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Interview : „Schwimmen ist viel Kacheln zählen“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Anne Borinski vom Swim-Team Stadtwerke Elmshorn über Motivation beim Training und die Ziele des Nachwuchses

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Fast jeden Tag der Woche trainiert Anne Borinski bis zu 25 Mädchen und Jungen beim Swim-Team Stadtwerke Elmshorn mit dem Ziel: Teilnahme an Landes- und Norddeutschen Meisterschaften. Vor dem Elmshorner Stadtwerke Cup an diesem Wochenende in der Traglufthalle spricht die 36-Jährige über Wettkampfstress und warum Schwimmen mehr als Kacheln zählen ist.

84 Teilnehmer allein vom Swim-Team Stadtwerke Elmshorn mit 618 Starts – Das wird ein hartes Wochenende für Sie, oder?

Anne Borinski: Ja, das stimmt. Eigene Wettkämpfe sind immer anstrengend, und von mir schwimmen wirklich alle. Sie sollen unter Anderem die vier 50er-Strecken schwimmen, weil dies für uns die letzte Möglichkeit ist, sich für die Sprint- und Staffelmeisterschaften im Juli zu qualifizieren. Und da geht es natürlich Schlag auf Schlag.

Wie behalten Sie in der Traglufthalle den Überblick über die 25 Mädchen und Jungen Ihrer beiden Gruppen?

Die älteren sind selbstständig und haben selbst im Blick, wann sie zum Start gehen und wann sie sich erwärmen müssen. Bei den Kleinen muss man ein bisschen gucken, ob sie sich umziehen, wie sie sich zwischendurch ernähren und ob sie überhaupt Pause machen oder draußen Fußball spielen.

Da brauchen die Kinder schon ein gehöriges Maß an Disziplin.

Sie lernen schon bei Harmsi (Christa Harms, Trainerin der Fördergruppen, die Red.), dass sie sich das Meldeergebnis ausdrucken, oder sie bekommen einen Zettel mit, auf dem ihre Strecken stehen und auf welcher Bahn sie starten. Natürlich passiert’s auch mal, dass bei den Kleinen jemand seinen Start verpasst. Aber beim nächsten Mal haben sie’s dann im Blick, weil sie sich meistens selbst ärgern.

Mal allgemein gefragt: Die Kinder ihrer Gruppen sind zwischen neun und zwölf Jahren alt, trainieren bis zu sechs Mal pro Woche. Ist es schwer, da die Motivation hochzuhalten?

Viele haben diese Motivation einfach. Sie sind echt fleißig. Die Großen trainieren teilweise auch sonnabends. Die letzten Samstage hatten wir sogar zwei Einheiten täglich – und es waren wirklich fast alle da. Das freut mich natürlich, aber man muss zwischendurch schon gucken, dass die Kinder motiviert bleiben: mit ein paar Spielchen, mit einer Staffel oder auch mal mit ein paar Tests, an denen sie sehen, dass sie sich stetig verbessern.

Was ist Training denn mehr als „nur“ Kacheln zählen?

Viel ist Kacheln zählen. Das ist wirklich so. Beim Schwimmen muss man viel Schwimmen. Den Spaß am Training müssen sie natürlich haben, sonst wird das auf Dauer nichts. Es ist eine Motivation wenn sie sehen, dass sie sich verbessern. Wichtig ist auch, dass die Gruppe nett ist. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist groß.

Schmerzt es Sie, wenn ein Kind mit zwölf Jahren aufhört, weil es ihm mit der Schule und anderen Hobbys zu viel wird?

Natürlich, das ist schwer. Man versucht, noch etwas zu regeln und denjenigen zu motivieren, aber manchmal hilft das alles nichts mehr. Wenn sie sagen, sie schaffen’s nicht mehr, dann heißt das oft: Sie wollen’s nicht mehr schaffen. Klar: Wenn es in der Schule Probleme gibt, muss man eine Lösung finden – vielleicht mit Nachhilfe oder einem Tag Trainingspause. Das gibt es alles. Aber wenn jemand sagt, „Das ist mir alles zu viel“, dann bin ich natürlich traurig, wenn man vorher viel Arbeit reingesteckt hat und auch Potenzial sieht.

Nach den Ferien beginnt die Zeit der Meisterschaften. Was erhoffen Sie sich für die anstehenden Wochen?

Ich hoffe, dass sich viele für die Norddeutschen Mehrkampfmeisterschaften qualifizieren und bei den älteren für die normalen Norddeutschen. Das müssen sie an diesem Wochenende schaffen, weil die Norddeutschen schon am ersten Wochenende nach den Ferien sind. Da fahren wir mit dem Rest nach Berlin zum Wettkampf. Wir müssen alles auf dieses Wochenende und auf Berlin setzen, weil nach dem 30. April der Zeitrahmen für die Qualifikation zu den Deutschen Jahrgangs- und den Mehrkampfmeisterschaften zu ist. Bei den Landesmeisterschaften erhoffe ich mir für die jüngsten, also die 2006er, die eine oder andere Medaille im Mehrkampf, weil wir da ganz gut aufgestellt sind.

Hat der Heimwettkampf auch abgesehen von der Qualifikation einen anderen Stellenwert, als wenn Sie nach Kiel oder Lübeck fahren?

Ich glaube schon, weil hier auch mal Eltern oder Großeltern zum gucken kommen. Es ist ein Vorteil, dass die Kinder die Traglufthalle und die Begebenheiten kennen und sich hier wohl fühlen. Wenn man nach außerhalb fährt, ist das aufregender. Hier zu Hause zeigen sie immer gute Leistungen und ich hoffe, dass sie wissen, worum es geht. Alle haben gut trainiert und sind fit.

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