Fußball-Kolumne : Macht-Fülle, Personal-Wechsel, Minus-Geschäft

Bernd Hoffmann, Präsident des Hamburger SV und Aufsichtsratschef der HSV AG. /Archiv
Bernd Hoffmann, Präsident des Hamburger SV und Aufsichtsratschef der HSV AG. /Archiv

Der HSV ist auf einem guten Weg, bei Holstein Kiel wartet viel Arbeit und Weiche Flensburg gebührt Respekt.

shz.de von
28. Mai 2018, 07:38 Uhr

Er hat es geschafft: Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG, Präsident des Gesamtvereins, und auch der Aufsichtsrat hört auf ihn. Bernd Hoffmann, der 2011 als HSV-Vorstandschef gehen musste, ist wieder da, wo er immer hin wollte. Auf dem Chefsessel. Gut bezahlt. 

Hoffmann ist mit einer Machtfülle ausgestattet, wie es sie nicht einmal in der erfolgreichen Zeit mit Wolfgang Klein als Vorsitzendem und Günter Netzer als Manager gegeben hat. Der HSV ist ganz in der Hand von Hoffmann, der es geschickt verstanden hat, die Gremien nach dem sportlichen Absturz auf seine Seite zu bringen.

Die Erwartungen an Hoffmann sind jetzt groß. Soll doch die 2. Liga nur ein einjähriges Intermezzo sein. Erste Personalentscheidungen machen Mut. Die Weiterverpflichtung des bisherigen Amateurtrainers Christian Titz, der fast noch den Abstieg verhindert hätte. Ein Leistungsträger wie Lewis Holtby bleibt, Aaron Hunt vielleicht auch – sogar bei geringerem Gehalt. Was natürlich immer noch reicht, um hin und wieder Gourmetrestaurants zu besuchen. Dazu kommt mit Ralf Becker ein Sportvorstand, der sein Handwerk versteht. Becker hat bei Holstein Kiel erstklassige Arbeit geleistet und kennt sich in der 2.  Liga bestens aus.

Der HSV hat die ersten Voraussetzungen für eine schnelle Rückkehr ins Fußball-Oberhaus geschaffen. Den ersten Schliff für die Profis gibt es dann im Trainingslager in der Marineschule Mürwik in Flensburg. Logiert wird im Glücksburger Strandhotel. Wo einst Felix Magath mit dem VfL Wolfsburg die Grundlagen für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft gelegt hatte.

Kommen und Gehen: Derzeit allerdings ist die Liste der Abgänge länger als die der Zugänge bei Holstein Kiel. Marvin Ducksch zu Fortuna Düsseldorf, die Leihgeschäfte von Leistungsträgern wie Aaron Seydel (Mainz 05) und Tom Weilandt (VfL Bochum) laufen aus. Zudem wird Offensivspieler Dominick Drexler bei Werder Bremen und in Dänemark gehandelt, dazu folgt Kapitän Rafael Czichos Trainer Markus Anfang zum 1. FC Köln. Der neue Holstein-Trainer Tim Walter, der von der zweiten Mannschaft des FC Bayern an die Kieler Förde wechselt – und von Uli Hoeneß seinem Freund Gerd Lütje empfohlen wurde –, hat also eine Menge Arbeit vor sich.

Respekt und Anerkennung: Letztendlich war der SC Weiche Flensburg 08 in den beiden Relegationsspielen dem Proficlub Energie Cottbus nur mit einem Tor unterlegen. Das gestrige 0:0 in Cottbus reichte nicht ganz. Und doch haben die Flensburger Amateure großen Respekt verdient. Allein für die Meisterschaft in der Regionalliga Nord und den Pokalsieg auf Landesebene. 

Ein Aufstieg hätte eine Menge Probleme mit sich gebracht. Etwa in Sachen Stadion. Für das heimische Manfred-Werner-Stadion hätte es in der 3. Liga keine Genehmigung des DFB gegeben. Was die Verantwortlichen in Flensburg dazu bewegen sollte, jetzt endlich eine Entscheidung zu treffen: einen Neubau oder den Ausbau der Anlage in Weiche. Hat doch der Ausflug zum Relegationshinspiel nach Kiel den Verein rund 100.000 Euro gekostet.

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