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Fussball : Spannung, Jubel und Tränen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

FC Angeln 02 feiert nach dem 1:0 in Löwenstedt mit Raupe und Eiswasserdusche die Meisterschaft

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2014 | 07:17 Uhr

FC-Manager Ralf Huwe raste an der Seitenlinie hin und her und lief eine tiefe Furche in die Grasnarbe, FC-Chef Swen Treede klopfte sich mächtig aufgeregt mit der Hand auf die Brust – die Anspannung im Lager des FC Angeln war überdeutlich. Angreifer Lars Horstinger hatte gerade das 0:2 auf dem satten Grün des Au-Wiesen-Platzes in Löwenstedt völlig freistehend vergeben – die Partie vor gut 300 Zuschauern wäre vorzeitig entschieden gewesen. „Der will, dass wir hier nicht zur Ruhe kommen“, prustete Huwe Haare raufend. Mehr als eine Viertelstunde lang mussten Mannschaft und Mitgereiste die Spannung noch ertragen, dann pfiff Schiedsrichter Aslan Gastrock ab. Angeln gewann 1:0. Emotionen fanden endlich ihren Weg, grenzenloser Jubel. Angelns Anhang stürmte das Spielfeld, Keeper Tore Wächter lag wie ein Käfer auf dem Rücken und streckte zappelnd alle Viere von sich, Trainer Detlev Hinrichs umarmte alles und jeden. Und Lars Horstinger war in diesem Moment das Leid der Fans bei seiner ausgelassenen Chance so was von uninteressant. „Scheißegal, wir sind Meister“.

Christian Hoffmann-Timm hatte den FC Angeln mit seinem Tor in der 74. Minute dazu gemacht. „Ich bin völlig fertig. Die Nerven haben geflattert. Es war so heiß, ich hätte keine fünf Minuten mehr weiterspielen können“, rang der schweißgebadete FC-Kapitän freudestrahlend nach Luft.

Nachdem Detlev Hinrichs seine erste Bierdusche abbekommen hatte ging er zum Trainer-Kollegen Bernd Hansen, der dann doch miterleben musste, dass in Löwenstedt ein Meister feiert und es nicht seine Mannschaft ist. „Jetzt bekomme ich das auch einmal mit. Das muss ich nicht so häufig haben. Aber Angeln hat verdient gewonnen, der Sieg geht völlig in Ordnung“, meinte Hansen. Und bei der Umarmung und Gratulation sagte er zu Hinrichs: „Schade, dass du aufhörst“.

Hansens große Stunde kann aber schnell kommen. Am Donnerstag ist an gleicher Stelle Kreispokalfinale gegen Frisia Risum-Lindholm – im Jahr des 50-jährigen Bestehens könnte dann ganz Löwenstedt in Blau und Weiß jubeln.

Noch aber gab das Weiß-Blau der Gäste den Ton an. Der zahlreiche Anhang des FC Angeln hatte groß aufgefahren. Die „Muttis“ und Freundinnen schwenkten blau-weiße Tücher. Trommeln, Rasseln und Megafon waren lautstark im Einsatz.

Der Spielverlauf auf dem Platz indes war eindeutig. Angeln machte Druck, Löwenstedt stand kompakt und war auf Konter aus. Das geschätzte Eckenverhältnis 2:15 für Angeln. Die Führung war überfällig. Björn Laß hatte sich im rechten Strafraum mit viel Körperkontakt gegen Dennis Jäger bis zur Grundlinie durchgetankt und auf den mitgelaufenen Hoffmann-Timm zurückgepasst. Der Kapitän schob aus sechs Metern überlegt ein (74.). Nur wenig später die große Horstinger-Chance und dann das lange Mitfiebern bis zum erlösenden Abpfiff. Und als Hinrichs die Raupe und die Eiswasserdusche beim Meisterschaftsfoto auch überstanden hatte, fuhr der Adrenalinpegel langsam runter. „Wir hätten es ruhiger haben können. Aber die Mannschaft stand unheimlich unter Druck. Wir haben hier noch nie gewonnen, aber das hatte ich vorher gar nicht erwähnt“, analysierte Hinrichs nüchtern, um dann kopfschüttelnd festzustellen. „Diese Saison ist unglaublich, das gibt es gar nicht.“ Und natürlich wird er zum Abschied „ein paar Tränen verdrücken“. Hinrichs senkt ein wenig den Kopf: „Es können sogar ein paar mehr werden.“

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