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American Football : Zweieinhalb Schritte ins Glück

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Pirates-Kicker Sören Becker fiebert dem Meisterschaftsfinale und einem persönlichen Rekord entgegen

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2017 | 16:00 Uhr

In den Profiteams der us-amerikanischen NFL hat ein Spieler auf seiner Position wirklich nur diese Aufgabe: das Ei wegkicken – entweder mit einem Punt möglichst weit in die gegnerische Hälfte wenn das Angriffsrecht abgegeben wird, oder aber mit einem gezielten Tritt das Spielgerät zwischen die Torstangen zu platzieren – aus dem Spiel heraus für drei Punkte bei einem Fieldgoal oder als Zugabe auf einen erfolgreichen Touchdown für einen Zähler. Der Wert von Sören Becker für die Elmshorn Fighting Pirates lässt sich darauf nicht reduzieren. Der 25-Jährige spielt auch in der Defensivformation eine wichtige Rolle. Gegen Braunschweig II fing er gar einen Pass des gegnerischen Quarterbacks ab. Die so genannte Interception zählt für Passverteidiger zu den Königsdisziplinen im American Football.

Becker mag diese Doppelbelastung. „So ist es leichter, mental im Spiel drinzubleiben, als wenn man nur drei Mal in der Partie aufs Feld kommt. Andererseits merke ich zum Ende hin natürlich die körperlichen Anstrengungen“, sagt er.

Wenn heute, Sonnabend, zwischen den Seeräubern und den Ritterhude Badgers das Spitzenspiel um die Meisterschaft in der Regionalliga Nord ansteht, steht Becker wieder einmal im Blickpunkt. Das nicht zuletzt auch wegen der Geschichte des Hinspiels in Ritterhude: Nach zwei sicher verwandelten Extrapunkten in Halbzeit eins, scheiterte Becker Sekunden vor Schluss mit einem Fieldgoal-Versuch aus 40 Yards. Es wären die Punkte zum Sieg gewesen; so aber kassierten die Pirates am 14. Mai ihre bisher einzige Saisonniederlage. „Ein Kick aus dieser großen Entfernung ist schon recht grenzwertig; leider hat es nicht geklappt“, hatte EFP-Headcoach Jörn Maier damals Becker wie auch die gesamte Defense ausdrücklich in Schutz genommen.

Die Offense machte die Fehler. Man habe es versäumt, in der ersten Halbzeit „den Sack zuzumachen“, moniert er. Zur Erklärung gehört aber auch: Quarterback Guillermo Serrano hatte gerade mal eine Trainingseinheit mit seiner neuen Mannschaft absolviert. „Das Hinspiel ist vergessen und auch heute nicht relevant“, sagt Becker.

Mittlerweile läuft die Maschine fast wie am Schnürchen. Es folgten neun Siege in Folge, zuletzt vier nacheinander auf fremden Terrain. Ein Erfolg heute, und die Gelbhelme können für die Play-offs zur 2. Bundesliga planen. „Die neuen Spieler sind perfekt integriert und das neue Offense-System ist fest in allen Köpfen drin“, so Becker, der wie alle anderen Elmshorner der Partie entgegenfiebert: „Man wird auf jeden fall hoch motivierte Elmshorner erleben, die das ganze Jahr sich auf diesen Tag vorbereitet haben“, verspricht er. Der Sprung nach oben ist das große Ziel.

Sören Becker bestreitet bereits seine zehnte Saison im gelben Dress der Seeräuber. Mehr noch: Er ist bereits im fünften Jahr auch Jugendtrainer. Seit dieser Saison ist er sogar Headcoach der Junior-Pirates, die ihre Saison in der A-Jugend-Regionalliga bereits vor einem Monat mit einer Bilanz von acht Siegen und zwei Niederlagen beendet haben.

Mit den Männern wird Becker heute alles daran setzen, eine zweite Saisonniederlage zu verhindern – und ganz nebenbei an seinem Einzug in die Geschichtsbücher der Pirates zu feilen. Den Saisonrekord von 51 PAT (Point after Touchdown) hat er seit vergangenem Sonntag bereits inne und damit Peter Wolke (45 PAT im Jahr 2002) aus der Bestenliste verdrängt. Ein Punkt fehlt Becker noch, um auch den Vereinsrekord von 148 zu knacken. Dafür trainiert er – neben Schwimmen und Rad fahren als Ausgleich – weiter am immer gleichen Ablauf: Genau zweieinhalb Schritte, damit das Standbein genau neben dem vom Holder bereit gehaltenen Football zum Stehen kommt und dann die Richtung stimmt, um das Ei zwischen den beiden Torstangen zu versenken. Denn Becker weiß: „Dann sind alle Augen auf einen gerichtet.“ Aber auch das macht Spaß – vor allem, wenn der Erfolg stimmt.

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