war bereits vor dem finalen Spieltag geklärt: England und Belgien hatten sich bereits die Achtelfinaltickets gesichert, Tunesien und Panama spielten um die Goldene Ananas. Falsch! Für die Underdogs ging es um viel mehr: Ehre, Prestige und einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Die Tunesier gewannen mit 2:1 und jubelten, als wäre es das WM-Finale gewesen und sie hätten den Fußball-Thron erklommen.

Tunesien feierte seinen ersten WM-Sieg seit 40 Jahren.
Imago/ITAR-TASS
Tunesien feierte seinen ersten WM-Sieg seit 40 Jahren.

Der Stellenwert des Erfolges über Fußball-Zwerg Panama war tatsächlich enorm bedeutend. Für die Afrikaner war es der erste Sieg seit 1978. Panama zeigte sich nach dem WM-Debüt stolz (zurecht), dennoch verpasste der Neuling den ersten WM-Sieg der Geschichte des Landes. Mit erhobenen Hauptes treten die Panamaer die Heimreise an. Eines kann man ihnen nämlich nicht wegnehmen: die Leidenschaft und zwei geschossene WM-Tore.

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