Fussball-Oberliga Hamburg : Ralf Palapies nimmt Abschied von „la Familia”

Nach neuneinhalb Jahren: Ralf Palapies steht heute ein letztes Mal als Trainer des SV Rugenbergen an der Seitenlinie.
Nach neuneinhalb Jahren: Ralf Palapies steht heute ein letztes Mal als Trainer des SV Rugenbergen an der Seitenlinie.

Nach neuneinhalb Jahren steht für Ralf Palapies heute sein letztes Spiel als Trainer des SV Rugenbergen bevor. Im Interview lässt er die emotionale Zeit noch mal Revue passieren.

shz.de von
25. Mai 2018, 08:30 Uhr

Bönningstedt | Der große Tag ist gekommen. Nach neuneinhalb Jahren Amtszeit und weit mehr als 300 Pflichtspielen ist Ralf Palapies (48) am Freitagabend, 25. Mai, um 19 Uhr gegen den HSV III ein letztes Mal für die Oberliga-Fußballer des SV Rugenbergen im Einsatz.

Im Interview lässt der Erfolgscoach seine besondere Zeit an der Ellerbeker Straße nochmal Revue passieren.

Herr Palapies, Sie stehen kurz vor Ihrem letzten Auftritt als SVR-Trainer. Was überwiegt da: Vorfreude oder Wehmut?

Ralf Palapies: Im Moment bin ich noch voll im Modus. Es laufen natürlich gewisse Vorbereitungen im Hintergrund, aber für mich zählt erst mal nur, dass ich das Spiel gerne gewinnen will. Es wird schon sehr emotional, „la Familia“ nach all den Jahren zu verlassen. Doch ich glaube, Wehmut kommt erst so richtig auf, wenn es im Juli und August wieder losgeht mit der neuen Saison.

Sie sprechen die familiären Verhältnisse in Bönningstedt an. Beschreiben Sie doch mal, was dort über die Jahre entstanden ist.

Einige Spieler und Funktionäre sind mir sehr ans Herz gewachsen und auch zu Freunden geworden. Das geht über das normale Vereinsleben weit hinaus. Ein Dennis von Bastian hat zum Beispiel schon immer unter mir als Trainer gespielt, unsere Frauen verstehen sich auch gut. Am Sonntag habe ich meinen Geburtstag gefeiert, da waren einige aus der Mannschaft dabei. Das Verhältnis zu den Jungs ist überragend.

Besteht da nicht die Gefahr, dass man sich zu nahe steht?

Nein, das Private und das Sportliche haben wir immer getrennt bekommen. Wenn es um Fußball geht, bin ich sehr eigen – das wissen die Spieler auch. Dann möchte ich erfolgreich sein und denke nicht darüber nach, wann wir uns im Stadtpark treffen.

Als Sie das Team 2009 übernommen haben, spielte man eine ordentliche Rolle in der Landesliga, jetzt ist der SVR ein gestandener Oberligist. Was hat sich seitdem im Klub getan?

Das große Stichwort ist Entwicklung. Wir haben damals einen Drei-Jahres-Plan erstellt, der den Aufstieg in die Oberliga auf der Agenda hatte. Das haben wir schon nach einem Jahr geschafft. Der Verein hatte gewisse Vorstellungen, die optimal zu meinen Ideen gepasst haben. Wir wollten im Klub eine Identität schaffen, Rugenbergen sollte für Charakter und Beständigkeit stehen. Wenn wir jetzt zurückblicken, kann man sagen: Wir haben unser Ziel erreicht, der Plan ist aufgegangen.

Nicht nur Sie als Trainer, sondern auch Spieler wie Dennis von Bastian, Kevin Beese oder Sven Worthmann haben dem Verein jahrelang die Treue gehalten. Was macht den SVR so besonders?

Als wir 2017 Patrick Marciniak verpflichtet haben, hat er gesagt: In Egenbüttel war es überragend, doch bei uns steckt da noch ein Tick mehr drin. Wir verbringen einfach unheimlich gerne Zeit miteinander: Ob nun beim Fußball oder in der Freizeit. Wenn Kevin Beese im Sommer an seinem Geburtstag zum Grillen einlädt, kommen 80 Prozent aus der Mannschaft vorbei. Wir haben sehr viel Spaß zusammen – und binden auch immer unsere Frauen mit ein.

Ihren Rücktritt zum Saisonende haben Sie unter anderem damit begründet, neue Reize setzen zu wollen – derzeit spielt das Team aber die beste Saison unter Ihrer Regie. Sind bei Ihnen Zweifel aufgekommen, ob es die richtige Entscheidung gewesen ist?

Die Entscheidung an sich tat schon sehr weh. Aber ich denke, es ist schöner den Verein zu verlassen, wenn es richtig gut läuft, ehe es irgendwann vielleicht mal in die falsche Richtung geht und man sich mit einem Negativ-Erlebnis verabschiedet. Es ist für mich persönlich ein Riesenschritt, das alles abzugeben, was wir hier zusammen aufgebaut haben. Aber es fühlt sich richtig an.

Sie haben gesagt, dass Sie als Trainer eine Pause einlegen wollen, sofern Ihnen kein Angebot ins Haus flattert, „wo man nicht nein sagen“ könne. Hat Sie irgendein Klub ins Grübeln gebracht?

Nein, es hat zwar die eine oder andere Anfrage gegeben, aber da war nichts dabei, was mich zu einem Umdenken veranlasst hat. Es müsste schon eine sehr interessante und spannende Aufgabe sein. Ich denke, es wird dabei bleiben, dass ich erstmal nichts machen werde.

Würde es Sie denn reizen, in Zukunft noch höherklassiger oder überregional zu trainieren? Als Spieler haben Sie es bei Altona 93 ja bis in die damalige dritte Liga geschafft.

Ich habe 1998 den Fehler gemacht, mich nach der B-Lizenz nicht weiterzubilden. Der Zug ist abgefahren. Jetzt habe ich einen zehnjährigen Sohn, bin glücklich und zufrieden. Stand heute ist für mich ausgeschlossen, hier wegzugehen.

Was können Sie sich denn generell noch vorstellen in Ihrer Trainerlaufbahn?

Ich bin da ziemlich offen, was neue Aufgaben angeht. Es kann auch gerne mal was im Jugendbereich sein. Wichtig ist mir nur, dass ich ambitioniert arbeiten und etwas entwickeln kann.

Offiziell sind Sie ab dem 1. Juli vereinslos. Irgendwie schwer vorstellbar, oder?

Ja, definitiv. Ich bin jetzt seit 43 Jahren durchgehend in Fußball-Vereinen gewesen, das wird schon eine große Umstellung. Ich bin sehr gespannt, was das mit mir macht. Meine Frau ist jedenfalls hellauf begeistert. Die schmiedet schon Pläne (lacht).

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