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„Wir sind keine Zweckgemeinschaft“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Nach dem Ende der Hinrunde lässt unsere Zeitung Protagonisten der drei hiesigen Fußball-Oberligisten auf die seit Saisonstart bestrittenen Partien zurückblicken. In diesem Jahr sind es die Torhüter, die den bisherigen Saisonverlauf aus Ihrer Sicht schildern. Sie fiebern aus ihren Strafräumen heraus mit, haben die Aktionen direkt vor sich und sind nicht selten spielentscheidend. Welche waren ihre schönsten Siege, welche die bittersten Niederlagen? Gab es besondere Highlights mit den Teamkollegen außerhalb des Fußballplatzes? Und was nehmen sich die Keeper mit ihren Teams für die Rückrunde vor? Den Anfang in unserem dreiteiligen Hinrunden-Rückblick macht heute

Tim Brüggemann (24)

, Rückhalt des VfL Pinneberg. Er erzählt über ein „geiles“ Last-Minute-Remis, den Zusammenhalt im Team und eine „Andreas Möller-Gedächtnis-Schauspielerei“.


Tim, im Mai war der VfL fast abgestiegen. Jetzt hat er die Hinrunde als Tabellenfünfter abgeschlossen. Mal Hand aufs Herz: Haben Sie damit vor der Saison gerechnet?
Tim Brüggemann: Also wenn ich ehrlich bin, habe ich sogar vor der Hinserie auf Platz fünf getippt. Ich habe bereits sehr früh, während des Trainingslagers in Aschendorf, gedacht: Hoppla, hier wächst eine Truppe zusammen, die was reißen wird.

Das müssen Sie genauer erläutern, warum waren Sie davon auf Anhieb so überzeugt?
Brüggemann: Anfangs kannte ich vier oder fünf Gesichter. Und nach nur drei Tagen hatte ich auf einmal 18 neue Freunde gefunden, mit denen ich mich auch außerhalb des Fußballplatzes gut verstehe und die zudem alle noch einen guten Ball spielen können. Wir sind nicht nur eine Zweckgemeinschaft, wir sind ein verschworener Haufen. Das erklärt auch den Erfolg.

Wie äußert sich das außerhalb des Platzes?
Brüggemann: Ich möchte einmal ein Beispiel geben: Als ich zu Saisonbeginn mal während des Trainings an einem Mittwoch oder Donnerstag erwähnte, dass ich am Freitag bei mir zuhause eine kleine Cocktailparty gebe, rechnete ich damit, dass drei bis vier aus dem Team kommen würden, die üblichen Verdächtigen halt. Aber am Abend waren dann über 18 Leute aus dem Team spontan da, das zeigt, wie groß der Zusammenhalt ist.

Mit diesem Zusammenhalt hat Ihr Team in der zurückliegenden Hinrunde einige beeindruckende Ergebnisse eingefahren. 5:1 in Blankenese, 2:1 gegen Altona, 2:1 in Elmshorn. Welcher war für Sie der schönste Erfolg der Hinserie?
Brüggemann: Sie werden sich wundern, aber für mich persönlich war keiner der Siege am schönsten, sondern das Remis gegen Bramfeld am 9. Spieltag.

Wieso das?
Brüggemann: Klar, die Siege gegen Altona, bei Barmbek-Uhlenhorst oder gegen Elmshorn waren allesamt super, aber gegen mein Ex-Team Bramfeld lagen wir früh durch einen direkt verwandelten Freistoß hinten. Das ärgert einen Torhüter immer, die Mauer stand nicht optimal. Dann bestimmten wir die Partie und Bramfeld machte ein dreckiges 2:0. Wir rannten an, erzielten zunächst den Anschluss und in der fünften Minute der Nachspielzeit das 2:2. Das war einfach geil, da brauchte ich nach der Partie erst einmal ein Beruhigungsbier, um wieder runterzukommen (lacht).
Es gab nur wenige bittere Niederlagen, welcher Moment der Hinserie war für sie der unschönste?
Brüggemann: Für das Team war sicherlich das Ausscheiden aus dem Pokal in Sasel (2:3 n.V., d. Red.) der bitterste Moment. Ich selbst war beruflich verhindert, bekam es nur per Liveticker mit. Für mich persönlich war meine Sperre aus dem Spiel beim SC Condor (2:2, d. Red.) der bitterste Moment. Condors Stürmer Laban und ich gingen zum Ball, ich war vor ihm dran, er trifft mich, worüber ich mich echauffierte. Ich war aufgebracht und gebe zu, dass ich hätte ruhig bleiben müssen. Wir standen Nase an Nase, plötzlich lässt er sich theatralisch fallen und schauspielert wie der Ex-Profi Andreas Möller zu seinen besten Zeiten. Dumm nur: Er bekam Gelb und ich Rot für eine Tätlichkeit, die definitiv keine war. Ich musste mich sogar vorm Sportgericht verantworten und wurde für drei Spiele gesperrt, durfte im Derby gegen HR nur zusehen. – bitter.

Apropos Derby. Es war sehr emotional. Wie wichtig ist es Ihnen, am Ende der Hinserie vor den Kreisrivalen zu stehen?
Brüggemann: Es ist eine schöne Bestandsaufnahme und natürlich schaut man auch mal mit Genugtuung auf die Tabelle, wenn man sieht, dass sein Ex-Klub Elmshorn im Tableau hinter einem liegt.

Aber?
Brüggemann: Aber wir Spieler kennen uns auch untereinander und es gibt keine Fehden außerhalb des Platzes. Natürlich spornt es einen als Spieler dann aber schon an, wenn man sieht, wie die alten VfLer wie Manfred Kirsch oder Konrad Kosmalla mit fiebern, dann merkt man, dass es besondere Spiele sind.

Jetzt geht es in die Halle. Freuen Sie sich auf das eigene Hallenturnier um den Bert-Meyer-Cup?
Brüggemann: Ja! Anders als viele andere Keeper spiele ich trotz meiner Größe gern in der Halle. Beim Bert-Meyer-Cup war ich schon mit vier unterschiedlichen Teams: Kummerfeld, Lieth, Elmshorn und jetzt mit dem VfL. Uns erwartet eine tolle Atmosphäre.

Was erwartet Sie in der Rückrunde? Die Gegner haben Sie jetzt auf der Rechnung. Ein Nachteil?
Brüggemann: Klar, es wird nicht einfacher. Wir waren vor der Hinrunde eine Wundertüte, jetzt hat man sich auf uns eingestellt. Aber das motiviert uns noch viel mehr. Wir wissen, dass wir in dieser Liga immer alles abrufen müssen. Am Ende wollen wir mindestens Platz fünf halten.

Was möchten Sie rückblickend auf die Hinrunde noch loswerden?
Brüggemann: Einen Dank an das Team hinter dem Team. Unser Trainer, unsere Co-Trainer und Betreuer, Manager und Physios fiebern immer mit, sind voll mit dem Herzen dabei. Konrad Kosmalla aus dem Fußballvorstand war in der Hinrunde zweimal in unserer Kabine, um sich mit Tränen in den Augen beim Team für einen gelungenen Auftritt zu bedanken. Das motiviert uns alle, genau so weiterzumachen.


Im 2. Teil lesen Sie den Rückblick von Kevin Tittel, Torhüter der SV Halstenbek-Rellingen.





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