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Landessportverband in SH : Mitgliederschwund in Sportvereinen setzt sich fort

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Mitgliedszahlen im Landessportverband sind weiterhin rückläufig. Es gibt immer weniger Ballspieler. Zulauf verzeichnet der Gesundheitssektor.

Es geht zwar weiter leicht abwärts, dennoch stellt der Sport immer noch die größte organisierte Bürgerbewegung in Schleswig-Holstein dar. Wie schon in den Jahren zuvor mussten die Sportvereine im Norden auch 2016 einen Mitgliederschwund hinnehmen. Nach 784.605 Vereinssportlern im Jahr 2015 reduzierte sich ihre Zahl um 2581 (minus 0,33 Prozent) auf 782.024. Das geht aus der Bestandserhebung zum 1. Januar 2017 hervor, die der Landessportverband (LSV) Schleswig-Holstein veröffentlichte.

Sportvereine prägen den sozialen Zusammenhalt. Manche Aktive könnten daher den Anschluss verlieren, wenn die Zahl der Vereine zurückgeht. Einige Sportarten haben durch den Mitgliederschwund auch ums Überleben zu kämpfen.

„Die Sportvereine bringen mehr Menschen in Bewegung, als es die reinen Zahlen aussagen“, sagte Thomas Niggemann, Geschäftsführer Vereins- und Verbandsentwicklung/Breitensport beim LSV und betonte, dass diese offiziellen Bestandszahlen sehr differenziert betrachtet werden müssen. Hintergrund: Zusätzlich zu den rund 780.000 regulären Mitgliedschaften kalkuliert der LSV mit 200.000 bis 250.000 Aktiven, die über alternative und flexible Mitgliedsformen Sport im Verein betreiben. „Wir haben es zunehmend mit Kursangeboten und Kurzzeitmitgliedschaften zu tun“, sagte Niggemann. Und auch die diversen Kooperationsformen der Vereine mit Schulen, Kindertagesstätten oder Betrieben tauchen oftmals nicht am Jahresende in der Mitgliederstatistik der Vereine auf.

Allgemein lässt sich festhalten: Der demographische Wandel hat weitreichende Auswirkungen auf den Sport. Die Bevölkerung schrumpft und altert. Dazu kommt der gesellschaftliche Trend, dass immer weniger Menschen wettkampforientiert aktiv sein wollen. Der Fitness- und Gesundheitssektor erfreut sich wachsender Beliebtheit und stetem Zulauf. Und nicht zuletzt fällt der Hang zur Individualisierung ins Gewicht: Die Leute wünschen sich Angebote der Sportvereine, die flexibel, kostengünstig und von hoher Qualität sind. Die Individualisierung des Lebens fördert die Spontanität und lässt die Ehrenamtsbereitschaft sinken. „Damit müssen wir uns als Dachverband auseinandersetzen“, so Niggemann. „Und die Vereine müssen sich an der gesellschaftlichen Entwicklung orientieren und sich die Frage stellen: ‚Was wollen die Leute da draußen?‘“

Insgesamt sind zwischen Nord- und Ostsee 2578 Sportvereine (Vorjahr 2588) im Landessportverband organisiert. Der leichte Rückgang ist größtenteils mit erfolgten Zusammenschlüssen von Vereinen zu begründen. Ein deutlicher Trend ist dabei: Die Zahl der ballspielenden Mannschaften geht kontinuierlich zurück.

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Unter den „Top Ten“ der insgesamt 50 Fachverbände des LSV stellen die Turner mit 180.026 Mitgliedern (-0,50 Prozent) unverändert den mitgliederstärksten Fachverband. Fußball (124.846/ -0,21 Prozent) liegt auf Platz zwei vor Tennis, Handball und dem Pferdesport. Unter den 20 größten Fachverbänden vermeldeten Schwimmen, Reha- und Behindertensport, Karate und Rudern ein leichtes Mitgliederplus.

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Die drei größten der 15 Kreissportverbände im LSV sind der KSV Rendsburg-Eckernförde (85.934 Mitglieder), der KSV Pinneberg (80.426) und der KSV Segeberg (64.250), am Ende rangieren Flensburg (20.595) und Neumünster (15.754).

In der Rangliste der größten Vereine des Landes Schleswig-Holstein behauptete der Verein für Freizeit- und Gesundheitssport/Uni Kiel die Spitzenposition mit 7368 Mitgliedern. Auf dem zweiten Platz steht der Kieler MTV (6858) vor dem VfL Pinneberg (5196), SV Henstedt-Ulzburg (5147), Elmhorner MTV (5041), TSB Flensburg (4803) und SC Itzehoe (4774).

Kommentar: Facebook statt Fußball

Von Holger Petersen

„No Sports“: Das legendäre Zitat des ehemaligen britischen Premierministers Winston Churchill trifft auch leider auf immer mehr Schleswig-Holsteiner zu. Sie kehren dem organisierten Sport den Rücken zu, die Mitgliederzahlen im Landessportverband befinden sich seit Jahren im  Sinkflug. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Dazu zählen der demografische Wandel, das geänderte Freizeitverhalten der Menschen, die Konkurrenz von kommerziellen Angeboten, der Hang zur Individualisierung. Die Verpflichtung, sich auf eine Mannschaft einzulassen und damit auch Verantwortung zu übernehmen, ist vielen lästig geworden. Sie wollen flexibel und zeitlich ungebunden bleiben.

Besonders alarmierend: die rückläufigen Zahlen bei Kindern und Jugendlichen. Meist sind die Kurse für Kinderturnen und die Trainings von Fußball- und Handball-Minis noch gut besucht. Der Schwund setzt dann ein, wenn die zeitliche Belastung durch die weiterführende  Schule (zu) groß wird. Ein bedauerlicher Trend. Denn Sportvereine sind nach wie vor von immenser Bedeutung für die  Entwicklung von Jugendlichen. Gerade in Zeiten, in denen sie sich immer weniger bewegen – Ballerspiele statt Ballspiele, Facebook statt Fußball – und zunehmend motorische Fähigkeiten verlieren. Sie  können im Verein (abgesehen vom  gesundheitlichen Aspekt) lernen, sich sozial zu integrieren, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen, ihre Team- und Kommunikationsfähigkeit verbessern, Verantwortung übernehmen.

Die Vereine und Verbände stehen vor großen Herausforderungen. Sie müssen die Kooperationen mit den Schulen intensivieren, ihre zum Teil verkrusteten Strukturen auf den Prüfstand stellen, die Sportstätten modernisieren und ihr Angebot hinterfragen. Eine Herkulesaufgabe in Zeiten knapper Kassen und sinkender Bereitschaft der Menschen, ein Ehrenamt zu übernehmen.

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