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Fusball-Regionalliga : Remigius Elert im Interview

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der neue Trainer des FC St. Pauli II: „Man lernt, während man schwimmt.“ Holsatias Abstieg tut ihm weh.

Er hat für den EMTV – in dessen letzter Verbandsligasaison vor dem Absturz – und für die den damals noch eigenständigen SuS Holsatia die Buffer geschnürt. Der dritte Kreuzbandriss beendete dann vor 13 Jahren die Zeit als aktiver Fußballspieler. Dafür ist Remigius Elert (37) als Trainer deutlich weiter gekommen. Zum 1. Oktober wurde der Elmshorner A-Lizenz-Inhaber beim FC St. Pauli vom Trainer der U15 zum Chefcoach der Regionalligamannschaft (U 23) befördert. Im Interview spricht er über die turbulenten ersten Tage in dieser Position.

Was ist alles in den vergangenen zwei Wochen seit der Berufung zum Regionalligatrainer passiert?
Remigius Elert: Es ist im Grunde genommen alles passiert, was passieren konnte: Wir haben gleich das Derby gegen den HSV II gehabt, dann das Montagabendspiel in Meppen. Es gab im Grunde genommen keine Luft zum Atmen, aber es war ein positiver Stress, der so auch gewünscht war. Und es hat unheimlich Spaß gemacht.

Sie haben damit die beiden Spiele mit der maximalen medialen Aufmerksamkeit gleich zum Einstand gehabt.
Exakt, mehr geht nicht. Das war sozusagen der Sprung ins kalte Wasser. Gott sei dank habe ich Leute um mich herum, die da schon sehr erfahren sind wie Boller (Fabian Boll, die Red.), was ein Glücksfall ist, da er für viele der erste Ansprechpartner war. Es sind unbekannte Situationen für mich, aber man lernt sozusagen während man schwimmt.

Was ist der größte Unterschied zwischen Ihrer bisherigen Aufgabe als Trainer der U 15 und jetzt als Trainer der U 23?
Die U 23 ist die Schnittstelle zu den Profis. Dementsprechend ist der Fokus, was die Intensität, was die Komplexität und die Erwartungshaltung angeht anders, weil man sich als Trainer äußern muss. Der größte Unterschied ist: Ich würde gar nicht hier sitzen und wir würden nicht miteinander sprechen, wenn ich noch die U 15 trainieren würde.

Und sportlich?
Der Trainingsumfang, den wir fahren, ist fast mit dem der Profis gleichzusetzen. Es ist natürlich Luft nach oben, aber es ist schon sehr anspruchsvoll und sehr ambitioniert für eine Regionalligamannschaft wenn man sechs Mal die Woche trainiert.

Wie hat sich Ihr Alltag verändert?
Was den Arbeitsumfang angeht eigentlich gar nicht. Die 60 bis 70 Stunden pro Woche hatte ich auch schon als Trainer der U 15 investiert. Bei der U 23 reden wir vom Automatisieren von Abläufen, während es bei der U 15 oder U 16 ums Erlernen geht.

Letztendlich geht es ja darum, ein Tor mehr zu erzielen als die anderen...
...oder eines weniger zu kassieren. Ein 4:3 hat Charme, wobei ein 1:0 auch schön sein kann. Ich könnte gar nicht sagen, ob es schöner ist 4:3 zu gewinnen oder 1:0. Es gibt Spiele, die hin und her wanken und mit dem vierten Tor unheimliche Glücksgefühle erzeugen, und es gibt diesen dreckigen 1:0-Sieg, von dem du sagst: „Ey, das ist doch auch geil.“

Wie groß war die Überraschung, als Ihr Sportdirektor Rachid Azzouzi zu Ihnen gekommen ist und gesagt hat: Wir haben da noch einen Job frei?
Die war schon groß. Es ist ja eher ungewöhnlich, dass man einem U 15-Trainer eine U 23, die zweite Mannschaft des Vereins, anvertraut. Das ist ein großer Vertrauensbeweis. Auf der anderen Seite ist es eine Bestätigung für alle NLZ-Trainer, dass sie alle mit Herz, Leidenschaft für den Verein arbeiten. Ich bin glücklich und dankbar und mit der nötigen Demut werde ich, werden wir, diese Arbeit angehen.

Wenn Sie von „wir“ sprechen meinen Sie Ihren Co-Trainer Fabian Boll?
Boller, Danny Voorbraak und Christian Rahn, der zwar als Spieler mitläuft, aber den Jungs sein Know-how weitergibt und unheimlich wertvoll für die Mannschaft ist.

Wie ist es, wenn man als No-name-Trainer die Kultfigur „Boller“ ersetzen soll, auch wenn er es nur übergangsweise gemacht hat?
Das war ja von vornherein klar, dass er es nur interimsweise machen will. Er macht das super. Er will den Co-Trainer annehmen und für mich ist es ein Glücksfall.

Interne Lösungen sind derzeit offenbar in. Der HSV hat in Joe Zinnbauer für die 1. Bundesliga gefunden, der FC St. Pauli eine für die 2. Bundesliga in der Person von Thomas Meggle Da könnte man ja fast sagen: In drei oder vier Jahren stehen Sie da oben?
Es war immer mein Vorteil, dass ich auf das geachtet habe, was ich jetzt ändern kann und mich darauf konzentriert habe. Irgendjemand hat mal gesagt: Die Gegenwart ist das Spiegelbild der Zukunft. Mir macht es unheimlich Spaß, dieser aktuellen Aufgabe nachzugehen. Sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben, ist nicht jedem vergönnt. Das beruht natürlich darauf, dass ich eine unheimliche Unterstützung in der Familie hatte. Das wäre alleine gar nicht möglich gewesen.

Sie sind als Spieler relativ früh ausgeschieden, haben maximal bis zur Verbandsliga hoch gespielt. Wie sind sie beim FC St. Pauli reingerutscht?
Ich habe 2006/07 bei Holsatia als Co-Trainer von Stephan Roesler angefangen. Wir hatten eine gute Zeit, sind in der Aufstiegssaison des FC Elmshorn Dritter der Bezirksliga geworden und hatten das letzte schöne Stadtderby mit 700 Zuschauern. In der nächsten Saison hat mich Marco Feldhusen (Chefscout FC St. Pauli, die Red.) angesprochen, ob ich mir es vorstellen kann, als Co-Trainer der U 16 anzufangen. Bei mir war damals schon der Wunsch geboren, sich Ziele zu setzen und zu verfolgen – auch wenn diese vielleicht mit Risiken behaftet sind. Ich habe für mich festgestellt, dass das Leben doch ganz schön kurz ist und man gern am Ende sagen möchte: „Ich habe das gemacht, was mir Spaß macht.“ Wenn das dann noch für die Brötchen reicht, ist es umso schöner.

Welchen Kontakt haben Sie heute noch zu Holsatia und dem EMTV, die ja nun ein Verein sind?
Wenn ich ganz ehrlich bin: gar keinen. Mit Jürgen Hühnert, mit dem ich in der Jugend zusammengespielt habe und der vergangenes Jahr mein Co-Trainer bei der U15 war, habe ich Kontakt. Leider war Jürgen beruflich zu sehr eingespannt.

Was sagen Sie zu dem Niedergang bei Holsatia mit den Abstiegen bis zurück in die Kreisklasse?
Ich habe mittlerweile Distanz gewonnen, aber damals tat das schon sehr weh.

Haben Sie die Oberliga als die Klasse unter der Regionalliga im Blick?
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass in den letzten Tagen der Fokus auf meiner eigenen Mannschaft lag. Aber ich beobachte natürlich HR, die haben einige interessante Spieler aus den Jahrgängen 94 bis 96. Nach unten ist es weniger schön, wenn man die Elmshorner Mannschaft sieht. Ich werde zukünftig aber auch verstärkt in diese Liga reingucken.

Trotzdem werden Sie vermutlich erst einmal stärker in die Regionalliga reingucken müssen?
Klar, das ist das Alltagsgeschäft. Aber wie bei der U15 ist man sehr mit Scouting beauftragt, dass es nicht mehr auf diesen reinen Trainerjob definiert werden kann. Du bist auch Pädagoge, du bist Videotechniker und Analyst in einer Person. Es ist sehr schön vielfältig.

Sonnabend spielen Sie gegen den TSV Havelse. Spüren Sie nach der Niederlage gegen den HSV II und dem Unentschieden am Montag in Meppen schon so etwas wie Druck, gewinnen zu müssen?
Letztendlich ist es der Anspruch einer jeden Herrenmannschaft, einen Erfolg einzufahren. Man ist alles andere als glücklich, wenn das nicht passiert. Am Ende ärgert das einen immer selbst am meisten – egal, was da von außen gesagt wird.

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erstellt am 17.Okt.2014 | 16:00 Uhr

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