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Lokaler Sport

19. August 2017 | 22:47 Uhr

"Wir haben das gleiche Problem"

vom

Pinneberg/Elmshorn | 5:0 in der ersten Pokalrunde gegen die Sportfreunde Pinneberg, 5:1 im letzten Test am Dienstag beim starken Bezirksligisten SSV Rantzau. Eigentlich müsste Michael Fischer, Trainer des Fußball-Oberligisten VfL Pinneberg, vor dem morgigen Oberliga-Auftakt gegen den Meister FC Elmsorn (17 Uhr, Stadion I) vor Euphorie nur so platzen.


Keine Kampfansagen

Aber: Von Kampfansagen keine Spur. Große Reden? Fehlanzeige. Stattdessen tritt Fischer auf die Euphorie-Bremse: "Die Ergebnisse stimmen, aber eigentlich sind wir noch nicht so weit, um gegen den FC Elmshorn zu spielen. Wir benötigen noch Zeit für die taktische und konditionelle Feinjustierung." Dass Fischer in seinem Team einen Umbruch vollzogen und 15 neue Spieler (inklusive Christian Koster, der aber zunächst in der eigenen Zweiten zum Einsatz kommen wird) integriert hat, sei für seine Zurückhaltung nicht ausschlaggebend. Der Coach betont: "Es liegt nicht am Umbruch und auch nicht an den vielen Neuen. Dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so weit sind, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass ich während der Vorbereitung nicht immer alle beisammen hatte. Es lief etwas unruhig."

So weilte Neuzugang Tim Vollmer, der langfristig die Rolle des Abwehrchefs einnehmen soll, während der Vorbereitung zwei Wochen berufsbedingt beim Confed-Cup in Brasilien, Flemming Lüneburg machte zwei Wochen Urlaub. Christian Dirksen brach sich den großen Zeh und pausierte, ebenso wie Sören Badermann (Ferse). Nicht die einzigen, die fehlten und Fischers Vorbereitungspläne ein wenig durchkreuzten.


"Unrunde Vorbereitung"

"Es waren eben nicht immer alle da. Deshalb greifen die Mechanismen erst so langsam peu à peu", grübelt Fischer. Positiv stimmt ihn derweil, dass das Umschaltspiel von defensiv auf offensiv gegen Rantzau schon besser funktionierte als noch einige Tage zuvor im Pokal gegen die Sportfreunde. Dennoch: Einige Wochen benötige sein Team noch, um "voll im Rhythmus zu sein", ist sich Fischer sicher. Zeit, die er kaum hat, denn das Auftaktprogramm ist hammerhart: Nach dem Derby gegen den FCE müssen die Fischer-Mannen zum SC Vier- und Marschlande reisen, danach kommt der starke Aufsteiger TuS Dassendorf.

"Wir rechnen damit, dass wir im Monat August keine optimale Punktausbeute haben werden, aber wir denken langfristig", stellt Fischer klar und weist zudem darauf hin, dass sich auch der Meister Elmshorn noch in der Findungsphase befindet: "Sie haben wohl das gleiche Problem wie wir: Sie befinden sich ebenfalls im Umbruch und sind noch nicht voll bei hundert Prozent. Insofern ist es besser jetzt zu Beginn der Saison gegen sie zu spielen als in fünf bis sechs Wochen, wenn sie eingespielt sind", ist Fischer froh und fügt hinzu: "Sie haben mit den Abgängen von Patrick Ziller, Lars Gersdorf und Jan Lüneburg sicherlich an Substanz verloren, sich aber gut verstärkt. Für mich sind sie dennoch ein Titelanwärter."

Dass der VfL mit Steffen Maaß, Flemming Lüneburg, Jan-Philipp Zimmermann und Keeper Tim Brüggemann vier Kicker in den eigenen Reihen hat, die noch vor genau einem Jahr zum Kader der Elmshorner zählten, sieht Fischer, der sich noch überlegt, ob er den wiedergenesenen Tim Vollmer von Beginn an spielen lässt und wer neben Benjamin Brameier im defensiven Mittelfeld ran darf, nicht als großen Vorteil an.


Vier Ex-Elmshorner

Auch der Ex-Elmshorner Brüggemann, zwischenzeitig beim Oberligisten Bramfelder SV zwischen den Pfosten, sieht keine Vorteile, auch wenn er die Elmshorner Spieler gut kennt: "Es ist insofern ein besonderes Spiel für mich, als dass es das erste der Saison ist - aber nicht, weil der Gegner FCE heißt. Besonders an der Konstellation ist lediglich, dass man sich kennt und nach dem Spiel länger bleibt, um ein gemeinsames Bier zu trinken", sagt der 24-jährige Tornescher, der sich beim VfL "rundum wohl fühlt." Nachtreten gegen den FCE und Trainer Achim Hollerieth, der ihm im Sommer 2012 nach dem Aufstieg in die Oberliga auf die Bank setzten ("Herr Hollerieth schenkte mir nie sein Vertrauen") will "Brügge" nicht.

Vielmehr möchte der Hüne, der an der Nordakademie ein duales Studium absolviert, das Spiel so professionell wie jedes andere angehen, keinen Unterschied daraus machen, ob der Gegner aus der Ober- oder der Kreisliga kommt: "Ich denke schon, dass ich gegen Elmshorn mehr zu tun bekommen werde, als gegen die Sportfreunde. Aber das ist keine Umstellung für mich. Ich pushe mich in jedem Spiel hoch, bin voll dabei, egal wieviele Dinger ich auf die Kiste kriege."

Dafür, dass es möglichst viele werden, will beim FCE nicht nur der ehemalige Pinneberger Thorben Reibe sorgen. Auch die Offensiv-Neuzugänge Maurizio DUrso (vom SC Victoria) und Pascal Eggert (von Bergedorf 85) sollen vorne wirbeln. An Eggert haben Sie an der Fahltsweide keine guten Erinnerungen: Am 30. Spieltag der zurückliegenden Serie brachte der flinke Flügelstürmer (Brüggemann: "Einer der schnellsten Spieler, die die Liga je gesehen hat") den VfL beim 6:4 fast im Alleingang an den Rand eines Punktverlustes. Aber können Eggert, DUrso und Neu-Abwehrchef Kim Helmer (Sohn von Europameister und Ex-Bayern-Profi Thomas Helmer) Gersdorf, Torschützenkönig Lüneburg, Antreiber Ziller und den jetzt noch kurzfristig für das Derby suspendierten Tim Jeske (möchte wie Lüneburg zum Regionalligisten Eintracht Norderstedt wechseln) adäquat ersetzen?

"Wir sind von ihnen überzeugt, haben sie nicht umsonst geholt. Zudem haben wir die Löcher, die entstanden sind, eins zu eins gestopft. Aber man wird abwarten müssen", sagt FCE-Teammanager Eugen Igel und zeigt sich ebenso zurückhaltend wie Fischer beim VfL.


500 Zuschauer erwartet

Nur bei einer Sache geben Igel, Fischer, Brüggemann und Co ihre Zurückhaltung auf - und zwar dann, wenn es um die Zuschauer geht. "Das Spiel ist konkurrenzlos. Es läuft parallel keine Bundesliga im TV und kein Pokal. Was gibt es für den hiesigen Fan also Schöneres, als zum Auftakt-Derby zu gehen?", fragt Fischer, "ich rechne mit über 500 Zuschauern."

Und Igel pflichtet ihm bei: "Das ist das perfekte Auftaktspiel des Meisters beim Kreisrivalen. Wer da nicht hingeht, hat selbst Schuld."

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erstellt am 02.Aug.2013 | 03:14 Uhr

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