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Schwimmen : Volle Kraft für die „Wundertüte“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wie Jacob Heidtmann mit neuem Trainingskonzept und mehr Freizeitaktivitäten die Deutschen Meisterschaften angeht

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Der erste Versuch, Jacob Heidtmann zu erreichen, endet in der Mailbox. Kurz darauf ploppt eine Whatsapp-Nachricht auf: Er melde sich später, sitze derzeit noch in einer Vorlesung. Heidtmann ist im Hauptberuf Student und hat diesem nach der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro vergangenes Jahr zuletzt absolut den Vorrang gegenüber dem Schwimmen gegeben. Zwei Semester Sozialökonomie, Heidtmann hat von Politikwissenschaften darauf umgesattelt, in Vollzeit. „Das ist leider nötig als Randsportler, obwohl Schwimmen eine olympische Kernsportart ist“, sagte der 22-Jährige vom Swim-Team Stadtwerke Elmshorn, der selten ein Blatt vor dem Mund nimmt. Ein berufliches Fundament ist ihm wichtig.

Das Studium habe aber auch geholfen, den Kopf nach der immer noch mal wieder thematisierten Disqualifikation während des 400-Meter-Lagen-Vorlauf wegen eines angeblich zu viel gemachten Delfin-Beinschlags nach der Wende zur Brustlage, frei zu bekommen. Auch für den Besuch von Fußballspielen – bevorzugt bei seinem FC St. Pauli – oder Konzerten habe er sich mehr Zeit genommen. „Mein Alltag ist abwechslungsreicher geworden, vielleicht sogar stressiger, aber es macht Spaß und ist sehr spannend“, sagte er. Der Trainingsumfang blieb mit 20 Stunden in der Woche immer noch sehr hoch.

In dieser Woche steht aber der Schwimmsport für den aus Borstel-Hohenraden stammenden 1,96 Meter langen Schlacks ganz klar im Mittelpunkt. In Berlin beginnen morgen, Donnerstag, die Deutschen Meisterschaften. Am Sonnabend will Heidtmann versuchen, seinen nationalen Titel über die 400 Meter Lagen zu verteidigen. Gemeldet ist er mit 4:20 Minuten und liegt damit in der Liste ganz vorn.

Ein Selbstgänger wird das Unternehmen indes nicht. „Ich würde mich als Wundertüte bezeichnen, auch wenn sich das negativ anhört“, so Heidtmann. Das hat seinen Grund. Er hat das Training umgestellt: weniger Kilometer im Wasser, dafür mehr Krafteinheiten. Mit dem Aufbau von Muskelmasse folgt Heidtmann zum einen der Vorgabe von Chefbundestrainer Henning Lambertz, zum anderen aber auch der Erkenntnis, die er bei der Analyse mit dem neuen Hamburger Verbandstrainer Veith Sieber gewonnen hat. „Meine größte Schwachstelle ist die Maximalkraft“, so Heidtmann, über die Power, die ihn auf den ersten Metern mehr Tempo bringen soll. „Wie weit wir sind, werden wir am Freitag sehen.“ Dann steigt Heidtmann mit den 200 Metern Lagen – gemeldet als zweitschnellster hinter dem Heidelberger Philip Heintz – in den Wettkampf ein.

Sonnabend geht’s dann um die Titelverteidigung über 400 Meter Lagen. Und vielleicht noch mehr, denn die DM ist zugleich die einzige Möglichkeit, sich für die Weltmeisterschaften in Budapest/Ungarn (23. bis 30. Juli) zu qualifizieren. Dafür müsste Heidtmann aber an seinen eigenen deutschen Rekord (4:12,08 Minuten), aufgestellt im August 2014 in Kazan, heranschwimmen. Klappt diese nicht, käme als Alternative zwei Wochen später die Universiade als Weltspiele der Studenten in Taipei (China) infrage.

Ganz nebenbei hat Jacob Heidtmann seit drei Wochen innerhalb des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) eine neue Aufgabe. Er ist zusammen mit Sarah Köhler (Heidelberg) zum Aktivensprecher gewählt worden. Das Duo löste Henrik Feldwehr und Dorothea Brandt ab. Als solcher hat Heidtmann eine Stimme in verschiedenen Gremien des DSV, unter anderem dann, wenn es um die Nominierungskriterien für internationale Meisterschaften geht. Dass Heidtmann eine Meinung hat und diese auch kundtut, hat er mehrfach bewiesen.

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