Walter Jepsen: „Das vergisst man nicht“

Der junge  Walter Jepsen packt beim Arbeitseinsatz die Schubkarre für den Zement und die Steine  an.
1 von 5
Der junge Walter Jepsen packt beim Arbeitseinsatz die Schubkarre für den Zement und die Steine an.

Erinnerungen an den Bau der EMTV-Sporthalle / Abriss beginnt Dienstag

shz.de von
28. Juni 2014, 16:00 Uhr

Das Schwarz-Weiß-Foto ist mit den Jahren, die es in der Dokumenthülle aus Plastik in ein kleines DIN A5-Ringbuch abgelegt ist, leicht vergilbt. Es zeigt einen kräftigen Mann, der im Frühjahr 1963 nach einer Schubkarre greift, daneben der Ansatz einer Mauer und im Vordergrund der metallener Mauerkübel mit angerührtem Zement. Es ist ein Dokument der Arbeit von EMTV-Mitgliedern beim Bau der vereinseigenen Sporthalle am Koppeldamm.

Der Mann in dem weißen Unterhemd ist Walter Jepsen, damals 38 Jahre alt, Handballer und heute Ehrenmitglied des EMTV. „Das Mauern war das eine. Wir haben aber vor allem das Gerüst für das Dach aufgebaut“, erinnert sich der 89-Jährige, der viel mit dem damaligen EMTV-Vorsitzenden Walter König zusammengearbeitet hatte. „Mook dat fast. Ich treck dat nach“, habe er König auf Platt angewiesen. Und dann hielt das Tragwerk der Halle, die bei ihrer Einweihung am 8. Februar 1964 ein Meilenstein der Technik war.

50 Jahre später ist der Bau mit einer Grundfläche von 20 mal 50 Metern eine Energieschleuder, die ab Dienstag, 1. Juli, abgerissen wird. An gleicher Stelle lässt der Verein eine neue, moderne Sporthalle errichten, die ebenfalls das „Turnerheim“ als Gaststätte beherbergt und zusätzlich Platz für die Geschäftsstelle des Vereins bietet, aber keine Kegelbahn mehr hat.

Damit verschwindet ein Stück Vereinsgeschichte. Es war vor allem Walter König, der als Vorsitzender Anfang der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts den Bau der Halle vorantrieb um damit einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: Geld sammeln, Pläne machen – und vor allem Eigenarbeit einwerben.
Schon bei der Gründung des Fundamentes packten Vereinsmitglieder an. Begonnen hatten die Arbeiten im Juni 1962. Die offizielle Grundsteinlegung am Sonnabend, 25. August, endete mit einem Festball im Casino des alten Turnerheims, das heute das vereinseigene Bewegungszentrum Vie Vitale beherbergt.

Mehr noch als die Handballer engagierten sich in der ersten Bauphase die Fußballer. 20 bis 30 Kicker erstellten die Grundfundamente für die äußeren Mauern – natürlich unter fachlicher Anleitung. 100 Kubikmeter Kies und 400 Zentner Beton wurden in Schubkarren transportiert. „Die letzten Wochen waren ausgefüllt von dem nimmermüden Einsatz vieler Vereinsmitglieder, die dem EMTV dadurch manchen Tausendmarkschein erspart haben“, heißt es dazu in einem Bericht der Vereinszeitung anlässlich des Richtfestes am 12. Juli 1963. Bürgervorsteher Weinhold bezeichnet die Initiative des EMTV als „einmalig in der Bundesrepublik“.

Am 8. Februar 1964 wurde mit mehr als 400 Gästen die offizielle Einweihung gefeiert. Die vier Kegelbahnen waren zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Monate in Betrieb gewesen. Die Gesamtkosten betrugen 250 000 D-Mark. Die Stadt Elmshorn steuerte einen Zuschuss von 100 000 Mark bei. Aus der vereinsinternen Spendenaktion mit dem Verkauf von sogenannten Bausteinen kamen 45 000 Mark zusammen. „Die Spendenfreudigkeit und die Eigenleistungen beim Bau haben alle unsere Erwartungen übertroffen“, bilanzierte Walter König zur Einweihung.

Für die Handballer bedeutete der Bau den Wechsel vom Großfeld in die Halle. Walter Jepsen (kleines Foto) hat in dem darauf folgenden halben Jahrhundert ungezählte Stunden auf dem Parkett verbracht – als Spieler und später als Trainer vieler Jugendmannschaften. Über all die Jahre sind die Erinnerungen an die Bauphase aber keineswegs verblasst. „Das sind Sachen, die vergisst man nicht“, sagt er.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert