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Hallenfussball : ETSV Weiche rockt die Ostseehalle

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Flensburger Fußballer gewinnen Hallenmasters vor 8600 Zuschauern in Kiel. Siegtorschütze Patrick Thomsen ragt heraus

Die Zuschauerränge hatten sich schon geleert, das Hauptlicht der Ostseehalle war bereits ausgeschaltet. Aber in der Fankurve des ETSV Weiche feierten noch rund 250 Flensburger kurz vor Mitternacht mit den Spielern des Fußball-Regionalligisten den zweiten Coup innerhalb von drei Tagen. Nach dem Erfolg beim Flensburger Hallen-Cup gewann die Mannschaft von Trainer Daniel Jurgeleit am Sonnabend auch das 16. SHFV-Hallenmasters vor 8600 Zuschauern in Kiel. „Ich dachte eigentlich, meine Mannschaft kann mich nicht mehr überraschen, aber sie schafft es immer wieder“, freute sich Mäzen Harald Uhr.

Gleich zweimal bezwang Weiche den großen Favoriten Holstein Kiel. Zunächst 2:1 im Gruppenspiel, dann 1:0 im Finale. Wann der Drittligist zuletzt einmal bei der offiziellen Hallenmeisterschaft des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes verloren hatte, konnte auf Anhieb niemand beantworten. Aber in der Chronik war es nachzulesen. Im Januar 2011 unterlagen die Kieler im Finale gegen den VfB Lübeck mit 3:4. Anschließend folgten zwei Turniersiege ohne Niederlage, ehe Weiche doppelt zuschlug. „Das war eine sensationelle Leistung meiner Mannschaft. Wer Holstein zweimal in einem Turnier schlägt, hat den Pokal verdient gewonnen“, strahlte Jurgeleit.

Die Kieler Spieler waren jedoch etwas verärgert über die Spielweise der Flensburger im Finale. „Das war schon ärgerlich“, sagte Steve Müller. Da seien so viele Zuschauer gewesen, die viel Eintrittsgeld bezahlt hätten. „Und dann spielt Weiche so destruktiv.“ Die Partie war von Taktik geprägt. Die Flensburger nutzten Torhüter Florian Kirschke immer wieder als fünften Feldspieler. Holstein setzte aber nicht nach, wartete in der eigenen Hälfte. „Wir wollten nicht ins offene Messer laufen“, so Müller. Die Zuschauer quittierten das Taktieren nach fünf Minuten mit einem gellenden Pfeifkonzert. Uhr war dagegen begeistert: „Cool, wie die Jungs das trotz der Pfiffe runtergespielt haben.“

Nicht eine richtige Chance ließen die Flensburger im Finale zu. Und dann schlug der neue Shooting-Star zu: Patrick Thomsen, schon am Mittwoch als Torjäger und bester Spieler ausgezeichnet, traf nach einem Pass von Ilidio zum 1:0 (11. Minute) für den ETSV Weiche, der im Finale wieder die blauen Glückstrikots vom Flensburger Hallen-Cup übergestreift hatte. Die letzten vier Spielminuten waren ein Schaulaufen des Viertligisten in der Landeshauptstadt.

Patrick Thomsen strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Mit fünf Treffern war er wieder erfolgreichster Torschütze, und auch die Auszeichnung zum besten Turnierspieler ging erneut an ihn. Die Leistungsexplosion kann er sich auch nicht richtig erklären. „Ich weiß nicht, woher das kommt. Es läuft einfach. Ich bin gut drauf, habe viel Selbstvertrauen“, meinte der 23-Jährige, der auf dem Feld als „Sechser“ und Abräumer eher unauffällig spielt. „Dass er ein guter Spieler ist, wissen wir schon lange“, lobte Daniel Jurgeleit. Harald Uhr packte den Superlativ aus: „Patrick hat das Zeug, einmal in der 2. Liga zu spielen. Diese Meinung teilt auch der Trainer mit mir.“

Dennoch machten beide den Erfolg nicht an einer einzelnen Person aus. Für Jurgeleit war das gute Abwehrverhalten entscheidend. Dabei starteten die Flensburger, die im Vorjahr nur Letzter geworden waren, etwas holprig. Gegen den TSV Altenholz gab es nach einem 1:2-Rückstand nur ein 2:2, zudem verletzte sich Marcello Meyer am Knöchel und konnte nicht mehr weiter spielen. Der SH-Ligist nutzte zwei Unachtsamkeiten in der 6. Minute. Beide Male agierte Christoph Dammann etwas unglücklich. „Das erste Tor kreide ich mir an. Ich wollte zu viel, da hätte ich lieber abbrechen und hinten herum spielen sollen“, meinte er.

Damit stand Weiche im zweiten Spiel gegen Holstein schon etwas unter Druck. Und als der Kieler George Kelbel nach 17 Sekunden traf, sah alles nach einem Favoritensieg für den Drittligisten aus. „Da kamen schon Erinnerungen aus dem Vorjahr hoch“, meinte Kapitän Marc Böhnke. Aber Jonas Walter (7.) und Elmedin Kasumovic (8.) drehten das Spiel mit einem Doppelschlag.

Jetzt war Weiche hellwach. Beim 2:0 gegen den SH-Ligisten Preetzer TSV brachte Patrick Thomsen den Regionalligisten schon nach acht Sekunden auf die Siegerstraße. Damit war der Viertligist Gruppensieger. „Im Halbfinale wünschen wir uns VfR Neumünster“, meinte Ligamanager Henning Natusch. „Das ist unser Lieblingsgegner.“ Doch der Liga-Konkurrent, gegen den die Flensburger zuletzt in Meisterschaft und Pokal triumphiert hatten, schaffte im letzten Gruppenspiel Platz eins. So ging es im Halbfinale gegen VfB Lübeck. Wieder schlug der ETSV blitzschnell zu. Nach 38 Sekunden hieß es 1:0 per Neunmeter. Thomsen – wer sonst – verwandelte eiskalt. Nach dem 2:0 (Thomsen/12.) und 3:0 (Ilidio/12.) gelang dem SH-Liga-Spitzenreiter nur noch das 1:3. „Wir haben zu Recht gegen den späteren Turniersieger verloren“, erklärte Lübecks Co-Trainer Wolf Müller. Anschließend rockte Weiche die Ostseehalle im Finale und geht jetzt mit breiter Brust in die Rückrunde.

Was passiert mit der Siegprämie von 5000 Euro? „Die Hälfte geht in die Mannschaftskasse, das haben sich die Spieler verdient“, erklärte Harald Uhr. „Aber wir haben auch noch unser Trainingslager in Lügumkloster zu bezahlen. Das Geld wird wohl nicht lange halten.“

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erstellt am 13.Jan.2014 | 07:15 Uhr

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