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Lokaler Sport

17. Dezember 2017 | 20:53 Uhr

Nur Mitleid mit den PS-"Athleten"

vom

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Wenn die Dynamik des Menschen darin besteht, möglichst kraftvoll und schnell einen kleinen Hebel nach unten zu drücken, dann sind viele deutsche Autofahrer die schnellkraftstärksten Athleten dieser Welt. Einfach staunenswert, wie es ihnen immer mal wieder gelingt, selbst im dicksten Elmshorner Mittelstadt-Verkehr, sogar in heiklen, ja unübersichtlichen Verkehrssituationen, ihre gesamte Manneskraft auf den Gashebel ihres Autos zu konzentrieren.

Und wie sie dann mit ihrer gefühlten PS-Rakete so einen 50 km/h-Stadt-Bummler wie mich riskant, jedoch gekonnt überholen, das lässt mich jedes Mal wieder in meinem Kleinwagen zu dem werden, was ich bin: ein zwar einst passabler Sportler mit ganz ordentlichen Alters-Bestzeiten von 5000 Meter bis Marathon, immer noch auch ein leidenschaftlicher Rennradfahrer, gemessen jedoch an diesen "Gashebel-Rekordlern", nichts weiter als ein Verkehrshindernis.

Na klar, ein alt gewordener Glatzkopf, wie ich es bin, dazu in einem Kleinwagen dahingondelnd, gehört offenbar per "Ich-bin-Sieger-Gefühl" so mancher (nicht aller!) unserer PS-Athleten nicht nur nicht auf die öffentliche Straße, sondern sofort und so riskant, wie es der dichte Verkehr kaum zulässt, überholt zu werden.

"Mein Gott", denke ich dann so vergrätzt wie verträumt: Wenn ich euch mal auf meinem Rennrad - Mann gegen Mann - zeigen könnte, was mit eurer Dynamik in Wahrheit los ist, wenn ihr also nicht von einem Motor zu so imposanter Schnelligkeit getrieben würdet, sondern nur aus eigener Körperkraft bestehen müsstet, ja dann . . .

Doch ach, was solls! Die Mehrheit dieser Herren der wundervollen Autokraft würden sich nie auf einen Wettkampf einlassen, bei dem sie nur auf ihre Körperkraft angewiesen wären. Vielleicht treibt es sie deshalb so sehr, wenigstens im alltäglichen Verkehr immer mal wieder Sieger zu sein. Ja, wenn ich so weit bin, beginne ich Mitleid zu haben mit solchen "Sportlern".

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