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Fussball- Oberliga : Völlig umgekehrte Vorzeichen

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Derby gegen den FC Elmshorn ist der VfL Pinneberg Favorit – das war vor eineinhalb Jahren ganz anders.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Der Abend des 24. Mai 2013 kann aus Sicht der Oberliga-Fußballer des VfL Pinneberg rückblickend betrachtet durchaus als ein historischer gewertet werden. Nur ganz knapp entkamen sie an jenem letzten Spieltag dem Abstieg in die Landesliga. Ein 1:1 – bei gleichzeitigem Patzen des damaligen Konkurrenten USC Paloma (mittlerweile zurück in der Oberliga) – reichte dem VfL zum Ligaverbleib. Ein Punktgewinn, der damals ausgerechnet beim übermächtigen FC Elmshorn (vorzeitiger Meister) eingefahren werden konnte.

Übermächtiger FC Elmshorn? So schnelllebig ist nur der Fußball. Ein Jahr und fünf Monate ist das jetzt her, dass der VfL ums Überleben kämpfte, während der FCE die Liga dominierte. Morgen (14 Uhr) treffen beide Klubs erneut aufeinander. Dieses Mal nicht am letzten Spieltag und in Pinneberg – aber vor allem unter völlig umgekehrten Vorzeichen: Der FC Elmshorn (Vorletzter) versinkt im Chaos (sieben Trainer in 2014), während die Pinneberger ganz vorne mitmischen (Rang zwei).

Zwei, die damals wie heute dabei waren, sind Pinnebergs Mittelfeldspieler Flemming Lüneburg (22, kommt vom FCE) und Elmshorns Spielmacher Patrick Ziller. „Rückblickend betrachtet habe ich alles richtig gemacht, bin mit dem FCE 2012 in die Oberliga aufgestiegen und habe rechtzeitig den Absprung geschafft“, schmunzelt der gebürtige Elmshorner Lüneburg und ergänzt: „Nach dem Aufstieg habe ich schnell gemerkt, dass das Konzept in Elmshorn eine riesige Luftblase ist. Anstatt weiterhin auf Jungs aus der Region wie Jan-Philipp Zimmermann, Tim Brüggemann, Tim Jeske (allesamt jetzt auch beim VfL, d. Red.) oder mich zu setzen und in Ruhe eine Truppe aufzubauen, wollte man unter Ex-Trainer Achim Hollerieth unbedingt den schnellen Erfolg und hat teure Spieler aus ganz Norddeutschland verpflichtet. Vieles wurde übers Knie gebrochen. Das hat man nun davon.“

Dennoch, so betont Lüneburg, sehe er die Entwicklung an der Wilhelmstraße auch mit einem weinenden Auge: „Ich bin Elmshorner, Elmshorn ist eine Fußballstadt. Würde der FCE absteigen, fände ich das sehr traurig.“ Eine fußballerische Rückkehr in die Krückaustadt schließt Lüneburg aus: „Beim FCE hatten wir fußballerisch vielleicht sogar eine bessere Mannschaft, aber der Teamgeist, den wir nun beim VfL haben, ist einzigartig, ich fühle mich sehr wohl hier. Es ist spürbar, dass beim VfL – im Gegensatz zum FCE – auf eine langfristige und nachhaltige Entwicklung der Mannschaft gesetzt wird.“

Trotz der zuletzt drastischen Entwicklung in Elmshorn ist Patrick Ziller, Führungsspieler und Ex-Teamkollege Lüneburgs, geblieben. Warum? Der Regisseur hatte in der vergangenen Saison mit seiner Rückkehr nach einem nur eineinhalb Monate währenden Gastspiel beim SC Victoria eigentlich ein Zeichen für Ruhe und Kontinuität beim FCE setzen wollen. Eingetreten ist das Gegenteil und glücklich ist Ziller mit der aktuellen Situation keineswegs. „Ich find’s eine Katastrophe. Das ist schlimmer als der HSV“, sagt er angesprochen auf die Trainerwechsel. Der 25-Jährige und seine Mitstreiter mussten sich unter der Woche in Florian Gossow auf den jetzt siebten Übungsleiter seit Jahresbeginn einstellen.

Natürlich weiß der bei Rot-Weiß Kiebitzreihe und dem VfR Horst groß gewordene Mittelfeldspieler um den gern beschworenen Effekt eines neuen Trainers, doch überzeugt scheint er angesichts des munteren Bäumchen-wechsel-dich auf der Bank davon nicht. „Ich behaupte: gut ist es nicht für die Mannschaft.“ Klar, dass sich da Gedanken, ob man nicht wie Lüneburg und Co. auch hätte gehen sollen, breit machen.

Für morgen schiebt Ziller diese allerdings beiseite. „Natürlich ist das Spiel ein besonderes, denn Lüneburg und die anderen Ex-Elmshorner sind ja immer noch meine Kumpel. Grundsätzlich gilt aber: Wir müssen endlich mal punkten.“ Damit der FCE nicht so lange zittern muss, wie der VfL vor eineinhalb Jahren.

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