Punktabzug: Hypothek für Hagen

Der Vorsitzende  des KFV Stormarn: Jörg Lembke. Foto: un*
Der Vorsitzende des KFV Stormarn: Jörg Lembke. Foto: un*

Zehn Teams aus Kreisfußballverband stellen wiederholt zu wenige Schiedsrichter / SSC Hagen und TSV Trittau betroffen / Kritik an Regelung

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20. Juli 2013, 04:59 Uhr

Kreis Stormarn | Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) greift hart durch: Clubs, die im zweiten Jahr in Folge zu wenige Schiedsrichter stellen, müssen mit drei Minuspunkten in die neue Saison starten. Gleich zehn Vereine aus dem Kreis Stormarn hat es erwischt - und die Namen auf der Liste sind durchaus prominent. Neben SH-Ligist SSC Hagen Ahrensburg starten auch die Verbandsligisten TSV Trittau und VfL Oldesloe mit der Hypothek.

Die Nachricht kam bei den betroffenen Vereinen - natürlich - nicht besonders gut an. "Ich will mich zu dem Thema lieber nicht äußern", sagte Jan Jakobsen, Trainer des SSC Hagen, ungewohnt wortkarg. Immerhin ein Statement ließ er sich doch noch entlocken: "Ich könnte explodieren."

Seinem Unmut Luft machte auch Matthias Räck, Trainer des TSV Trittau, der Unverständnis für die Regelung aufbrachte. "Ich dachte, unser Fußballobmann will mich veräppeln, als er mir von dem Punktabzug erzählt hat. Eine Geldstrafe ist okay, ein Punktabzug ist nicht in Ordnung."

Anders sieht es Sven Buntfuß. "Wir müssen das so hinnehmen. Diese Punkte entscheiden nicht über den Klassenerhalt. So knapp darf und wird es gar nicht werden", sagte der Coach des VfL Oldesloe.

Hintergrund der Strafe: Paragraf 9 der Spielordnung besagt, dass alle Vereine eine bestimmte Anzahl an Schiedsrichtern stellen müssen, die sich nach der Zahl der gemeldeten Mannschaften richtet. Verstößt ein Club in zwei Saisons in Folge gegen diese Auflage, wird die höchstklassigste Mannschaft des Vereins im SHFV mit Punktabzug bestraft. Die Regelung greift erstmals, da der SHFV den Paragrafen 9 erst vor zwei Jahren neu geregelt hat. Außerdem werden Geldstrafen ausgesprochen. Der TSV Trittau etwa, der vier Unparteiische zu wenig gemeldet hat, muss 1000 Euro zahlen.

Dafür zuständig, die Schiedsrichtermeldungen zu prüfen, ist der jeweilige Kreisfußballverband (KFV). "Wir haben dem SHFV ein Formblatt rübergeschickt, auf dem die Zahlen festgehalten sind", sagt Jörg Lembke, Vorsitzender des KFV Stormarn: "Die Strafen sind aber eigentlich nicht in unserem Interesse. Die Vereine sollten durch die Neuregelung wachgerüttelt werden", betonte Lembke, der vermutet, dass die Strafen im KFV Stormarn nicht die einzigen bleiben.

"Das Problem ist letztlich leider hausgemacht", musste Günter Feigl, Fußball-Spartenleiter des SSC Hagen Ahrensburg, bekennen: "Unser Schiedsrichterobmann hat sich extrem darum gekümmert, genügend Unparteiische zu finden - einige sind ihren Pflichten aber nicht nachgekommen." So wurden drei Schiedsrichter vom Verband nicht berücksichtigt. Zwar habe der Verein gegen diese Entscheidung Einspruch eingelegt - der aber sei abgewiesen worden. Zwei Schiedsrichter habe der SSC gar verloren, weil sie von anderen Clubs abgeworben wurden - möglicherweise, um dem Punktabzug zu entgehen. "Eine reine Geldstrafe wäre die bessere Regelung. Wir hätten lieber gezahlt, auch wenn wir nicht unbedingt auf Rosen gebettet sind", so Feigl.

Den Teams bleibt letztlich nur eine Möglichkeit. "Wir müssen uns die Punkte eben am ersten Spieltag zurückholen, dann geht es bei Null los", sagt Matthias Räck. Der Coach des TSV Trittau aber ist sich sicher, dass er am Ende den Rechenschieber rausholen wird: "Wenn die Saison vorbei ist, werde ich wohl schauen, wo wir mit drei Punkten mehr gelandet wären." Da dürfte er nicht der Einzige sein.

Liste der Stormarner Teams, die mit Punktabzug bestraft werden: SSC Hagen Ahrensburg (SH-Liga), TSV Trittau, VfL Oldesloe (beide Verbandsliga), SV Preußen Reinfeld, SV Hamberge, Witzhaver SV (alle Kreisliga), VfR Todendorf, SV Timmerhorn-Bünningstedt (beide Kreisklasse A), Tralauer SV (Kreisklasse B), SV Großhansdorf (Kreisklasse C).

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