Rhönrad-Turnen : Yana Knapp und Marcel Schawo beenden internationale Karriere

Im Jahr 2016 feierten Marcel Schawo und Yana Knapp bei der WM ihre größten Erfolge.
Im Jahr 2016 feierten Marcel Schawo und Yana Knapp bei der WM ihre größten Erfolge.

Turner des SV Rugenbergen verzichten auf mögliche Titelverteidigung bei Weltmeisterschaft 2018. Beruf geht vor.

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02. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Bönningstedt | Eine Ära geht zu Ende. Yana Knapp (ehemals Looft) und Marcel Schawo vom SV Rugenbergen beenden ihre internationale Karriere. Die beiden aktuellen Weltmeister im Rhönradturnen werden im Frühjahr nicht mehr an der Qualifikation zu den Weltmeisterschaften in der Schweiz teilnehmen. Damit verliert der Kreis Pinneberg zwei seiner erfolgreichsten Sportler der vergangenen Jahre, zumindest auf der internationalen Bühne.

Bei beiden Ausnahmesportlern hat sich mit dem Abschluss des Studiums und ihren neuen Aufgaben in ihren Berufen der Schwerpunkt verschoben. „Ich habe in den vergangenen fünf Jahren mein ganzes Leben nach dem Sport ausgerichtet. Jetzt rücken andere Dinge in den Vordergrund“, so Schawo, der sein Sportstudium in Köln abgeschlossen hat und nun bei einer Sportevent-Agentur in Köln arbeitet.

Ein weiterer Aspekt, der zu dieser Entscheidung führte, war auch seine schwere Verletzung , die er sich beim World Team Cup in Salzburg zuzog. „Es wäre jetzt ein sehr großer Aufwand, um im Sprung wieder an alte Stärke anzuknüpfen. Ich habe mir das lange überlegt und entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist aufzuhören.“

Für Knapp, die schon etwas länger als Ärztin im Krankenhaus arbeitet, war es nicht immer leicht den Sport und die Arbeit aufeinander abzustimmen. „Ich kann es meinen Kollegen nicht zumuten, dass ich, immer ich wenn Training habe, keinen Spätdienst machen kann. Bislang habe ich diese Dienste dann getauscht, aber so langsam geht das nicht mehr“, sagt die 26-Jährige.

Eleganz auf dem großen Rhönrad: Yana Knapp bei einer Kür.
Michael Stemmer/Treuren
Eleganz auf dem großen Rhönrad: Yana Knapp bei einer Kür.
 

Schawo und Knapp blicken auf äußerst erfolgreiche Jahre zurück. Alleine von der vergangenen Weltmeisterschaft 2016 in Cincinnati/ USA brachten die zwei insgesamt fünf Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen mit. Dabei gelang Knapp die Titelverteidigung mit der Mannschaft und in der Einzeldisziplin Spirale sowie der überraschende Einzug ins Mehrkampffinale mit dem Gewinn der Bronzemedaille.

Schawo gewann außer Teamgold noch die Königsdisziplin Mehrkampf und ebenfalls Gold im Spirale-Einzel. Den Medaillensatz machte er schließlich mit Silber im Geradeturnen sowie Bronze im Sprung perfekt.

Für den Tornescher, der momentan mit der Gymmotion – eine Turnshow, bei der der Weltmeister mit dem Rhönrad einen Einzelpart hat – durch neun Städte im Süden des Landes tourt, um den Menschen die Faszination des Turnens näher zu bringen, war der Sieg des Mehrkampfes etwas ganz besonderes: „Das war der schönste Moment meiner Karriere. In diesem Moment ganz oben zu stehen, war einmalig.“

Auch für Yana Knapp hatte der Kampf um internationale Medaillen immer etwas ganz besonderes. Ihr Wunsch einmal bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein war riesig. Zweimal verpasste sie die Teilnahme wegen weniger Punkte. Als es dann 2015 endlich klappte, überraschte sie sich selbst und alle anderen mit dem Sieg im Spiralefinale. „Für mich ist es nicht ein Moment, den ich herausheben kann, vielmehr waren es die vergangenen drei Jahre, die einfach unvergesslich bleiben“, so Knapp, die 2001 in Eidelstedt mit dem Rhönradturnen begann und 2007 zum SVR wechselte.

Marcel Schawo (24) begann 2008 ebenfalls beim SV Eidelstedt und legte eine unglaubliche Karriere hin. Anders als Knapp, die zweimal an der Qualifikation scheiterte, kam er 2011 völlig unverhofft zu seiner ersten WM-Teilnahme. Die damalige Bundestrainerin Ines Meurer hatte den frisch gebackenen Norddeutschen Jugendmeister als Nachrücker nominiert.

Der Tornescher Marcel Schawo gehört weltweit zu den besten Turnern im Rhönrad.
Michael Stemmer/Treuren

Der Tornescher Marcel Schawo gehört weltweit zu den besten Turnern im Rhönrad.

 

Beide sind sich sicher, dass sie das Ambiente und die Momente der Weltmeisterschaften vermissen werden. „Vor allem die Woche nach einem erfolgreichen Wettkampf, wenn die ganze Anspannung abfällt, wird mir fehlen“, sagte Schawo, der dem Sport ebenso wie Knapp erhalten bleiben wird.

Beide werden sich wieder treffen, wenn es um Medaillen bei den Norddeutschen und Deutschen Mannschaftsmeisterschaften geht. „Das wollen wir uns nicht nehmen lassen“, sagte Knapp, die dann gemeinsam mit ihrem ehemaligen Trainer und jetzigen Ehemann Simon Knapp um Punkte kämpfen wird. Es geht ja schließlich auch um die fünf- beziehungsweise vierfache Titelverteidigung.

„Ich möchte die Zeit nun nutzen, um selbst ein paar andere Sachen mit dem Rhönrad auszuprobieren. Außerdem werde ich versuchen, den Nachwuchs zu fördern. In Bönningstedt gibt es große Talente, aber es könnten mehr sein“, so Knapp. Auch Schawo wird sich um den Nachwuchs kümmern, allerdings bei Bayer 04 Leverkusen.

Die internationale Konkurrenz wird wohl aufatmen, denn oft führte kein Weg an den beiden Turnern vorbei, wenn es um die Medaillenvergabe ging. Dennoch ging es bei der Verkündung ihres Rücktritts tränenreich zu.

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