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Wie bei FIFA 2015 : FC Inter Dragon soll der erste digitale Fußball-Verein in SH werden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ex-Profi André Bistram will einen neuen Fußballclub gründen. Der Clou: Internet-Nutzer bestimmen, wer aufgestellt wird.

shz.de von
erstellt am 07.Feb.2015 | 10:34 Uhr

Schleswig | Der Fußball-Trainer von Schleswig 06 freut sich über seinen Neuzugang Sascha Möller, muss aber wohl gleichzeitig den Verlust seiner drei polnischen Spieler verkraften. „Es sieht momentan so aus, dass die drei uns nach der Saison verlassen werden“, erklärt Ralf Christiansen. Und wohin Rafal Gertig, Piotr Stragowski und Patryk Smolarek wechseln werden, steht auch bereits fest. Die drei sind dem FC Inter Dragon quasi ins Netz gegangen – ein Verein ohne Clubhaus, aber eventuell mit Spielstätte in Schleswig, wenn die Stadt mitmacht. Ein Verein mit realen Fußballern, der im Internet sein Zuhause hat. Ein Verein, der sich auflösen könnte, bevor er angemeldet ist, oder ein Verein, der die Fußball-Szene verändern könnte.

Trainer André Bistram spielte selbst bei Holstein Kiel und Schalke 04.
Trainer André Bistram spielte selbst bei Holstein Kiel und Schalke 04. Foto: Sieg

Ideengeber und Auslöser sind zwei Urgesteine von Schleswig 06. Ex-Profi André Bistram und Robert Nadrau haben den Ball ins Rollen gebracht. „Das funktioniert ähnlich wie beim Spiel FIFA 2015. Die User stellen aber eine reale Mannschaft auf und bestimmen, wer spielt und welches System gespielt wird“, erklärt Bistram bei einem ganz realen Treffen.

Auf der Homepage von Inter Dragon steht unter dem Stichwort Idee und Patent: „Wir alle sind fußballbegeistert und kennen die üblichen Spiele von Konsole und PC. Aber auch wenn sie Spaß bereiten, es bleiben Spiele. Der FC Inter Dragon hingegen ist ein ganz neues, patentiertes Konzept, bei dem du eine reale Mannschaft zum Erfolg führen kannst. Das gab's noch nie und du kannst von Anfang an dabei sein.“

Die Spieler, die sich dem FC Inter Dragon angeschlossen haben, werden im Internet porträtiert. Der erste Akteur, der sich im Video-Portal auf der Seite www.fcinterdragon.de vorstellte, war Felix Bremer, Mitarbeiter bei der Nadrau-Firma Fendi24 und Spieler in der zweiten Mannschaft von Schleswig 06. Es folgen die drei polnischen Fußballer, ergänzt durch den jüngsten Neuzugang Dawid Witkowski, „ein Torwart, der alles hält“. Alle vier sind beruflich bei Robert Nadrau angestellt.

Das Ziel von Inter Dragon ist es, die „Mannschaft ständig weiter zu entwickeln. Der schnellstmögliche Aufstieg und eine kontinuierliche Verbesserung bringen die Mannschaft so ganz an die Spitze der Tabellen.“ Konkret heißt das, der User kann, nachdem zum Beispiel ein 4-4-2-System gewählt wurde, aus einem Kontingent Abwehrspieler und Offensiv-Akteure auswählen und entsprechend aufstellen. Bistram: „Das soll keine Quatsch-Aufstellung werden. Wir wollen ernsthaften Fußball spielen.“

Sehen ein wenig aus wie Animationen, sind aber reale Kicker: (v.li.) Patryk Smolarek, Rafal Gertig, Felix Bremer, Dawid Witkowski und Piotr Stragowski.
Sehen ein wenig aus wie Animationen, sind aber reale Kicker: (v.li.) Patryk Smolarek, Rafal Gertig, Felix Bremer, Dawid Witkowski und Piotr Stragowski. Foto: sh:z

Real muss in der Kreisklasse gekickt werden. „Wir fangen ganz unten an und würden gerne unsere Heimspiele im Schleswiger Alleestadion austragen“, erzählt Bistram. Die Zustimmung von der Stadt indes steht noch aus. Ende vergangenen Monats hatte Bistram dem Bürgermeister ein überarbeitetes Konzept vorgelegt. Ein persönliches Gespräch hat es noch nicht gegeben, aber Bistram hat Signale wahrgenommen, dass „angeblich nichts dagegen sprechen würde“. Eher schon die Sanierung des Stadions in den Sommerferien mit dem Bau einer neuen Tartanbahn und einer Sprinkleranlage für den Rasenplatz.

Schleswig ist für die beiden Inter Dragon-Macher die erste Adresse. „Wir wollen gerne ins Alleestadion. Es ist fußballerisch ziemlich ungenutzt“, sagt Bistram, der aber auch eine Flensburger Alternative in petto hätte. „Unsere Idee funktioniert überall.“

Da die Standortfrage noch nicht geklärt ist, konnte auch noch kein Antrag auf Aufnahme in den Landessportverband gestellt werden – die Voraussetzung, um sich für den Spielbetrieb beim Schleswig-Holsteinischen Fußballverband anzumelden. „Der Verein sollte am besten FC Inter Dragon heißen. Wenn noch ein Ortsname dazu kommen muss, dann ist das so“, sagt Bistram. Einer Vereinsgründung mit Bestandserhebungsbogen, Gründungsprotokoll (von sieben Erwachsenen unterzeichnet), Satzung und Gemeinnützigkeitsnachweis sieht Bistram gelassen entgegen. „Überhaupt kein Problem“, sagt der 52-Jährige. Das gilt laut Bistram auch für die Liveübertragungen im Internet. In den Amateurklassen bis zur SH-Liga ist das nach seiner Aussage erlaubt.

Live-TV im Internet ist der Clou im Konzept des FC Inter Dragon. An der Spielstätte sollen Glasfaserleitungen verlegt werden, vier Kamerateams sollen die Übertragung auf PC, Handy oder Tablet liefern. „Wir würden mit 17 Heimspielen anfangen“, so der Plan des Dragon-Teams und André Bistram, der die Kosten zu 90 Prozent aus Werbung finanzieren will – die erste Sponsorenvorstellung auf der Homepage ist Fendi24.

Beim Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV) lautet die Auskunft: „Alle Rechte der Bewegtbilder liegen von der untersten Klasse bis zur SH-Liga beim Verband“, so David Lehwald, beim SHFV für Sponsoring und Produktmanagement zuständig. Vereine können eine Lizenz erwerben, so wie es bereits der TuS Hartenholm gemacht hat. Ein SH-Ligist bekommt ein Heimspiel für zehn Euro, fünf Euro kostet das Auswärtsspiel. Entsprechend günstiger würden die Gebühren in der untersten Klasse ausfallen. „Läge ein Antrag vor, würden wir sicher eine Regelung finden“, sagt Lehwald. „Die Gebühren sind nicht dafür da, um Geld zu verdienen.“

Bei Schleswig 06 war André Bistram zuletzt Trainer der zweiten Mannschaft, aber nach überstandener schwerer Krankheit nicht mehr im Einsatz. Bedenken von Schleswig 06, Bistram könne dem Verein Spieler abspenstig machen, versucht der gebürtige Kieler spitzbübisch auszuräumen. „Wir sprechen keine Spieler an. Wir reden nur mit Spielern, wenn wir wissen, dass sie den Verein verlassen wollen. “

Ein Kader von 22 bis 24 Aktiven soll bis Sommer feststehen. „Die Mannschaft wird Verbandsliga-Niveau haben“, sagt Bistram. Sie soll dreimal die Woche trainieren, zweimal auf dem Platz, eine Einheit vielleicht im Fitness-Studio. Trainer wird Nils Langwardt, der bei der Zweiten die Bistram-Nachfolge als Trainer übernommen hat. Trainingsort? „Wir werden mit den ortsansässigen Vereinen sprechen“, so Bistram, der aber auch weiß, dass es bei so einem Vorhaben immer „ein paar Neider“ geben wird. „Viele werden versuchen, uns den Weg zu verbauen. Aber davon lassen wir uns nicht verrückt machen.“

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