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Segeln : Die allerletzte Chance

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Deutsch-deutsches Ausscheidungsduell für Olympia im Nacra 17 zwischen Erichsen/Spitzmann und Kohlhoff/Werner wird beim Weltcup vor Weymouth fortgesetzt

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2016 | 06:50 Uhr

Nach Abschluss des Weltcups vor Hyeres Anfang Mai gab es lange Gesichter im Lager des Audi Sailing Team Germany (ASTG). Keines der beiden Nacra 17-Teams hatte die Qualifikationskriterien für die Olympischen Spiele vor Rio de Janeiro erfüllt. Weder die nach Punkten (16:13) führenden Paul Kohlhoff/Carolina Werner (Kiel) noch Jan Hauke Erichsen/Lea Spitzmann (Flensburg) würden sich den Traum von Olympia erfüllen können. Doch auch bei Seglern stirbt die Hoffnung zuletzt. Jetzt haben die Teams eine allerletzte Chance bekommen. Beim Weltcup vor Weymouth wird eine finale Ausscheidung gesegelt.

Auf Empfehlung des Olympia-Segelausschusses (OSA) hatte das Präsidium des Deutschen Seglerverbandes (DSV) dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) – entscheidende Instanz für die Vergabe der Olympia-Tickets – vorgeschlagen, den jungen Nacra-Mannschaften die Chance zu geben, bei einer weiteren Regatta eine Top-Leistung zu erbringen. „Deutschland hat den Nationenplatz für Rio. Wir möchten die Chance nicht ungenutzt lassen, schließlich haben beide Teams eine gute Entwicklung gezeigt“, sagt Nadine Stegenwalner, DSV-Sportdirektorin Leistungs- und Wettsegeln. Sollte ein Team den Leistungsnachweis (Platz unter den Top Ten) erbringen, wird der DOSB diesen Einzelfall zu prüfen haben. Von einer Nominierung dürfte aber auszugehen sein. „Wir würden diesen Weg nicht gehen, wenn wir nicht im Vorwege entsprechende Gespräche geführt hätten. Aber der DOSB hat die finale Entscheidung“, erklärt Stegenwalner, die mit Cheftrainer David Howlett den World Cup auch auf der Regattabahn besuchen wird.

„Wir freuen uns auf die neue Chance und auf den Wettkampf gegen die besten Teams der Welt“, sagt der Flensburger Steuermann Jan Hauke Erichsen, der bereits länger in England weilt. Auch für Trainer Jörg Rothert bedeutete die neue Entwicklung, wieder Koffer packen. Rothert und Vorschoterin Lea Spitzmann flogen vergangene Woche Richtung Weymouth, um sich auf die Regatten vorzubereiten. Die Wettfahrten beginnen heute, die Fleetraces dauern bis Sonnabend, am Sonntag ist das Medalrace der besten zehn Teams.

Und das muss das Ziel sein. Als Qualifikation für Rio muss ein Platz unter den Top Ten gesegelt werden. Das Team, dem das gelingt, hat das Ticket in der Tasche. Erreichen beide Crews das Finale der besten Zehn, nehmen Paul Kohlhoff und Carolina Werner ihre drei Punkte Vorsprung (16:13) aus den bisherigen deutsch-deutschen Ausscheidungsduellen mit. Das Flensburger Team müsste dann drei Plätze besser sein bzw. zwei Boote zwischen sich und die Kieler Konkurrenz bringen.

Der World Cup vor Weymouth spielt ohnehin in den Planungen von Erichsen/Spitzmann eine große Rolle. Sehr selbstbewusst als Vorbereitung für Rio nach einer bereits feststehenden Qualifikation. Jetzt kommt der Regatta, an der ein Großteil der Olympia-Teams an den Start gehen wird, eine ganz andere Bedeutung zu. „Das wichtigste wird sein, sich neu zu fokussieren. Das ist sicherlich nicht ganz einfach. Bisher war Hyeres als Höhepunkt eingeplant“, sagt Erichsen, ohne allerdings seinen Optimismus verloren zu haben.

Dem Flensburger Team liegt das Revier vor der südenglischen Küste. „Hier haben wir zum ersten Mal erfahren, dass wir in der Weltspitze mitsegeln können“, sagt Erichsen, der mit seiner Vorschoterin in dieser Saison alle Regatten gegen die deutschen Konkurrenten gewonnen hat.

Paul Kohlhoff und Carolina Werner sind die WM-Fünften des vergangenen Jahres und hatten zuvor auch den deutschen Nationen-Startplatz für die olympische Regatta in der neuen Mixed-Katamaran-Klasse gesichert. 2016 hatte das Duo keine guten Ergebnisse. Trotzdem: „Die beiden wissen, wie es geht“, sagt Rothert. Der Trainer des Flensburger Segelclub wähnt sein Duo aber in einer guten Position. „Die Stimmung ist prächtig. Die beiden fühlen sich in Weymouth super wohl und haben sich über die neue Chance gefreut“ – die allerletzte Chance für beide Mannschaften.

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