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Fußball-Oberliga : „Schadenfreude ist fehl am Platz“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fußball: VfL-Coach Fischer spricht vor Duell mit HR von der „Mutter aller Derbys“. Schiedsrichter-Boss Diekert mahnt.

Wenn Michael Fischer über das Oberliga- Derby zwischen dem VfL Pinneberg und der SV Halstenbek-Rellingen redet, dann spricht der Pinneberger Trainer gern von „der Mutter aller Derbys“ und vergleicht das Aufeinandertreffen nicht selten auch mal mit jenem in der Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. Dieses Duell, auch bekannt als Ruhrpott-Derby, schaute sich Fischer vor einer Woche im TV an – und dachte gleich an das Duell seines VfL bei HR am kommenden Sonntag (14 Uhr, Lütten Hall).

„Wenn die Blauen auch am Sonntag mit 0:3 verlieren, hätte ich nichts dagegen, nur wir werden in rot und nicht in gelb spielen“, scherzt Fischer. Der 47-Jährige fiebert dem Kreis-Derby entgegen, allerdings im wahrsten Sinne des Wortes, denn fast die gesamte Woche lag Fischer mit einer Grippe flach. Am Sonntag wird er ohnehin nicht an der Seitenauslinie stehen können, da sein Vater zeitgleich zum Kreis-Derby im Gemeindehaus Appen seinen 70. Geburtstag feiern wird. Fischers Assistent, Co-Trainer Börje Scharnberg, stellte das Team unter der Woche auf das große Duell ein, wobei die Mannschaft auch ohne Ansporn heiß aufs Spiel ist. „Für dieses Spiel braucht es keine Extra-Motivation. Es ist das Derby, wir können die Tabellenführung zurückerobern und HR auf Distanz halten“, weiß Fischer, der den Gastgeber trotz zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle und zuletzt drei Pflichtspielniederlagen in Folge nicht in der Außenseiterrolle sieht: „HR ist zwar nicht gut drauf, das Derby hat aber seine eigenen Gesetze. Am Lütten Hall weiß man auch, dass ein Sieg im Derby einen positiven Schub für die gesamte Rückrunde geben kann.“

Schadenfreude darüber, dass sich beim Kreisrivalen in der Hallensaison etliche Leistungsträger verletzten, empfindet Fischer derweil nicht: „Schadenfreude ist hier völlig fehl am Platz. So etwas gönnt man niemandem, nicht einmal seinem Kreisrivalen. Bei diesem Verletzungspech ist es normal, dass HR einen Einbruch hatte.“ Anders als sein Trainerkollege Thomas Bliemeister kann Fischer (bzw. seine Vertretung Scharnberg) am Sonntag nahezu aus dem Vollen schöpfen, lediglich Thorben Reibe (Zeh) und Sascha Bernhardt (Grippe) drohen auszufallen.

Anders die Situation knapp fünf Kilometer Luftlinie entfernt am Thesdorfer Weg. „Die Situation ist besch.  .  . Unsere Generalprobe für das Derby ging bei Vier- und Marschlande in die Hose (3:4 nach 2:0-Führung, d. Red.), wir haben viele Verletzte, zudem stimmte die Einstellung zuletzt nicht“, bemängelt Bliemeister und ergänzt: „Am Dienstag haben wir uns den Frust aus der Seele gelaufen, beim Donnerstagstraining haben wir dann die Leichen gezählt, ab heute beginnen wir mit der intensiven Vorbereitung aufs Derby.“

Bliemeister hofft, dass Keeper Adrian Matthäi (Hüftprobleme) und Linksaußen Jepther Agyei Antwi (Leiste) rechtzeitig fit werden, Stürmer Jan-Marc Schneider soll heute von einem Seminar zurückkehren.

„Beim Spiel gegen den SC Vier- und Marschlande hat man gesehen, dass wir momentan nicht stabil genug sind. Wir haben ganz sicher keine Werbung für das Derby gemacht. Jetzt müssen wir uns zusammenreißen, denn wir wollen das Derby gewinnen und uns aus der schwierigen Situation herausziehen.“ Bliemeister stellt seinem Team die Charakterfrage, wer übernimmt gegen den VfL die Verantwortung?

Die noch verbliebenen Führungsspieler Schneider, Marlo Steinecke und Yannick Sottorf stehen in der Pflicht – und im Fokus. Im Blickpunkt wird auch der junge HR-Angreifer Enrik Nrecaj stehen. Der soll der VfL-Bank inklusive Trainer Fischer nach einem HR-Treffer beim Hallenmasters im Januar einen Stinkefinger gezeigt haben, die Emotionen kochten hoch. Fischer zündelt: „Das haben meine Spieler sicher nicht vergessen.“ In Halstenbek bleibt man gewohnt locker. „Wir blenden solche Nebenkriegsschauplätze aus, wollen uns aufs Wesentliche konzentrieren. Wir haben derzeit ganz andere Probleme, ich jedenfalls habe mit Enrik nicht mehr darüber gesprochen“, betont Bliemeister.

Dennoch: Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) hat beide Teams seit den Vorfällen beim Masters im Visier. HFV-Schiedsrichterboss Wilfred Diekert aus Appen überlegte bereits, einen vierten Offiziellen an die Seitenauslinie zu stellen, um die Gemüter zu beruhigen. „Darauf verzichten wir aber vorerst, wir vertrauen unserem erfahrenen Schiri Michael Ehrenfort und ich appelliere an alle Beteiligten vereinsübergreifend, sich endlich in den Griff zu bekommen“, mahnt Diekert und ergänzt: „Das, was ich zuletzt, aber vor allem beim Hallenmasters, zwischen den Kreisteams erleben musste, hatte mit Fußball nichts mehr zu tun.“  

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erstellt am 06.Mär.2015 | 16:00 Uhr

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