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Tour de France : Marcel-Kittel-ABC: Wer ist der neue Radsport-Star?

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Der Topsprinter hat bereits jetzt einen neuen deutschen Etappensieg-Rekord aufgestellt. Alle Fakten zum Radprofi Kittel.

Pau | Der deutsche Topsprinter Marcel Kittel hat als erster deutscher Radprofi seit 1977 fünf Etappensiege während einer Tour de France eingefahren. Dieses Kunststück war bislang nur dem Frankfurter Dietrich Thurau geglückt. Rekordhalter sind die Belgier Eddy Merckx (1970/1974) und Freddy Maertens (1976) sowie der Franzose Charles Pelissier (1930) mit jeweils acht Tageserfolgen in einer Tour. „Im Moment kommt alles zusammen, ich habe super Beine, ich habe meine Linie gefunden im Sprint und konnte allen aus dem Weg gehen. Es ist ein geiles Gefühl“, sagte Kittel in der ARD.

Kittel gewann in diesem Jahr die Massensprints in Lüttich, Troyes, Nuits-Saint-George, Bergerac und Pau. Das Tour-Finale auf den Champs Elysées in Paris dürfte auch nach seinem Geschmack sein. „Natürlich ist das ein großer Traum, ich denke auch dran. Aber wir sind erst bei Etappe elf. Es klingt banal, aber bis Paris ist es noch weit.“ Womöglich winkt ihm auch auf der 16. und 19. Etappe ein Sieg, sollte es zum Massensprint kommen.

Kittel hat auch beste Chancen als erster Deutscher seit Zabel das Grüne Trikot für die beste Punktewertung in Paris zu holen. Mit 335 Punkten liegt er bereits 133 Zähler vor dem Australier Michael Matthews. Dritter ist André Greipel (171), der in Pau Platz sieben belegt hatte.

Marcel Kittel hat sich in Pau einen weiteren Etappensieg geholt.
Marcel Kittel hat sich in Pau einen weiteren Etappensieg geholt. Foto: David Stockman
 

Doch wer ist eigentlich dieser Top-Sprinter Marcel Kittel, was begeistert ihn am Radsport und wo kommt er überhaupt her? Ein Faktenüberblick:

Marcel Kittel von A bis Z

A - Arnstadt: Dort wurde er am 11. Mai 1988 geboren.

B - Bastia: In der Hafenstadt auf Korsika feierte Kittel 2013 seinen ersten Tour-Etappensieg.

C - Café: Die Euphorie in seiner Heimatstadt in Arnstadt ist derart groß, dass nach seinem dritten Erfolg in einem Café bereits „ein dreifacher Espresso“ ausgeschenkt wurde, wie Kittel berichtete.

D - Deutscher Meister: Kaum zu glauben, aber der Titel fehlt ihm noch. Nur in der Junioren- und U23-Klasse wurde er Meister im Zeitfahren.

E - Eltern: Sein Vater Matthias zeichnete sich ebenfalls als guter Radsprinter aus, seine Mutter Elke war Ex-DDR-Meisterin im Hochsprung.

F - Freund: Einer seiner besten Freunde im Radsport ist Tony Martin. Bis zum letzten Jahr fuhren beide bei Quick-Step zusammen.

G - Gelbes Trikot: Insgesamt zweimal trug er das Gelbe Trikot, jeweils nach seinen Auftaktsiegen bei der Tour 2013 und 2014.

H - Hochgebirge: Dort geht es für ihn darum, das Aus zu vermeiden. Mit den anderen Sprintern versucht er, im sogenannten Gruppetto - einer abgehängten Gruppe - die Karenzzeit nicht zu überschreiten.

I - Infektion: Eine Virus-Erkrankung warf Kittel 2015 mehrere Monate zurück, wodurch er die Tour verpasste.

J - Jugend: Bis zu seinem 13. Lebensjahr war er Leichtathlet, danach entdeckte Kittel den Radsport.

K - Konkurrenten: Gibt es bei dieser Tour im Massensprint kaum. Ansonsten waren André Greipel und Mark Cavendish in der Vergangenheit seine größten Widersacher.

L - Lefevere, Patrick: sein Chef bei Quick-Step, führt den Rennstall seit Jahren sehr erfolgreich, hat aber einen nicht unzweifelhaften Ruf. Im Januar 2007 berichtete die belgische Tageszeitung Het Laatste Nieuws unter dem Titel „Patrick Lefevere, 30 Jahre Doping“ über ein von dem Belgier organisiertes Dopingprogramm in seinem Team. Lefevere gab den Gebrauch von Amphetaminen in seiner aktiven Zeit zu, wies aber alle anderen Anschuldigungen zurück.

M - Marke: Der blonde Hüne ist mit seiner freundlichen Art längst zu einer Marke gewonnen. In Frankreich wird er bereits „Le Kaiser“ genannt.

N - Niederländisch: spricht er dank seiner Freundin äußerst passabel.

O - Österreich: Im Urlaub in Tirol kam er auf die Idee, ein Rennrad haben zu wollen.

P - Profi: 2011 schaffte Kittel beim niederländischen Skil-Shimano-Team den Sprung ins Profi-Geschäft. Gleich im ersten Jahr feierte er 17 Siege.

Q - Quick-Step: Der belgische Rennstall gehört seit vielen Jahren zu den besten der Welt. Allein in diesem Jahr stehen schon rund 40 Siege zu Buche.

R - Rosa Trikot: 2015 trug er nach seinen beiden Etappensiegen das Trikot des Führenden beim Giro d'Italia.

S - Scheldeprijs: Sein Lieblingsrennen in Belgien. Den Sprint-Klassiker gewann er schon fünfmal.

T - Tess von Piekartz: seine Freundin ist eine niederländische Volleyball-Nationalspielerin. Beide leben in Pfeffingen in der Schweiz.

U - U23: 2010 gewann er in Australien WM-Bronze in der U23-Klasse.

V - Vertrag: Sein Kontrakt bei Quick-Step läuft Ende des Jahres aus. Kittel ist beim Martin-Team Katusha-Alpecin im Gespräch.

W - Werner, Jörg: sein Berater und Manager.

X - XXL-Sprint: Hat er auf der Zielgeraden freie Bahn, ist er kaum zu schlagen.

Y - Youngster: Schon in seiner Junioren-Zeit war Kittel sehr erfolgreich, aber eher im Zeitfahren. 2005 und 2006 wurde er Weltmeister im Kampf gegen die Uhr.

Z - Zabel-Rekord: Mit seinem 13. Tour-Etappensieg in Bergerac hat Kittel am Dienstag den früheren Telekom-Profi Erik Zabel als deutschen Rekordsieger bei der Tour übertroffen, einen Tag später folgte in Pau Triumph Nummer 14.

 

Den Radsport erlebt der 29-Jährige als Gratwanderung. „Es gibt keine andere Sportart, in der die Balance zwischen Leben und Tod so gegeben ist“, sagte der Erfurter am ersten Ruhetag der 104. Tour de France.  „Die Tour kann oft schneller vorbei sein, als man denkt. Einmal falsch gebremst und es ist aus.“

Am Donnerstag wird die Kittel-Siegesserie aber vorerst gestoppt, wenn es in die Pyrenäen geht. So nutzten die Topstars die Flachetappe, um ihre Kräfte zu schonen. Froome trug auf dem Weg nach Pau, das bereits zum 69. Mal bei der Tour angesteuert wurde, zum insgesamt 50. Mal das Gelbe Trikot. 18 Sekunden beträgt sein Vorsprung auf den Italiener Fabio Aru, dahinter lässt der Vorjahreszweite Romain Bardet die Gastgeber bei einem Rückstand von 51 Sekunden auf den ersten französischen Toursieg seit 1985 hoffen.

(mit dpa)

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erstellt am 13.Jul.2017 | 13:03 Uhr

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