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Kappeln : Olympia-Ruderin Laura Schwensen ist erleichtert nach Entscheidung

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Laura Schwensen nimmt Abschied vom Leistungssport. Die Beweggründe der 24-Jährigen: Weniger Spaß am Sport, dafür mehr Stress

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2016 | 07:56 Uhr

Laura Schwensen lebt in Dortmund. Die 24-Jährige ist eine der erfolgreichsten Athletinnen, die die Rudervereinigung Kappeln hervorgebracht hat. Ihr letzter großer, offizieller Auftritt im hohen Norden war trotz noch nicht ganz überstandener Grippe die Preisverleihung zur Sportlerin des Jahres 2012 in der Flens-Arena. Seinerzeit hatte die zierliche, blonde Steuerfrau des Deutschland-Achters die Erfahrungen ihrer ersten Olympischen Spiele in London hinter sich und formulierte ihre weiteren sportlichen Ziele mit belegter Stimme so: „Mein Traum sind die Spiele 2016 in Rio. Ich möchte dann mit einer guten Mannschaft um eine olympische Medaille kämpfen.“

Die Traum ist geplatzt – nicht wie eine Seifenblase, sondern nach einer langen Phase des Grübelns und Überlegens. Laura Schwensen hat ihren Abschied vom Leistungssport genommen – eine Entscheidung mit Erleichterung. „In den letzten Monaten gab es immer mehr Schwierigkeiten. Ich hatte das Gefühl, man tritt beim Verband auf der Stelle. Keiner wusste, wie es mit dem Achter weitergeht“, beschreibt die junge Studentin (Prävention und Gesundheitspsychologe) ihre Beweggründe für den Rücktritt. „Ich habe andere Vorstellungen, für mich war die Ungewissheit verlorene Zeit.“ Die ganze Situation sei unbefriedigend und habe ihr Stress bereitet. „Es hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht zu steuern. Gesundheitliche Probleme haben mich in dieser Entscheidung noch bestärkt“, sagt die gebürtige Kappelnerin, die sich nun voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren und die sportliche Karriere ihres „Gold-Jungen“ (Olympia 2012) und Lebenspartners begleiten will. Martin Sauer ist Steuermann des Deutschland-Achters, der als Vizeweltmeister das Ticket für Rio schon längst gebucht hat. Mittlerweile leben beiden seit sechs Jahren in einer gemeinsamen Wohnung in Dortmund. „Das hat sich sehr gut zusammengefügt“, sagt Laura Schwensen.

Aber als begleitende Touristin und Partnerin nach Rio, das kommt für die 24-Jährige nicht in Frage. „Zu teuer – gerade jetzt wo die Förderung eingestellt wurde. Ich bin gerade dabei, mir einen Studenten-Job zu suchen.“ Vielleicht könnte es aber auch eine sehr emotionale Reise werden, vielleicht mit Wehmut. „Bei einer Entscheidung, wie Laura sie getroffen hat, sind auch immer widerstreitende Gefühle im Spiel“, sagt Michael Schürmann. Der Trainer der Kappelner Rudervereinigung war in den Findungsprozess seines Schützlings immer involviert und trägt ihren Entschluss uneingeschränkt mit. „Meinen Respekt.“

Als Elfjährige hat Laura Schwensen den Weg zum Rudern gefunden. 2004 errang sie als Ruderin ihre ersten Siege auf nationaler Ebene. Seit 2005 sitzt sie hinten im Boot und gibt als Steuerfrau den Ton an. Schon im Jugendbereich gewann sie Medaillen bei Deutschen Meisterschaften. 2007 wurde sie Vizeweltmeisterin bei den Junioren. Seit 2009 vertrat Schwensen die Rudervereinigung als Steuerfrau der A-Nationalmannschaft erfolgreich bei Weltcups sowie Welt- und Europameisterschaften. Sie wurde Deutsche Meisterin, gewann Weltcuprennen und mehrere Medaillen bei Europameisterschaften. Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn war zweifelsohne die Teilnahme bei den Spielen 2012, wo das deutsche Boot auf dem Dorney Lake in Eton allerdings nicht über die Vorrunde hinauskam. Eine tolle Sportler-Karriere, auf die Laura Schwensen gerne zurückblickt. „Die acht Jahre in der Nationalmannschaft waren ein großes Privileg, ich hab immer viel Freude dabei gehabt und tolle Erfahrungen gemacht,“ sagt die Kappelnerin, die nie die Verbindung zu ihrer Stadt und ihrem Verein hat abreißen lassen. Bei Heimat-Besuchen ist da schon mal eine große Tüte eines schwedischen Möbelhauses mit Ruder-Klamotten für den Nachwuchs im Gepäck. „Das kommt gut an. Das hat mich früher auch gefreut“, sagt die erste Kappelner Olympiateilnehmerin, die nicht nur wegen ihrer Erfolge zum Vorbild für viele junge Sportler der Rudervereinigung geworden ist, sondern auch wegen ihrer Entscheidungen.

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