Fußball : Wie Talente heute gefördert werden

Viele Zuhörer folgten dem Vortrag von Stephan Kerber.
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Viele Zuhörer folgten dem Vortrag von Stephan Kerber.

366 DFB-Stützpunkte sichten etwa 600.000 Nachwuchskicker pro Jahr.

shz.de von
25. Juli 2015, 16:00 Uhr

„Selbst aus dem WM-Kader ist kaum einer den geraden Weg gegangen“, sagte Stephan Kerber. Der DFB-Stützpunktkoordinator beim Hamburger Fußball-Verband war am Donnerstagabend Referent beim Pinneberger Sportdialog. So konnten Sportbegeisterte an diesem Tag nicht nur den WM-Pokal besichtigen, sondern auch erfahren, wie die Weltmeister von morgen ausgebildet werden. Kerber stellte im VfL-Sportzentrum die Talentförderung des Deutschen Fußball-Bundes vor und erklärte, warum Deutschland so viele junge Weltklassespieler produziert. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Sport und Wirtschaft hörten gespannt zu, darunter unter anderem Kreispräsident Burkhard Tiemann.

Kerber stellte klar, dass Spieler sich nach seiner Auffassung frühestens ab der Altersklasse U  12 dem Konkurrenzkampf im Leistungszentrum eines Profiklubs stellen sollten. „Die Kinder sollen nicht zu früh zur Ich-AG mutieren“, sagte er. Er würde sich wünschen, dass ein Klub wie der HSV gerade die ganz jungen Kicker in ihren Heimatvereinen begleitet und sie nicht sofort abwirbt.

Erfolg ist aus Kerbers Sicht ohnehin nicht nur eine Frage des Ballgefühls. „Jedes Talent braucht Geduld und einen klaren Kopf.“

Grundsätzlich sei es häufig schwierig, perspektivische Entwicklung und Resultate miteinander zu kombinieren. Im Vergleich zu vergangenen Zeiten allerdings eher ein Luxusproblem. Früher habe es im Jugendbereich keine Philosophie und Hochglanzbroschüren gegeben, sondern bestenfalls ein paar Infos für den Schulsport, so Kerber. Vergangenheit. Inzwischen gibt es 366 DFB-Stützpunkte in Deutschland, einer davon ist in Pinneberg. Etwa 600.000 Talente werden pro Jahr gesichtet. „Jeder Zipfel des Landes ist erfasst“, berichtete der DFB-Trainer. Die Leistungsdichte im Jugendbereich sei durch die umfassende Förderung wesentlich größer geworden. „Das macht es aber schwerer, die absoluten Toptalente zu finden.“

Für den DFB-Stützpunkt Pinneberg erhofft sich Kerber den vom VfL schon seit langem gewünschten Kunstrasenplatz. „Der wäre ein Magnet, der gute Fußballer aus der gesamten Region anzieht“, betonte der Stützpunktkoordinator. Ein Interview mit Kerber lesen Sie morgen im Tageblatt am Sonntag.

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