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Kolumne : Wie Zirkus, nur fast ohne Tiere

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 00:36 Uhr

Wenn im kalendarischen Winter, nicht zu verwechseln mit dem dusseligen Frühlingsherbst vom Dezember, der richtige Fußball auf den Rasenplätzen ruht und der gemeine Maulwurf zum wahren Strafraumwühler wird, dann erfährt der sonst allein schon der Tradition wegen im Freien und auf Gras ausgetragene Supersport von elf Pappenheimern hüben und drüben eine Metamorphose und wird landauf, landab allenthalben in müffelnden Turnhallen als Budenzauber mit Technikertoren en masse und Kabinettstückchen am laufenden Band abgefeiert.

Damit wir uns richtig verstehen, nichts gegen Fußball in der Halle. Aber mal ehrlich, man würde ihn auch nicht unbedingt vermissen, wenn es keinen gäbe. Ein gravierendes Problem bei Hallenturnieren, die hier alle wie Tankstellen, Versicherungen oder Einkaufsläden heißen, ist, dass zu viele Leute mitspielen, die es nicht können. Schlecht zu spielen ist im Grunde kein Verbrechen, aber wenn kein Pass zum Nebenmann ankommt, man ständig getunnelt wird (auch mal von sich selbst) und man aus zwei Metern vorm Tor Vollspann am Kasten vorbeidrischt und einem Zuschauer den Keramikbecher mit heißem Kaffee satt in die Schneidezähne bombt, dann sollte man sich schon mal selbst fragen: „Was mach ich hier eigentlich?“

Eigenes Unvermögen ist ja die eine Sache, aber wer mit der oft hitzigen Atmosphäre eines Hallenturniers, die stets nach teuren Waffeln und billigem Glühwein mieft, nicht klarkommt und fernab aller Zurechnungsfähigkeit und menschlichen Verstandes nach jedem Trikotzupfen oder leichtem Anrempeln ausflippt wie ein Wassertropfen auf der heißen Herdplatte und sich dadurch persönlich in seiner Weltanschauung verletzt sieht, der hat auf dem Laminat nichts zu suchen und sollte lieber im Wald Bäume umarmen oder im Keller hässliche Tiere aus Fimo basteln.

Zugegeben geht es bei den Hallenturnieren stets um das ganz große Ding, was dann am Ende eine Wurst ist oder ein echter Blechpokal. Und wer möchte in seiner sportlichen Vita nicht neben der C-Jugendkreismeisterschaft 1987, dem Aufstieg in die Bezirksklasse 1995 auch einmal als Gewinner des Tiefkühlerbsen-Cups dastehen?

Hallenfußball ist wie Zirkus, nur ohne Tiere (also fast) und mit mehr Clowns. Hacke, Spitze, Sohle, Sohle, Beinschuss, Finte, Tritt gegen das Schienbein, sterbender Schwan, Backenfutter und Mädchengeschubse. Entschuldigung bitte.

Es wird Zeit, dass es draußen wieder weiter geht. Aber echt, ey!

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