Sportlerin des Jahres : Mit viel Ausdauer über die Straßen

Liebt lange Läufe: Birgit Goos.
Liebt lange Läufe: Birgit Goos.

Deutsche Meisterin Birgit Goos kam spät, aber erfolgreich zum Ultra-Lauf. „Die langen Läufe sind immer ein guter Ausgleich und tun auch der Seele gut“.

shz.de von
05. Januar 2015, 13:08 Uhr

Mit Birgit Goos wurde erstmals eine Ultraläuferin zur Sportlerin des Jahres in der Schleiregion gewählt. Mit ihrem Altersklassensieg bei den Deutschen Meisterschaften im 100-km-Lauf in Husum setzte die 55-Jährige vom Borener SV den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere als Langstreckenläuferin. Genau 11:34:06 Stunden brauchte Birgit Goos, um auf den Runden am Nordseedeich die längste aller offiziellen Straßenlaufdistanzen erfolgreich zu bewältigen. Ihr gelungenes Debüt auf der Ultrastrecke wurde mit dem Titel der Deutschen Meisterin der Klasse W  55 gekrönt.

Nur eine Schleswig-Holsteinerin (Inge Brandts vom MTV Leck) absolvierte 2014 die gigantische Distanz von 100 km schneller als Birgit Goos, die bei der Deutschen Meisterschaft Gesamt-Achte wurde und in der bundesweiten Rangliste aller 100-km-Läuferinnen auf Platz 41 rangiert. „In nächster Zeit ist erstmal kein 100er geplant, aber irgendwann mache ich das bestimmt nochmal“, äußert sich Goos auch nach den Anstrengungen des ersten 100-km-Laufs durchaus offen für weitere Herausforderungen.

Mit dem 100-km-Lauf hatte die Arzthelferin aus Dörpstedt im Vorjahr läuferisches Neuland betreten. Nachdem sie zuvor Schritt für Schritt ihr Wettkampfrepertoire immer mehr erweitert hatte, schien nach fünf erfolgreichen Marathonläufen die Zeit reif für ein neues Abenteuer. Ihr Trainer Lasse Frahm, der sie seit fünf Jahren in Trainingssteuerung und Wettkampfvorbereitung unterstützt, hatte ihr attestiert, dass sie mit ihrer läuferischen Erfahrung und ihrem Laufstil prädestiniert sei für die ganz langen Strecken. Und er sollte Recht behalten, als Goos leichtfüßig und jederzeit gut gelaunt stundenlang ihre Runden auf dem Asphalt drehte.

Mit ihrer Vereinskameradin Sylvia Hansen, die ebenfalls den 100-km-Lauf mit Erfolg absolvierte, hatte sie bei der Vorbereitung eine ideale Partnerin. Rund 90 Kilometer pro Woche liefen die beiden in der Hochphase des Trainings.

Das Laufen als Wettkampfsport hatte Birgit Goos erst mit 45 Jahren für sich entdeckt. „Ich bin immer schon ein bisschen gejoggt, aber zu längeren Läufen bin ich erst später gekommen. Die langen Läufe sind immer ein guter Ausgleich und tun auch der Seele gut“, beschreibt Goos ihre Beziehung zum Laufsport, die weit über das reine Wettkampftraining hinausgeht.

Bei ihrem Stammverein SV Hollingstedt, bei dem sie noch immer in der Gymnastikgruppe aktiv ist, hatte sie Lauftreff-Spartenleiter Volker Jenner animiert, auch an Wettkämpfen teilzunehmen und sie dann zu immer längeren Distanzen ermutigt. So folgten dem ersten 10-km-Lauf schnell ein Halbmarathon und schon bald der erste Marathon.

Mit Lasse Frahm fand sie dann einen Coach, der ihrem Trainingsaufbau eine individuelle Struktur gab, so dass auch die Bestzeiten Jahr für Jahr schneller wurden. Nach einigen Jahren bei Spiridon Schleswig zog es Birgit Goos vor zwei Jahren zum Borener SV, wo sie Teamkolleginnen fand, mit denen sie auch bei Mannschaftswertungen und Staffelläufen schon schöne Erlebnisse und Ergebnisse hatte.

Ihr wichtigster Trainingspartner ist allerdings ihr Mann Manfred Goos, der ebenfalls aktiver Straßenläufer ist, allerdings die ganz langen Strecken nicht mit angeht. „Das ist echt klasse, dass wir beim Laufen sehr viel gemeinsam machen“, freut sich Birgit Goos über die perfekte private Konstellation. Ihre drei erwachsenen Söhne ziehen bislang das Fußballspielen vor, aber ein künftiges Lauftalent aus der Familie hat Birgit Goos schon im Visier. „Meine zweijährige Enkelin könnte vielleicht bald mal einen Bambinilauf mitmachen“, spekuliert die junge Großmutter.




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