Handball : Keine halben Sachen

Fokussiert: Henri Wommelsdorf ist trotz seiner 19 Jahre bereits Leistungsträger beim TSV Ellerbek.
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Fokussiert: Henri Wommelsdorf ist trotz seiner 19 Jahre bereits Leistungsträger beim TSV Ellerbek.

Ellerbeks Torhüter Henri Wommelsdorf hat große Vorbilder und plant nicht nur nebenbei die berufliche Karriere im IT-Bereich

shz.de von
10. Januar 2018, 12:30 Uhr

Ellerbek | Die Handballer des TSV Ellerbek, die 2016 in die Hamburg-Liga abgestiegen waren, haben sich nach der Rückkehr in die Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein eine gute Ausgangsposition für die Rückrunde verschafft.

Großen Anteil an den sieben Siegen, die dem Team von Trainer Tobias Skerka aktuell den siebten Tabellenplatz bescherten, hatte ein erst 19-jähriger Torwart. Henri Wommelsdorf strahlt trotz seiner Jugend und der damit verbundenen fehlenden Routine viel Ruhe aus, half dem TSV mit seinen Paraden schon so manchen Punkt zu sichern und steht vor einer viel versprechenden Karriere.

„Ich überlasse ungern etwas dem Zufall“, so der Gymnasiast. Wie sein Vater Dirk, der als EDV-Fachmann arbeitet, sieht auch Henri Wommelsdorf seine berufliche Zukunft in der IT-Branche. Er will an der Fachhochschule studieren und in den Semesterferien während der dualen Ausbildung in einer IT-Firma arbeiten. „Den Vertrag dafür habe ich schon“, sagt er.

Ein Praktikum liegt schon hinter ihm, die Prüfungen für das noch zu bestehende Abitur beginnen im März. An eine Einschränkung seiner Freizeitaktivitäten deshalb denkt er jedoch nicht. Wommelsdorf ist es gewohnt, vielseitig beschäftigt zu sein und kann sich gut organisieren. „Ich bin ein strukturierter Typ“, sagte der Ellerauer, der wie seine Schwester Sophie (20) bei den Eltern wohnt.

Kickboxen brachte viele Vorteile mit sich

Zum Handball kam er in der Grundschule. Weil seine Freunde beim TSV Ellerau spielten, schwang er sich aufs Fahrrad, um in der zehn Minuten entfernten Halle dabei zu sein. „Als mir der reine Spaß beim Spiel zu wenig war, habe ich mich in der C-Jugend nach einem Verein in der Nähe mit mehr Leistungsbezug umgesehen“, schildert Wommelsdorf seinen Wechsel zum SV Henstedt-Ulzburg.

Sein Bewegungsdrang war jedoch in dieser Entwicklungsphase so groß, dass er sich parallel beim Kickboxen abreagieren musste. Dass sich dieses Training positiv auf seine Handballkarriere auswirkte, ist ihm heute klar. „Für meine Größe von 1,94 Meter bin ich athletisch, beweglich und reagiere explosiv“, benennt Wommelsdorf seine Stärken als Torwart.

An diesen Grundlagen arbeitete der 19-Jährige auch nach seiner Kampfsportphase. Sein Wille, sich laufend zu verbessern, ließ ihn in seiner B- und A-Jugendzeit etliche Extraeinheiten im Kraftraum absolvieren. Mit Erfolg, wie sein sportlicher Werdegang beweist, der ihn bei Henstedt-Ulzburg bis in den Männerkader des damaligen Zweitligaabsteigers führte. „Ich glaube nicht, dass es für die Bundesliga reicht“, sagte Wommelsdorf, „aber ich möchte so weit kommen wie möglich.“

Die großen Vorbilder kommen aus Spanien und Dänemark

Der im Sternkreiszeichen der Waage Geborene ist für halbe Sachen nicht zu haben. Entsprechend groß sind seine Vorbilder. Niklas Landin (29), der dänische Nationaltorwart vom THW Kiel wurde Olympiasieger in Rio. Auch Gonzales Perez de Vargas (27/FC Barcelona), Spaniens Nummer eins, der wie Landin vom 12. bis 28. Januar an der EM in Kroatien teilnehmen wird, imponiert ihm.

Um sein Leistungsniveau weiter anzuheben, hat sich Wommelsdorf auch Anregungen von Landin und dessen Kollegen im Team der dänischen Länderauswahl, Jannik Green (SC Magdeburg), geholt. „Ich habe mir ein paar Übungen von ihnen aus dem Internet runtergeladen“, erklärt er. „Aber auch unser Torwarttrainer Horst Zehetbauer bringt mich mit neuen Aufgabenstellungen in jedem Training weiter.“

Als Henri Wommelsdorf sich zum ersten Mal im Tor versuchte, waren für ihn die hohen Spielanteile wichtig, weil ein Torwart selten ausgewechselt wird. Mittlerweile ist ihm aber längst bewusst, wie wichtig ein Torhüter im Handball ist. „Mit meiner Leistung kann ich ein Spiel entscheiden“, weiß der Blondschopf und genießt diesen Einfluss. Feilen will er in Zukunft vor allem am Stellungsspiel. „Ich muss besser mit der Deckung zusammenarbeiten“, sagt er selbstkritisch.

Handball ist nicht alles

Es ist davon auszugehen, dass er auch diesen Plan umsetzt, ohne andere Aktivitäten zu vernachlässigen. Zwar ist er seit zwei Jahren nicht mehr Mitglied in Spielmannszügen. Dafür ist Basketball mit Freunden dazugekommen. Auch die Kunden des Pizza-Services werden sich weiter auf Wommelsdorf verlassen können, solange er sich mit dem Fahrdienst sein Auto finanziert.

Wommelsdorf ist Realist und denkt nicht daran, mit Handball wie seine Vorbilder Geld zu verdienen. Er will mit dem TSV Ellerbek die Klasse halten und konzentriert sich auf das erste Rückrundenspiel am Sonnabend, 20. Januar, bei der SG Hamburg-Nord.

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