Tennis : Überlebenskampf auf allen Ebenen

Ein Bild aus besseren Zeiten: Mit Erik Chvojka (v. l.), Florian Barth, William Boe-Wiegaard, Alexander Todorov und Jannik Kumbier spielte TuS Holstein Quickborn 2013/14 in der Regionalliga.
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Ein Bild aus besseren Zeiten: Mit Erik Chvojka (v. l.), Florian Barth, William Boe-Wiegaard, Alexander Todorov und Jannik Kumbier spielte TuS Holstein Quickborn 2013/14 in der Regionalliga.

Vereine bemängeln sinkende Mitgliederzahlen. Im Kreis Pinneberg werden Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet.

shz.de von
16. Januar 2015, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | In den obersten beiden Tennis-Ligen Norddeutschlands, der Regionalliga und der Nordliga, sucht man derzeit vergeblich nach Mannschaften aus dem Kreis Pinneberg. Das sah vor kurzem noch anders aus. Der TuS Holstein Quickborn spielte seit der Wintersaison 2011/12 durchgängig in der Nord-, bzw. der Regionalliga. Nun wurde die Mannschaft in der aktuellen Hallensaison aus der Regionalliga zurückgezogen und tritt überhaupt nicht mehr an. Ähnlich lief es vor zwei Jahren bei der SV Halstenbek-Rellingen. Bis 2011 waren die ersten Herren immer in einer der beiden Spielklassen zu finden, doch im Winter 2012/13 folgte der Rückzug.

Das Team startete in der Oberliga Hamburg. Der Abteilungsleiter der Spielvereinigung, Günter Busch glaubt, dass damit die höchstmögliche Spielklasse erreicht ist. „Die Oberliga ist das Ziel, sowohl im Winter, als auch im Sommer. Mehr ist nicht realisierbar“, so Busch, der darauf hinweist, dass die Tennisabteilung eben auch nur eine Sparte im Gesamtverein sei. Bei ausbleibenden Sponsoren sei ein Spielbetrieb in höheren Klassen nicht darstellbar. Das war auch der Grund für die Abmeldung der ersten Herren des TuS Holstein Quickborn. Kay Schmidt trainierte die Mannschaft nicht nur, sondern steckte auch jedes Jahr viel Geld in die Zusammenstellung des Teams. Rund um seine Nummer eins, Florian Barth, hatte er immer wieder eine Truppe aufgebaut, die sogar in der Regionalliga für enge Meisterschaften sorgte. Doch auch bei der erfolgreichsten Mannschaft der letzten Jahre blieben die Zuschüsse aus. „Ohne Sponsoren geht das nicht. Ich habe viel finanziert. Vom Verein kam da wenig“, sagt Schmidt. Nicht nur das Geld fehlte. Die Verantwortlichen bemängeln vielerseits auch das fehlende Interesse im eigenen Verein. „Bei uns wissen 90 Prozent der Mitglieder gar nicht in welcher Liga die ersten Herren spielen“, erzählt Busch, der sich insgesamt mehr Engagement im Verein wünscht. Versäumnisse gab es sicherlich auch in der Nachwuchsarbeit, teilweise fehlen ganze Generationen im Verein. „Früher, damit meine ich vor vierzig Jahren, waren Eltern Mitglied im Verein und brachten ihre Kinder mit. Das war noch ein Vereinsleben. Heute spielen die Eltern kein Tennis mehr und kommen nur vorbei, um die Kinder zum Training zu bringen. Das Interesse am Verein ist gering“, so Busch. „Das Training der Jüngsten muss der Unterbau für eine leistungsstarke erste Mannschaft sein. Da vermisse ich aber oft die Kontinuität. Die Kinder trainieren nur im Verein, identifizieren sich aber nicht mit ihm“, so Schmidt.

In die gleiche Kerbe schlägt Stefan Jess, Cheftrainer der ersten Herren des Lawn-Tennis-Club-Elmshorn. Der 50-Jährige, der trotz zwischenzeitlichem Wechsel bereits über 40 Jahre Mitglied des Traditionsvereins ist und die Blütezeit während der 80er- und 90er- Jahre hautnah miterlebte, als der LTC zwischenzeitlich um den Bundesliga-Aufstieg spielte, macht sowohl interne als auch externe Probleme für den kritischen Zustand der Vereine im Kreis verantwortlich. „Die Strukturen sind in den meisten Klubs nicht mehr zeitgemäß. Meiner Meinung nach muss eine Art sportlicher Leiter, der sowohl das sportliche Geschehen als auch die organisatorischen Abläufe überblickt, eingebunden werden und den Vorständen zuarbeiten. Es muss täglich jemand auf der Anlage vorzufinden sein und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist Tennis medial nicht mehr so stark vertreten wie noch vor zehn oder 15 Jahren“, analysiert Jess, der dennoch Potenzial sieht. Mit knapp 1,5 Millionen Mitgliedern sei Tennis hinter Fußball und Turnen die drittstärkste Sportart in Deutschland.

Nichtsdestotrotz muss bei den Klubs ein Umdenken stattfinden: „Wir müssen uns speziell um die unterschiedlichen Zielgruppen wie Leistungssportler, Breitensportler, Senioren und Nachwuchssportler kümmern. Die Nachfrage ist schließlich da“, so Jess, der die Entwicklung bei seinem Ex-Klub TV Uetersen exemplarisch aufführt. Während seiner fünf Jahre andauernden Tätigkeit in Uetersen (2003-2008) stieg die Anzahl der Nachwuchsspieler von 39 auf 130 Akteure an. Einen ähnlichen Trend erhofft sich Jess, der in Elmshorn eine Trainingslounge leitet, auch beim LTC. „Wir müssen über die Breite den Weg in die Spitze finden. Nur ein gesunder Unterbau ermöglicht eine Zukunft im Leistungsbereich.“ Aktuell peilt Jess mit den ersten Herren den Klassenerhalt in der Verbandsliga an. „In den nächsten zwei bis drei Jahren geht es darum, sich in der Verbandsliga zu etablieren“, so der Coach.

Aller Voraussicht nach wird es noch einige Zeit dauern, bis in den obersten Tennis-Ligen wieder Teams aus dem Kreis vertreten sind. Ziehen die Vereine die richtigen Schlüsse aus der Misere, darf optimistischer in die Zukunft geblickt werden.  

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