Abstiegsplatz, Personalnot, Disziplinlosigkeiten : Krisenstimmung beim Wedeler TSV

Trainer Daniel Domingo verzweifelte nicht nur angesichts der harmlosen Offensive.
Trainer Daniel Domingo verzweifelte nicht nur angesichts der harmlosen Offensive.

WTSV-Coach Daniel Domingo denkt an einen Abschied. Grund ist aber nicht die Heimpleite seiner Fußballer gegen Teutonia.

shz.de von
03. September 2018, 17:15 Uhr

Wedel | Als Gejagter gilt es, seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus zu sein. Das weiß auch Daniel Zankl. So ließ es sich der Trainer des TSV Sasel nicht nehmen, dem Oberliga-Gastspiel von Teutonia 05 beim Wedeler TSV einen Besuch abzustatten. Am kommenden Sonntag treten seine noch ungeschlagenen Saseler schließlich zum Topspiel bei den auf Rang zwei liegenden Teutonen an.

Schmeißt Domingo hin?

Ob hingegen Daniel Domingo dann noch Cheftrainer der Wedeler Fußballer sein wird, scheint derzeit völlig offen. „Ich werde mir meine Gedanken machen, denn so geht’s nicht weiter“, stellte er nach der 1:3 (1:0)-Heimniederlage gegen Teutonia klar.

Die Ursache für seine harsche Kritik war allerdings gar nicht mal im Spiel selbst zu finden, sondern in den Minuten und Stunden davor. Seit dieser Saison trägt der WTSV seine Heimspiele bekanntlich am Sonntag um 11.15 Uhr aus.

Lieber Feiern statt Schlafen

Einige Wedeler Akteure soll dieser frühe Anpfifftermin jedoch nicht daran gehindert haben, sich am Vorabend der Teutonia-Partie noch lange in den Diskotheken und Bars auf der Hamburger Reeperbahn zu vergnügen. Zudem seien am nächsten Morgen nach Auskunft Domingos einige Spieler zu spät am vereinbarten Treffpunkt erschienen.

Zu viel für den Coach, der seinem Ärger nach Abpfiff Luft verschaffte: „Ich finde es traurig, dass sowas passiert. Gerade in unserer Situation. Und wenn man das weiß, dann trotzdem zu spät zu kommen, weil zu lang gefeiert wurde. Das ist nicht okay“.

„Wir stecken im Abstiegskampf”

Zwei magere Pünktchen haben die Wedeler bislang gesammelt: Rang 17. „Wir stecken im Abstiegskampf“, verwies Domingo auf die eigentlich größte Sorge, die sein Team haben sollte. Das scheinen jedoch längst nicht alle verinnerlicht zu haben.

Entscheidung fällt wohl diese Woche

Domingo will noch in dieser Woche eine „klare Ansprache“ an die Mannschaft halten. „Ich hoffe, dass sie das kapieren und dann muss man abwarten, was passiert“, ließ der Trainer am Sonntag auch seine eigene Zukunft offen. Feststeht für ihn aber: „Sollte ich weitermachen, dann werde ich an meiner Person was ändern.“

Soll heißen: Domingo will im Gegensatz zu seinem bisherigen eher kumpelhaften Führungsstil künftig härter durchgreifen. „Ich bin nicht unbedingt der Typ, der auf den Tisch haut und alles verbietet, aber scheinbar muss das hier in der Truppe sein“, sah er auch sein entgegengebrachtes Vertrauen ein Stück weit missbraucht.

Zwei Treffer schenkte Aytac Erman (links) den Wedelern um Maximilian Walter ein.
Claus Bergmann
Zwei Treffer schenkte Aytac Erman (links) den Wedelern um Maximilian Walter ein.
 

Wedeler Angriff erneut viel zu harmlos

In Wedel scheint ein neuer Brandherd entstanden zu sein. Dabei kommt der WTSV allein auf sportlicher Ebene derzeit kaum mit dem Löschen voran. Gegen Teutonia fehlte es den Elbstädtern abermals an Durchschlagskraft. Nur vier Treffer wurden bislang in dieser Saison erzielt. Einzig Lokalrivale und Schlusslicht VfL Pinneberg (3) ist noch harmloser.

Bezeichnend: Die zwischenzeitliche 1:0-Führung durch den 19-jährigen Tom Münster kam letztlich nur dank tatkräftiger Mithilfe von T05-Keeper Mirko Oest zustande. Dem ehemaligen Schlussmann der SV Halstenbek-Rellingen war in der 6. Minute eine Ballannahme völlig misslungen.

In dem daraus resultierenden Chaos im Fünfer der Gäste behielt Münster den Überblick und schob locker ein. Selbst herausgespielte Chancen waren auf Wedeler Seite jedoch Mangelware.

Ex-Wedeler erzielt Doppelpack

Teutonia dagegen näherte sich dem WTSV-Kasten mit zunehmender Spieldauer immer gefährlicher an. Der Ex-Wedeler Aytac Erman sorgte schließlich für den verdienten Ausgleich (66.). Nur zehn Minuten später war Erman erneut im Fokus, als er Wedels Keeper Andre Alves Lopes bei einem Freistoß aus 17 Metern auf dem falschen Fuß erwischte – 1:2.

Teutonia nimmt Geschenke dankend an

Nach einem Fehlpass von Christian Dirksen machte Teutonen-Neuzugang Furkan Aydin (kam vom SC Victoria) mit einem saftigen Schuss ins Eck schließlich den Deckel drauf (80.).

Daniel Domingo hofft nun, dass die wiedergenesenen Marcel Uitz und Enzo Simon dem Wedeler Angriffsspiel künftig wieder Leben einhauchen können. Ob mit oder ohne ihm als Cheftrainer.

Wedeler TSV – Teutonia 05 1:3 (1:0)

Wedeler TSV: Alves Lopes – D. Diaz Alvarez, Wilckens, Walter, Eggers – Steinecke, Dirksen (88. Nunes Correia Junior) – L. Diaz Alvarez, Banoub, Lee – Münster (76. Ellerbrock). Cheftrainer: Daniel Domingo.

Tore: 1:0 Münster (6.), 1:1 Erman (66.), 1:2 Erman (76.), 1:3 Aydin (80.)

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