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Fussball : „Jeder will, keiner kann“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

TSV Kropp zeigt sich nach dem Pokal-Aus total verunsichert und unterliegt im SH-Liga-Derby Flensburg 08 mit 0:4

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2014 | 08:04 Uhr

Als Trainer Thorsten Böker seinen Spieler Rinor Kuci bei dessen Auswechslung in der 72. Minute kräftig umarmte und abklatschte war die Partie längst entschieden. Drei Minuten zuvor hatte Bruder Mergim Kuci mit dem 0:3 alles klar gemacht, Flensburg 08 hatte beim enttäuschenden TSV Kropp am Ende mit 4:0 (1:0) verdient gewonnen und einen verunsicherten SH-Ligisten auf dem kurz gemähten, sattgrünen Rasen zurückgelassen.

„Eine geschlossene Mannschaftsleistung. Meine Jungs hatten Lust auf Fußball“, lautete die erste Kurzanalyse von Noch-Co-Trainer Böker, der wegen des Fehlens von Frank Papenberg erstmals die alleinige Verantwortung bei 08 hatte. Eine gelungene Premiere von Böker, der die Mannschaft kommende Saison als Chefcoach übernehmen wird. „So kann es weitergehen“, strahlte der 35-Jährige.

Aus Kropper Sicht indes kann es so nicht weitergehen. Der TSV war erfolglos bemüht, gegen eine kompakte Flensburger Mannschaft stets einen Schritt zu spät und niemals Herr der Lage. „Jeder will, aber keiner kann“, meinte Kropps Mittelfeldspieler Anton Merz kopfschüttelnd nach der Partie im Smalltalk mit dem Noch-08er Sascha Möller (Trainer 08 II).

Nach dem schmachvollen Pokal-Aus beim VfB Nordmark Flensburg (Stadionheft: „Das ist wirklich unendlich bitter“/Management: „Die Stimmung ist echt beschissen“) setzte sich die allgemeine Verunsicherung des Kropper Teams nahtlos und von Beginn an fort. Nach einer ersten 08-Konterchance durch Thomas Lohner in der 2. Minute (!) tankte sich nur 60 Sekunden später Ihab Hathab auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durch, passte zurück zu Lucas Linhardt, der den Ball rechts unten zum 0:1 platzierte. Ein Traumstart für 08, ein Trauma für Kropp. Katastrophale Fehlpässe und unendlich viele verlorene Zweikämpfe folgten. Nach einer Viertelstunde umkurvt der wieselflinke Linhardt gleich vier Kropper, passte auf Mergim Kuci, dessen Schuss Keeper Reinhold aber parierte. „Jeder ist willig. Aber bei uns fehlte die Körpersprache. Das waren alles nur Alibi-Bewegungen“, ordnete Kropps Coach Dirk Asmussen die Aktionen seines Teams der allgemeinen Situation und dem frühen Rückstand zu. Wenn Kropp etwas Offensives versuchte, dann lange Bälle, meist auf Finn Langkowski. Bei einer solchen Aktion verletzte sich der Mittelstürmer nach einem Linksschuss am linken Knie und musste ausgewechselt werden (28,). Für ihn kam Mirco Jess ins Team.

Akzente indes setzte 08. Wieder spielte Linhardt (35.) die Hintermannschaft schwindelig. Sein Pass von der Grundlinie rollte quer zur Torlinie und konnte erst am zweiten Pfosten von Henke zur Ecke gelenkt werden. Zwei Minuten später parierte Reinhold einen Linksschuss von Hathat glänzend. Kropper Chancen vor der Pause ? Nicht nennenswert.

Unmittelbar nach dem Wechsel wurden dann erneute gute Vorsätze der Kropper wieder blitzartig zunichte gemacht. Der Ball fiel nach einer Reinhold-Parade Hathab vor die Füße und hoppelte ins lange Eck zum 0:2 (46.).

Während 08-Betreuer Paolo Mercurio neben der Bank bereits italienische Weisen von sich gab, versuchte Asmussen sein Team von der Außenlinie weiter anzuspornen. Gefühlt, so intensiv wie selten. „Wenn meine Mannschaft Unterstützung braucht, bin ich bei ihr“, meinte der Coach. Aber alle Anfeuerungen blieben fruchtlos. Die Kropper Spieler wollten, aber es blieb bei verunsicherten Ansätzen. „Pomadig und unkonzentriert“, lautete ein Kommentar auf der Tribüne.

In der 68. Minute fiel die Vorentscheidung nach einem satten Linksschuss von Mergim Kuci aus 16 Metern. In einer völlig unnötigen Aktion in der linken Ecke zwischen Grundlinie und Strafraumgrenze holte Keeper Reinhold Hathab von den Füßen. Beim anschließenden Elfmeter zum 0:4 durch Lohner (78.) war Reinhold machtlos.

Kropper Chancen in der zweiten Hälfte ? Vielleicht Mirco Jess, der sich wenige Minuten nach dem 0:2 auf der linken Seite durchsetzte, aber den Abschluss vertändelte. Und vielleicht ein Linksschuss von Jörn Vogt (82.) knapp über das Tor.

Dass 08 das bessere fußballerische Team war – wie Trainer Böker es ausdrückte – wollte Asmussen zwar nicht unterstreichen. „Aber 08 hat verdient gewonnen. Die hatten zwei, drei Jungs, die waren einfach gieriger“, meinte der Coach.

Und Co-Trainer Martin Schmidt, der vor dem Anpfiff gut gelaunt und bei bestem Fußball-Wetter mit einem guten Spiel seines Teams rechnete, schnappte sich kurze Zeit nach der deftigen Niederlage sein Fahrrad und fuhr von dannen. „So können Gefühle täuschen.“ mb

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