Fussball-Oberliga Hamburg : Wedeler TSV zieht Protest zurück – ein fader Beigeschmack bleibt

Szene aus dem Rückspiel der vergangenen Saison im März: Francis Gyimah (links, FC Süderelbe) im Duell mit WTSV-Stürmer Eric Agyemang.
Szene aus dem Rückspiel der vergangenen Saison im März: Francis Gyimah (links, FC Süderelbe) im Duell mit WTSV-Stürmer Eric Agyemang.

Der Wedeler TSV zieht Protest gegen 1:2-Pleite beim FC Süderelbe zurück. Fall beschäftigt gesamte Oberliga.

shz.de von
01. März 2018, 08:00 Uhr

Wedel | Dieser Fall beschäftigt die ganze Oberliga. Da dem Spieler Tarik Cosgun (kleines Foto) vom FC Süderelbe zu Unrecht die Spielgenehmigung erteilt wurde, hatten die Fußballer des Wedeler TSV und des SV Rugenbergen Protest gegen die Wertung der Auswärtsduelle mit den Hamburgern eingelegt.

Nachdem das Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbands jene Beschwerde abwies, zog der SVR seinen Protest zurück – der WTSV aber wollte vor die nächste Instanz, das Verbandsgericht, ziehen, um eine Umwertung der 1:2-Pleite vom 29. September zu erwirken.

Um ihn dreht sich alles: Tarik Cosgun.
Karl-Heinz Meincke

Um ihn dreht sich alles: Tarik Cosgun.

Doch zu der angestrebten Verhandlung wird es nicht mehr kommen. Wie die Wedeler in einer Pressemitteilung darlegten, werden sie entgegen des eigentlichen Vorhabens das Urteil des Sportgerichts nicht anfechten.

„Nach einem ausführlichen Telefonat mit dem Verbandsgericht wurde uns mitgeteilt, dass das neue Urteil des Verbandsgerichtes durchaus so ausfallen könnte, dass die Spielberechtigung von dem Spieler Cosgun ab dem 24.7.2017 rückwirkend aufgehoben wird“, heißt es in besagter Mitteilung.

Neuansetzung statt Umwertung

„Jedoch wäre die Konsequenz, dass alle Spiele, gegen die dann Protest erhoben werden würde, vom Verband neu angesetzt werden müssten.“ Und das wolle der Wedeler TSV nicht verantworten, da dies „den aktiven Spielbetrieb der Oberliga Hamburg gefährden würde“.

In der laufenden Oberliga-Saison kommen insgesamt acht Spiele in Frage, deren Wertung demnach hätte angefochten werden können.

„All diese Spiele hätten nicht mehr ausgetragen werden können und der reine Nutzen, auch für uns, stünde in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den die Liga und eventuell auch der FC Süderelbe erlitten hätte“, erklärt der WTSV.

Wer trägt die Schuld? Verein oder Verband?

Doch wieso würden die besagten Partien überhaupt neu angesetzt und nicht umgewertet werden? Das Verbandsgericht beruft sich laut Frank Ockens (Sportlicher Leiter des Wedeler TSV) auf Punkt elf unter Paragraph 28 der Spielordnung, der sich mit Spielwertungen in besonderen Fällen beschäftigt.

Dort heißt es: „Wird in einem Spiel ohne schuldhaftes Verhalten des betreffenden Vereines ein Spieler eingesetzt, für den die Spielerlaubnis irrtümlich oder unter falschen Voraussetzungen erteilt worden ist, so hat seine Mitwirkung keine Auswirkung auf die Wertung bis zur Feststellung des Irrtumes ausgetragener Spiele. Bei einem berechtigten Protest gemäß Paragraph 27 RuVO ist das beanstandete Spiel zu wiederholen.“

Heißt im Klartext: Nicht der FC Süderelbe hat bei der Vergabe der Spielerlaubnis für Cosgun einen Fehler begangen, sondern der HFV.

Das stellte zumindest das Verbandsgericht in einer Verhandlung am 10. Januar fest, entzog dem Süderelber rückwirkend zum 18. Oktober 2017 (erstes Urteil des Sportgerichts zum Wedeler-Protest) die Spielerlaubnis und verwies den Fall an den Spielausschuss.

Irritationen um rückwirkend erteilte Spielgenehmigung

Dieser wiederum erteilte Cosgun am 12. Februar rückwirkend eine neue Spielgenehmigung ab dem 19. Oktober. „Ich weiß gar nicht, wie so etwas möglich ist. Das ist mir ein Rätsel“, sagte Ockens.

Und selbst vom HFV-Spielausschuss gibt es darauf keine klare Antwort. Es handele sich bei der Klärung dieser Frage um ein „laufendes Verfahren“, so Beisitzer Andreas Hammer. Für den Wedeler TSV ist das Verfahren bereits gelaufen. Ein fader Beigeschmack bleibt aber erhalten, wie Ockens befindet.

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