Schwimmen : Muffels und Wunram wie im Traum

Rob Muffels steigt, den zerrissenen Schwimmanzug um den Hüften, jubelnd aus dem Wasser.
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Rob Muffels steigt, den zerrissenen Schwimmanzug um den Hüften, jubelnd aus dem Wasser.

Aus Elmshorn stammende Freiwasserathleten holen überraschend Silber und Bronze bei der WM in Kasan.

shz.de von
27. Juli 2015, 16:00 Uhr

Die Glückwünsche kamen reichlich über alle möglichen Kanäle des Web 2.0 wie Facebook oder Twitter. Kein Wunder: Die in Elmshorn groß gewordenen Rob Muffels (20) und Finnia Wunram (19) haben am ersten Tag der Schwimm-Weltmeisterschaften im russischen Kasan überraschend Silber und Bronze über fünf Kilometer Freiwasser gewonnen und waren damit das Thema in den großen deutschen Medien vom ZDF-Sportsudio bis hin zu den ARD-Tagesthemen. Sie stünden„für die neue Generation“, jubelte etwa der Sportinformationsdienst (sid) über die beiden, die seit drei Jahren für den SC Magdeburg starten, in Anspielung die erste WM ohne den zurückgetretenen Freiwasserstar Thomas Lurz. Chef-Bundestrainer Henning Lambertz sagte: „Das ist der fantastischste Einstieg, den ich seit langem sehen durfte.“

Muffels hatte sich gar für paar Sekunden als Weltmeister gefühlt. Der 20-Jährige sprang aus dem Wasser, zerriss seinen Anzug und reckte die Arme in die Höhe. „Ich bin rumgesprungen und hab' mich gefeiert“, sagte der Magdeburger nach dem Wimpernschlag-Finale über fünf Kilometer: „Dann hab ich noch mal zur Anzeigetafel geguckt, da stand ich nicht mehr auf eins.“ Am Ende gab es WM-Silber, weil der zeitgleiche Südafrikaner Chad Ho nach 55:17,6 Minuten laut Zielfoto einen Hauch eher angeschlagen hatte.

Auch wenn er Gold knapp verpasste, krönte Vize-Europameister Muffels einen WM-Auftakt nach Maß für die deutschen Freiwasserschwimmer in Kasan. „Ich bin trotzdem überglücklich mit der Silbermedaille“, sagte der Blondschopf.

Muffels war als Erster auf die lange Zielgerade gegangen. „Dann war mein Kurs nicht optimal, ich bin mehr geschwommen als die anderen“, berichtete er: „An der Orientierung muss ich noch arbeiten.“

Finnia Wunram präsentiert mit einem Lachen die Bronzemedaille.
Finnia Wunram präsentiert mit einem Lachen die Bronzemedaille.
 

Drei Stunden zuvor hatte bereits Finnia Wunram Bronze gewonnen. Bei der 19-Jährigen flossen zunächst die Freudentränen, dann wich das Lachen nicht mehr aus ihrem Gesicht. „Unfassbar. Ich kann es noch nicht wirklich glauben. Damit hätte ich nie im Leben gerechnet“, sagte sie nach ihrem Coup. Im Vorfeld hatte sie auf eine Top-Ten-Platzierung gehofft. „Überwältigend“, „unglaublich“, „unfassbar“ waren die Adjektive, mit denen die ergriffene deutsche Meisterin immer wieder den bisher größten Erfolg ihre jungen Karriere beschrieb.

Die EM-Zehnte hatte eine taktische Meisterleistung abgeliefert. Sie hängte sich von Beginn an an die Führenden. Im Schlussspurt zog sie an der Zehn-Kilometer-Europameisterin Sharon van Rouwendaal (Niederlande) vorbei und schlug nach 58:51,0 Minuten nur knapp hinter der erfolgreichen Titelverteidigerin Haley Anderson (USA) und der Griechin Kalliopi Araouzou an.

Heute und morgen stehen die olympischen zehn Kilometer an, wo es auch um die ersten zehn Tickets für die Spiele in Rio de Janeiro 2016 geht – allerdings aufgrund der fehlenden Vorleistungen ohne die beiden Elmshorner. Muffels („Für mich ist Tokio 2020 jetzt das Ziel.“) schwimmt Donnerstag im Teamrennen über fünf Kilometer, Wunram wagt sich Sonnabend, 1. August, an die 25 Kilometer. „Da hoffe ich, dass das Wasser etwas wärmer wird. Bis jetzt liegt es bei 19 Grad. Das wäre mir etwas zu kalt, um zirka fünfeinhalb Stunden schwimmen zu können“, sagte sie.

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