Badminton Eine historische Chance

Von Jörg Lühn | 13.04.2018, 11:00 Uhr

Blau-Weiß Wittorf kann erstmals in die 1. Bundesliga aufsteigen.

Showdown in der Weberbornhalle in Markt Goldbach in Unterfranken – und mittendrin: Blau-Weiß Wittorf. Die Badminton-Asse greifen morgen und am Sonntag nach den Sternen, wollen über eine Relegationsrunde erstmals in ihrer Historie in die 1. Bundesliga aufsteigen.

Der Meister der 2. Bundesliga Nord aus Neumünster trifft dabei auf den Erstliga-Neunten TSV 1906 Freystadt sowie den Zweiten der 2. Bundesliga Süd, TV 1884 Marktheidenfeld. Süd-Meister 1. BC Bischmisheim II ist als Erstligareserve nicht startberechtigt. Im Modus „jeder gegen jeden“ werden zwei Plätze für die Beletage im deutschen Badminton vergeben. „Jetzt wird es Zeit, dass es losgeht“, meint Wittorfs Team-Manager Ralf Treptau. Während die Gegner-Reihenfolge für sein Team offen ist, steht lediglich fest, dass die blau-weißen Gänsefederartisten das zweite Duell am Eröffnungstag bestreiten werden.

Gestartet wird die Relegation mit einem Duell zwischen den Landkreisen Unterfranken und Oberpfalz. Freystadt und Marktheidenfeld suchen in sieben Matches ihren Sieger. Beide Clubs hatten vor der Saison nicht damit gerechnet, in der Relegationsrunde zu landen. Freystadt plante in der zweiten Erstligasaison den direkten Klassenerhalt. Trotz so renommierter Spieler wie Oliver Roth (EM-Dritter im Herrendoppel 2010) und Lukas Schmidt (Deutscher Meister im Einzel 2014) fehlte ein Punkt zum direkten Klassenverbleib. Zu den bekannteren Akteuren auf der Herrenseite gehört noch Johannes Pistorius, mit dem Wittorfs Bjarne Geiss im vergangenen Jahr die deutsche Juniorenmeisterschaft im Doppel gewann.

Querbesetzungen sind im Badminton nicht ungewöhnlich. So spielte Wittorfs Stine Küspert mit Freystadts Annabella Jäger am vergangenen Wochenende noch bei der deutschen Rangliste und wurde Zweite. Eine gewichtige Bedeutung kommt Jenny Moore zu. Die 22-Jährige ist mit Wittorfs Gregory Mairs liiert. Das Duo tourt als Mixed durch Europa. Möglicherweise kommt es im Hause Mairs/Moore sogar zu einer Doppel-Party – wenn beide mit ihren Teams aufsteigen.

Schließlich wollen sich die Wittorfer unbedingt gegen die Newcomer aus Marktheidenfeld durchsetzen. Der Regionalligameister Südost (Staffel Süd) verpasste vor der Serie zunächst zum dritten Mal hintereinander den Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd, profitierte im Anschluss jedoch vom Rückzug des 1. BV Düren 57 und der Aufstockung in den 2. Ligen auf jeweils zehn Mannschaften. Danach platzierte sich das Team mit elf Punkten Rückstand auf Bischmisheim II auf Platz 2. Leistungsträger sind der deutsche Hochschulmeister 2017, Tim Specht, und Christopher Ames, deutscher Hochschulmeister im Doppel 2010, sowie der Pole Jan Rudzinski. Bei den Damen sammelte Brid Stepper 21 von 33 Punkten in Einzel, Doppel und Mixed für Marktheidenfeld. Den psychologischen Vorteil holte sich aber Wittorfs Küspert, die mit Jäger am vergangenen Sonnabend das Ranglisten-Doppelduell gegen Stepper/Annalena Diks (1. BC Beuel) gewann.

Die Wittorfer können nicht mit der besten Mannschaft anreisen. Die Malaysierin Lyddia Cheah bleibt wegen ihrer Examensarbeit in England. Erste Alternative ist die Kroatin Stasa Poznanovic. Treptau nominierte außerdem Katrin Schadlowski aus der Wittorfer Reserve und könnte im äußersten Notfall noch auf Carina Hingst (trotz Abiturvorbereitung) zurückgreifen. Auf der Herrenseite ist lediglich der Einsatz von Jan Collin Strehse nicht möglich, weil dieser die erforderliche Anzahl von zehn Einsätzen nicht erfüllt. Anders sieht es bei Sebastian Schöttler aus. Der 36-Jährige griff zwar aktiv in vier Zweitligapartien zum Schläger, war jedoch stets als anwesender Ersatzspieler vermerkt, sodass er mitwirken kann. Komplettiert wird das Wittorfer Team von Philipp Nebendahl. Damit bleiben Treptau, was die taktischen Besetzungen angeht, eine Reihe von Möglichkeiten. Aber der 52-Jährige bittet um Verständnis und sagt: „Ich möchte die Karten nicht auf den Tisch legen.“

Erwartet werden zu den Duellen am Wochenende rund 500 Zuschauer, wobei sich aus Neumünster nur 20 Fans angekündigt haben. Die Daheimgebliebenen können über das Internet-Portal Badmintonsport TV (www.bafo.de) die Spiele live verfolgen. Außerdem ist ein Live-Ticker (www.courtspot.de) frei geschaltet.

Spielplan: morgen, 13.30 Uhr: TSV 1906 Freystadt – TV 1884 Marktheidenfeld; 18.30 Uhr: Sieger Spiel 1 – BW Wittorf; Sonntag, 14 Uhr: Verlierer Spiel 1 – BW Wittorf.

Es fehlen: Cheah (Examensarbeit), Strehse (nicht teilnahmeberechtigt) – Courier-Tipp: Wittorf unterliegt Freystadt mit 2:5, gewinnt aber gegen Marktheidenfeld mit 4:3 und steigt in die 1. Bundesliga auf.