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Ärger nach dem Derby : Was hat das noch mit Sport zu tun?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fußball: Geschehnisse vor und nach dem Derby belasten Verhältnis des SV Rugenbergen zum VfL Pinneberg nachhaltig.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Bönningstedt | Das Fußball-Derby zwischen dem SV Rugenbergen und dem VfL Pinneberg (1:2) ist nun schon seit zwei Wochen sportliche Geschichte – und dennoch ist das Spiel längst nicht abgehakt. Das Derby wirkt nach. Und wie. Unabhängig vom Ausgang des Spiels brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. Denn die „dritte Halbzeit“ – so nennen Fußballer gern die Auseinandersetzungen nach den 90 offiziellen Spielminuten – hatte es richtig in sich und belastet das Verhältnis beider als bis dato miteinander befreundet geltender Klubs nachhaltig.

Dass ein „Fan“ des VfL Pinneberg unmittelbar nach dem Abpfiff auf das Spielfeld stürmte, um Spieler und Betreuer des SV Rugenbergen verbal und mit Gesten zu beleidigen, ist das eine. Das andere ist, dass seitens der Rugenbergener der Vorwurf erhoben wird, Anhänger des VfL hätten nach dem Spiel eine Eckfahne (mit dem Vereinswappen der Bönningstedter) von der Sportanlage entwendet. „Es ist richtig, dass nach dem Spiel eine Eckfahne fehlte und bis dato auch nicht wieder aufgetaucht ist, beweisen können wir das natürlich nicht, aber ich glaube kaum, dass einer von unserem Verein sie hat mitgehen lassen“, so Rugenbergens Manager Andreas Lätsch.

Manfred Kirsch aus dem Fußball-Vorstand des VfL entgegnet den Vorwürfen wie folgt: „Dass Teile unserer Anhängerschaft Spieler des Gegners beleidigen, missbilligen wir. Das ist nicht im Sinne des VfL und keineswegs unser Stil. Aber natürlich sind wir kein Profiverein und können unsere Fans nach dem Spiel nicht festbinden. Und dass wirklich jemand aus dem Umfeld des VfL eine Eckfahne geklaut hat, dafür gibt es keine klaren Beweise.“ Von Rugenbergener Seite aus heißt es jedoch, der mutmaßliche Klau der Fahne durch die VfL-Anhängerschaft sei nicht der einzige Vorfall dieser Art im Rahmen eines Derbys zwischen beiden Klubs gewesen.

Wie der Redaktion dieser Zeitung zugetragen wurde, soll bereits nach dem letzten Spieltag der zurückliegenden Saison 2013/14 Ende Mai Eigentum des SVR entwendet worden sein. Mutmaßlich, so der Vorwurf aus Bönningstedt, sollen es einige ehemalige Rugenbergener und aktuelle VfL-Spieler gewesen sein, die am Abend, während eines Spiels der alten Herren des SV Rugenbergen, aus dem Kabinengang mehrere Trikots des SVR-Oberligateams mitgehen ließen – um auf diese Weise den Gegner zu provozieren? Zu einer Sachbeschädigung oder einem Einbruch soll es im Zuge dieser Handlung jedoch nicht gekommen sein. Vielmehr soll sich der Klau frei nach dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“ zugetragen haben. Rugenbergens Zeugwart Georg Mundt jedenfalls bestätigte die Entwendung der Trikots gegenüber dieser Zeitung.

Darüber hinaus sollen vor Derbys auf dem Telefonaparat von Rugenbergens Trainer Ralf Palapies nächtliche Anrufe von VfL-Spielern mit Schmähgesängen eingegangen sein.

Auf Nachfrage der Redaktion des Tageblatts bestätigt VfL-Sportvorstand Kirsch beide Vorfälle: „Es ist leider richtig, dass einige unserer Spieler Trikots aus Rugenbergen mitgenommen haben. Das war ein Dummer-Jungenstreich. Wir haben das im Vorstand diskutiert und die verantwortlichen Spieler dafür zur Rechenschaft gezogen. Es gab eine offizielle Entschuldigung, die Trikots wurden zurückgegeben und es wurde eine Kiste Bier hingestellt. Damit war für uns die Sache erledigt. Sie ist mittlerweile ein halbes Jahr alt, daher wundert es mich, dass die Rugenbergener sie nun wieder aufwärmen“, so Kirsch.

Die Mannschaft des SVR konnte darüber nur wenig lachen, zumal die Trikots mit zur Mannschaftsfahrt des VfL nach Bulgarien „reisten“. Die Fronten sind verhärtet und dem Beobachter drängt sich unweigerlich die Frage auf: Was hat das Ganze noch mit Sport zu tun?

Rugenbergens Manager Lätsch und Coach Palapies schickten nach den Vorfällen rund um das jüngste Derby Kurznachrichten via Mobiltelefon an VfL-Trainer Michael Fischer, beschwerten sich über den VfL. Der war bemüht, die Vorfälle mannschaftsintern ohne große Umschweife zu klären, um das freundschaftliche Verhältnis zum Kollegen Palapies nicht zu belasten.

„Michael Fischer ist aber unser Trainer und für solche Dinge eigentlich nicht zuständig. Ich hätte es begrüßt, wenn der Vorstand des SV Rugenbergen uns im VfL-Vorstand kontaktiert hätte, um die Sache zu klären. Diese Vorgehensweise ist für mich unverständlich“, bemängelt Kirsch das Krisenmanagement aus Bönningstedt.

Die Vorwürfe kennen nicht nur eine Richtung, nämlich die aus Bönningstedt in die Kreisstadt. Auch die Pinneberger Fußballer äußern ihren Unmut über das Verhalten der Rugenbergener. „Wenn man uns vorwirft, Fahnen zu klauen, dann sollte man auch sein eigenes Verhalten hinterfragen“, so Kirsch, „es war deutlich, dass seitens der Rugenbergener während des Derbys kurz vor Spielende die Uhr auf der Anzeigetafel angehalten wurde, um den Schiri und das Spiel zu beeinflussen. Das lässt sich natürlich auch nicht beweisen, scheint aber kein Zufall zu sein“, so Kirsch. Dass es während der 90 Minuten Pöbeleien von beiden Auswechselbänken aus gab, erachtet Kirsch derweil als „normal“: „So etwas gehört zum Fußball dazu, da haben sich beide Seiten sicher nicht mit Ruhm bekleckert.“ Dass den Pinneberger Fans untersagt wurde, ihre Fahnen am Zaun hinterm Tor aufzuhängen, da diese für Sponsoren reserviert seien, fassten diese als zusätzliche Provokation auf. Vorwurf reiht sich an Vorwurf, Aussage steht gegen Aussage. Das Verhältnis ist zerrüttet, bleibt die Frage: Warum eigentlich ?

„Ich glaube, dass es eine Privatfehde zwischen einigen unserer Ex-Rugenbergener Spieler sowie den Verantwortlichen des SV Rugenbergen ist. Damit hat aber der VfL nichts zu tun. Wir wollen ein gutes Verhältnis zum SV Rugenbergen und ich kann nur sagen, dass sich die Ex-Rugenbergener bei uns tadellos verhalten. Gleichwohl werden wir vom Vorstand dafür sorgen, dass Dinge wie ein Trikotklau nicht mehr vorkommen werden, da sie kein gutes Licht auf den VfL werfen“, so Kirsch.

Sein Bönningstedter Pendant Lätsch ist ebenfalls um ein gutes Verhältnis zu den Nachbarklubs bemüht, fordert aber ein, das Fair-Play zu beachten: „Auf dem Platz wird gepöbelt, nach dem Spiel manchmal auch noch – das ist okay und gehört dazu. Da sind wir nicht besser als der VfL. Wenn sich das Ganze aber so weit vom Sportlichen wegverlagert, dass unser Trainer nachts belästigt wird oder Dinge des anderen Vereins entwendet werden, dann ist eine Grenze überschritten. Wobei ich klarstellen muss, dass wir weder den VfL-Vorstand, noch den VfL als Gesamtverein verurteilen, sondern nur einige seiner Spieler.“ Für Palapies, dem grundsätzlich auch daran gelegen ist, das Verhältnis wieder zu normalisieren, ist die Grenze dennoch – Stand heute – überschritten, weshalb er auch überlegt, nicht beim Hallenturnier der Pinneberger, der inoffiziellen Kreis-Hallenmeisterschaft im kommenden Januar, anwesend zu sein. Ein Rückzug der gesamten Mannschaft, die bereits zugesagt hat, steht allerdings nicht im Raum. „Das würden wir auch sehr bedauern“, sagt Kirsch deutlich.

Eiszeit zwischen Pinneberg und Bönningstedt. Ein mutmaßlicher Fahnen-Klau, ein nächtlicher Jungen-Streich und Pöbeleien haben dafür gesorgt, dass der Sport in den Hintergrund gerückt ist. Es wird noch eine Weile dauern und vieler versöhnlicher Worte bedürfen, bis das Eis zwischen beiden Klubs wieder geschmolzen sein wird.

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