Fussball : „Tod oder Gladiolen“

In den Händen hielt Robert Hermanowicz (vorn, mit Ex-HR-Spieler Sören Warnick) den Pokal im Vorwege eines Finals schon einmal – gewinnen konnte er ihn aber noch nicht.
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In den Händen hielt Robert Hermanowicz (vorn, mit Ex-HR-Spieler Sören Warnick) den Pokal im Vorwege eines Finals schon einmal – gewinnen konnte er ihn aber noch nicht.

Morgen empfängt HR den SC Victoria zum Pokal-Knaller – Zeit für Revanche-Gelüste und Fußballweisheiten.

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12. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Einiges hat sich verändert seit dem 21. Mai 2010. Die alte silberne Trophäe, die der Gewinner des Hamburger Fußballpokals damals erhielt, ist mittlerweile einem modernen Plexiglas-Gebilde gewichen. Nicht mehr der SC Victoria dominiert den Hamburger Amateurfußball, sondern die Spielvereinigung Halstenbek-Rellingen aus dem Kreis Pinneberg. Und deren Verteidiger, Robert Hermanowicz, gibt offen zu, seit 2010 leicht gealtert zu sein: „Ich habe seitdem ein paar graue Haare dazubekommen“, scherzt der 26-Jährige, der am besagten 21. Mai vor nunmehr viereinhalb Jahren mit den Halstenbekern im Pokalfinale stand und um ein Haar per Kopf die Führung besorgt hätte. An der Hohenluft. Gegen den SC Victoria – um dem damaligen Favoriten nach toller Leistung dann doch knapp mit 0:1 zu unterliegen.

Am morgigen Sonnabend (13 Uhr) kommt es nun zum Wiedersehen der SVHR mit „Vicky“ im Pokalwettbewerb. Noch ist es nicht das Finale, sondern die vierte Runde. Und diesmal spielen die Baumschuler auch nicht an der Hohenluft, sondern daheim, am Lütten Hall.

Zeit für die längst überfällige Revanche fürs verlorene Endspiel von 2010. Hermanowicz, der noch bis heute Nachmittag auf der spanischen Ferieninsel Lanzarote weilt, ist der einzige im HR-Kader verbliebene Pokal-Recke von einst und erinnert sich trotz der Pleite gern: „Wir waren der totale Außenseiter. Die Atmosphäre damals vor über 1  500 Zuschauern war gigantisch. Das würde ich gerne noch einmal erleben. Dafür aber müssen wir Vicky diesmal besiegen.“

Was zwar nicht so schwer wie in 2010, dennoch aber nicht einfach werden dürfte. Denn: Der einstige Hamburger Serienmeister, der zwischenzeitig ein Intermezzo in der Regionalliga gab (2012-2014), befindet sich nach anfänglichen Schwierigkeiten seit dem Abstieg in die Oberliga derzeit im Aufwind und ist nunmehr sieben Liga-Partien in Folge ungeschlagen. „Wir haben HR intensiv studiert, wissen alles über den Gegner und wollen es vor allem vermeiden, in Konter zu laufen“, verrät Victoria-Coach Lutz Göttling.

„Spielerisch und personell sind wir heute viel besser als damals aufgestellt. Ich bin seit acht Jahren bei HR und an keine Niederlage erinnere ich mich so wie an die von 2010. Wir hatten schon eine Hand am Pokal. Der Revanche-Gedanke ist bei mir noch da“, gibt sich Hermanowicz angriffslustig. Was für sein Team spricht: Die Halstenbeker besiegten die Hoheluftler Ende August in der Liga fulminant mit 5:2, gehen als Tabellenführer der Oberliga in die Partie. Hermanowicz weiß aber auch: „Im Pokal kommt es oft auf die Tagesform an, die ist wichtig. Spielst du einmal schlecht, bist du raus.“ Jenseits von „Vicky“ sieht Hermanowicz den Regionalligisten Eintracht Norderstedt als großen Konkurrenten im Wettbewerb. „Das wäre ein Traumfinale, zumal wir viele ehemalige Norderstedter im Kader haben. Aber soweit ist es noch lange nicht.“ Erst soll die Revanche folgen, dann stünde ein Achtelfinale gegen den Kreisrivalen SV Rugenbergen an (8. Februar).

Noch ist nicht klar, welches Team HR-Trainer Thomas Bliemeister auf den Rasen schicken wird. Fest steht nur: Niklas Siebert wird fehlen (private Gründe), Serhat Ercek soll ihn auf Linksaußen ersetzen. Mladen Tunjic ist wieder fit und da Pokalrecke Hermanowicz im Urlaub weilte und nicht trainieren konnte, wird das Innenverteidiger-Duo voraussichtlich erneut aus Marcel Schöttke und Vincent Ermisch bestehen. „Wir sind bestens vorbereitet“, sagt Bliemeister, bedient sich aber mit Blick auf die brutalen Gesetzmäßigkeiten des Pokals eines Sprichworts seines berühmten niederländischen Trainerkollegen Louis van Gaal: „Entweder wir bekommen Gladiolen, oder wir sind tot.“ So ist er, der Pokal – das hat sich auch seit 2010 nicht verändert.  

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