zur Navigation springen
Lokaler Sport

17. Oktober 2017 | 17:32 Uhr

Polonaise mit Trompete in der Kabine

vom

So wars vor 20 Jahren: Rasensport feiert mit Thomas Thater und Stefan von Appen den Gewinn des Hamburger Toto-Pokals

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Elmshorn | Pokalfieber bei Thomas Thater (42) und Stefan von Appen (50). Die Helden vom 6. Juni 1993, als Ras po Elmshorn das erste und einzige Mal den Hamburger Toto-Pokal gewann, sind ganz und gar auf das Hier und Jetzt eingestellt: Die Liether Altliga steht im Viertelfinale. Vor der Partie gegen den Kummerfelder SV nehmen sich die beiden Elmshorner Fußballer aber die Zeit, um auf der Terrasse des Liether Klubheims auf die den bisher einmaligen Triumph der Grünen zurückzublicken. Eine halbe Stunde ist Zeit bis zum Treffpunkt - zumindest für Thater; von Appen kann nicht mitwirken, das Knie.

Als erstes fällt Thomas Thater spontan eine Szene etwa eine halbe Stunde nach Abpfiff des 93er-Pokal-Finals an der Hamburger Flurstraße ein: "Ich weiß noch, dass Matze Brandt mit einer Trompete in der Dusche eine Polonaise angeführt hat." Mit 3:1 hat Rasensport zuvor auf dem Platz des SV Lurup den eine Klasse tiefer in der Landesliga angesiedelten K.S. Polonia 3:1 bezwungen. Die aufgestauten Emotionen brachen sich freudig die Bahnen - Bier- und Sektduschen inklusive. Nordisch-trockener Kommentar von Appens aus heutiger Sicht dazu: "Feiern konnten wir immer gut."

Die ganze Truppe mit vielen Elmshornern und einigen Gastspielern habe einfach gut zusammengepasst. Trainer damals war Eugen Igel, heute Teammanager des FC Elmshorn. "Da gabs keine Streitereien", so von Appen. Und das war nach jedem Spiel so. Das obligatorische gemeinsame Essen nach den Partien hat oft erst am späteren Abend geendet. "Eine Stunde haben wir zusammensitzen müssen. Das war Pflicht, aber es ist meistens länger gewesen."

Mathias Brandt, damals Schütze des entscheidenden dritten Elmshorner Tores, hatte dies bereits vor dem Saisonhöhepunkt unter Beweis gestellt: Bei einem bereits weit vorher gebuchten Kurzurlaub mit einigen Mannschaftskameraden, aber auch Trainer Eugen Igel und Ligaobmann Kuddl Mumm. Es wurde so manche Gerstenkaltschale geleert, aber "den Alkohol habe ich am nächsten Morgen immer wieder ausgeschwitzt", erzählt der heute bei der SVL als Jugendtrainer tätige Brandt, der in Altliga der Spielgemeinschaft Holsatia/Sparrieshoop spielt. Training sei auch auf der Baleareninsel eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Dem Endspiel war eine Nervenschlacht vorausgegangen. Der Termin wurde drei Mal verschoben, weil das Halbfinale zwischen Polonia und dem Harburger TB erst wiederholt werden musste (Polonia hatte drei nicht spielberechtigte Akteure eingesetzt) und dann nach gegenseitigen Protesten am Grünen Tisch entschieden wurde.

Eine weitere Folge dieser Auseinandersetzungen, die bis vorm Verbandsgericht ausgetragen wurden, war die Verlegung des Finales vom Victoria-Stadion Hoheluft an die Flurstraße. Das, da ist sich Stefan von Appen heute noch sicher, hat der Kulisse geschadet. Thater: "1200 Zuschauer verlaufen sich da." Darunter waren viele Elmshorner. Der damalige Fanclub-Chef Werner Mumm hatte zwei Busse gechartert. Viele Jugendmannschaften der Grünen kamen geschlossen zum Anfeuern.

Diesen Zuspruch konnte Raspo gut gebrauchen. Die Elf der "polnischen Edeltechniker" (Brandt) legte los wie die Feuerwehr, führte nach 16 Minuten 1:0. Das war der Weckruf. Ob Raspo Polonia danach "an die Wand gespielt hat" (Einschätzung Brandt) oder der Außenseiter nach der Elmshorner 2:1-Führung (Tore: Martin Lütje und Knut Aßmann) näher am Ausgleich war denn Raspo an der endgültigen Entscheidung (Einschätzung von Appen) könnte heute Thema von ganz und gar nicht bissig geführten Diskussionen sein. Sicher ist: Brandts fulminanter Kopfball nach maßgeschneiderter 30-Meter-Flanke von Jörg Herwig machte alles klar für die Feier.

Herwig war damals unangefochtener Leitwolf Rasensports. Von Appen spielte neben ihm den defensiveren Part im Mittelfeld und war dort nicht wegzudenken. In der Hintermannschaft war von Viererkette noch keine Rede. Als Libero war Jörg Bantelmann die personifizierte Igel-Taktik: Überschreiten der Mittellinie war nur für den Gang in die Kabine nach Abpfiff erlaubt. Daneben agierten zwei Manndecker: Heiko Strunz und während der Verbandsligaspielzeit zumeist Thorsten Runge. Im Finale gab Igel dem damals 22 Jahre alten Thater den Vorzug vor Runge. "Das war für mich sehr wichtig", sagt Thater rückblickend. "Ich glaube, ich habe meine Aufgabe erfüllt. Mein Gegenspieler hat kein Tor geschossen." Zudem bedeutete der Toto-Pokal-Triumph für Thater den Durchbruch.

Rückkehr in die Gegenwart: Im Falle Lieth hat das Daumen drücken leider nichts genutzt. Die Rothosen unterlagen Kummerfeld nach einer 3:0-Halbzeitführung (Tore: Torben Roß und Martin Tündermann (2)) noch 3:4. Aber das muss ja für den FCE am Pfingstmontag nichts bedeuten. Hin wollen Thater und von Appen auf jeden Fall und Chancen geben die beiden dem FCE in jedem Fall, denn: "Sie trainieren mehr als wir damals", weiß von Appen, der schräg gegenüber des Platzes an der Wilhelmstraße wohnt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen