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Dichter am Ball : Tschüs, Lukas Podolski

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Also mit dem Namen kann man eigentlich nur Evangelist oder Lokomotivführer werden, er aber wurde Fußballer. Seine linke Klebe war weniger Schuss und mehr eine Waffe. Sein Spiel war, so wie er auch selbst, weitgehend schnörkellos und eher wuchtig als filigran. Zielgerichtete Vorlagen in den Sechzehner und punktgenaue Tore in den Giebel aus großer Distanz waren sein Markenzeichen. Er war Wühler, Kämpfer, Mannschaftsspieler und sich nie zu schade auch mal fünf Minuten vor Schluss eingewechselt zu werden, wenn Ronaldo oder Totti schon längst beleidigt auf dem Klo geschmollt hätten.

Nun ist er weg! Keine harten Schüsse, keine inhaltsbefreiten Phrasen mit hintergründiger Untiefe und auch keine schelmisch gebellten Subjekt-Prädikat-Aspekt Halbsatzkonstruktionen mehr. Er ist als einer der wenigen lebenden Deutschen auf einer Briefmarke abgebildet, war in den deutschen Singlecharts vertreten und ist Träger des Fußball-Kulturpreises 2006 (für den Satz: „So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere“).

Was bleibt, sind seine bisherigen elf Tore des Monats (von denen jedoch keines Tor des Jahres wurde) und bereits schon jetzt legendär ist sein gossenpubertärer „80-Prozent-Spruch“ auf einer DFB-Pressekonferenz, mit dem er das Löw’sche Gonaden-Gate herrlich nonchalant als Alltäglichkeit abtat.

Der ewige Fußballfrechdachs Lukas Podolski hat seine Fußballkarriere nun beendet. Okay, er wechselt zwar offiziell nach Japan, aber das zählt nicht. Das ist in etwa so, wie als Lehrer in Rente zu gehen, aber nebenbei Schülern noch Nachhilfe zu geben. In diesem Fall jedoch nicht als geringfügige Beschäftigung, sondern wohl eher auf 450  000-Euro-Basis. Mindestens.

Der Begriff „Straßenfußballer“, der von Reportern immer wieder ausgepackt wird, wenn es gilt, leicht tumb erscheinende, unbekümmerte Bundesligaprofis mit überschaubarem Wortschatz und einfachen Denkstrukturen zu beschreiben, die aber die fulminante Schusskraft eines Ochsen besitzen und über 90 Minuten unermüdlich von einem Strafraum zum anderen wieseln, passt auf „The Pod“ wie Arsch auf Eimer.

In einer stereotypen, sterilen Hochglanzwelt, in der Fußballer angepasste Angestellte sind, die auf Reporterfragen mit einfachen Sätzen aus dem Baukasten antworten, wird er fehlen. Einen solchen vierschrötig anmutenden Typen wie Lukas Podolski wird man im hiesigen Bezahlfußball auch mit der Lupe nicht finden und Thomas Müller ist keine wirkliche Option. Also ich jedenfalls werde ihn vermissen.

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