Fussball-WM : „Leute sind in den Brunnen gesprungen.”

Hat spanische Wurzeln: WTSV-Trainer Daniel Domingo.
Hat spanische Wurzeln: WTSV-Trainer Daniel Domingo.

Daniel Domingo drückt Spanien und Deutschland die Daumen. Sein größtes WM-Erlebnis hatte er im spanischen Vigo.

shz.de von
20. Juni 2018, 12:05 Uhr

Wedel | Zum Auftakt gab es Paella mit der Familie. Daniel Domingo, der Fußball-Trainer des Wedeler TSV mit spanischen Wurzeln, ließ es beim mitreißenden 3:3 der La Furia Roja gegen Portugal ruhig angehen. „Ich bin erstmal etwas zurückhaltend“, sagt Domingo zum Auftreten Spaniens bei der Weltmeisterschaft.

„Dass es so passiert ist, finde ich gut.”

Im Vorfeld der WM standen die Südeuropäer bereits abseits des grünen Rasens in den Schlagzeilen. Die Entlassung von Trainer Julen Lopetegui kurz vor dem Turnierstart hatte nicht nur auf der iberischen Halbinsel für reichlich Diskussionen gesorgt.

Unmittelbar nachdem bekannt wurde, dass Lopetegui im Anschluss an die WM Nachfolger vom zurückgetretenen Zinedine Zidane beim Champions League-Sieger Real Madrid wird, setzte der spanische Verband seinen Trainer vor die Tür. Der hatte erst wenige Wochen zuvor seinen Vertrag bis 2020 verlängert.

„Dass es so passiert ist, finde ich gut“, meint Domingo, der „fehlende Loyalität“ bei Lopetegui beklagt.

„Spieler sind Egoisten.”

Einen Nachteil für Spanien, das kurzerhand Ex-Profi Fernando Hierro als Interimslösung installiert hat, sieht der Oberliga-Trainer darin aber nicht. „Hierro wird nicht viel ändern, das Spielsystem ist seit Jahren das gleiche. Und letztlich sind die Spieler auch Egoisten. Sie laufen nicht für einen Trainer auf, sondern wollen für sich den maximalen Erfolg“, so der 42-Jährige.

Und das Maximum haben die Spanier schon des Öfteren erreicht. Besonders hängen geblieben sind bei Domingo der Europameistertitel 2008 im Finale gegen Deutschland und der erstmalige WM-Gewinn von 2010. „Ich habe damals in Vigo gelebt. Das war ein Riesenerlebnis“, berichtet der gebürtige Hamburger.

Erst gähnende Leere, dann totale Ekstase

Kurios sei allerdings der Rahmen rund um das Endspiel in Südafrika in der spanischen Hafenstadt gewesen. „Ich bin mit ein paar Freunden in ein Lokal gegangen, um das Spiel zu gucken. Doch da waren gerade mal drei Zuschauer – ich dachte, wo bin ich denn hier gelandet“, erinnert sich Domingo.

Als die Spanier sich dann mit 1:0 nach Verlängerung gegen die Niederlande durchgesetzt hatten, seien aber plötzlich „alle aus ihren Löchern gekrochen“. „Die Stimmung auf den Straßen war sensationell. Da sind die Leute in den Brunnen gesprungen“, berichtet der Fußball-Coach.

Bei der WM 2018 in Russland drückt Domingo nicht nur den Spaniern die Daumen, er hofft auch, dass die DFB-Elf weit kommt.

In seiner Familie hegt man Sympathien für beide Länder. „Mein großer Sohn läuft im Neuer-Trikot rum. Der Kleine ist Isco-Fan“, erzählt der zweifache Vater. Beide Kinder spielen Fußball in der Jugendabteilung des Hamburger Klubs HEBC.

Deutschland oder Spanien?

Doch was ist, wenn die Spanier im Verlauf des Turniers in Russland noch auf die deutsche Mannschaft treffen sollten? „Es ist schwer zu sagen“, überlegt Domingo und will sich nicht ganz festlegen. „Ich habe als Jugendlicher fünf Jahre in Spanien gelebt, meine Kinder sind in Hamburg geboren – möge der Bessere gewinnen.“

Für Spanien steht in der zweiten Partie gegen den Iran das Weiterkommen auf dem Spiel. Ganz so ruhig wie bei der Auftaktpartie wird es da bei den Domingos wohl nicht zugehen.

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