„Man macht sich keine Freunde“

Gabi Dörries (57) hat ihre Karriere im Schwimm-Zentrum Elmshorn (FTSV Fortuna) begonnen. Sie war mehrere Jahre Fachwartin Schwimmen des Schleswig-Holsteinischen Schwimm-Verbandes und bekleidete von 2012 bis 2016 beim DSV das Amt der Vorsitzenden der Fachsparte Schwimmen. Vor 25 Monaten wurde sie mit einer 83-prozentigen Mehrheit an die Spitze des DSV gewählt.
Gabi Dörries (57) hat ihre Karriere im Schwimm-Zentrum Elmshorn (FTSV Fortuna) begonnen. Sie war mehrere Jahre Fachwartin Schwimmen des Schleswig-Holsteinischen Schwimm-Verbandes und bekleidete von 2012 bis 2016 beim DSV das Amt der Vorsitzenden der Fachsparte Schwimmen. Vor 25 Monaten wurde sie mit einer 83-prozentigen Mehrheit an die Spitze des DSV gewählt.

Gabi Dörries, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes aus Horst, über die Belastung, den DSV neu aufzustellen

shz.de von
08. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Gabi Dörries ist eine Frau, die sich öffentlich selten mit der Vergangenheit, sondern hauptsächlich mit dem Hier und Jetzt sowie der Zukunft beschäftigt. Die Software-Unternehmerin aus Horst hat vor zwei Jahren die Herkulesaufgabe übernommen, den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) nach der 16 Jahre währenden Ära von Christa Thiel als neue Präsidentin aus einem Reformstau zu befreien. Die 57-Jährige galt als Hoffnungsträgerin, um die finanziellen, strukturellen und sportlichen Probleme des 600 000 Mitglieder starken Verbands zu lösen. Fast auf den Tag 25 Monate nach ihrer Wahl kommt es heute, Sonnabend, bei einem außerordentlichen Verbandstag in Bonn zum Schwur der Delegierten.

 Das Präsidium mit Dörries an der Spitze stellt eine neue Satzung zur Abstimmung und beantragt ferner die Anhebung des Mitgliederbeitrags um 60 Cent auf jährlich 1,40 Euro pro Kopf. Es wäre die erste Steigerung seit mehr als 30 Jahren. In einem offenen Schreiben an alle Vereine bezifferte Dörries die Unterdeckung im Bereich Verwaltung auf 300 000 Euro. Zu Beginn des Jahres hatte der DSV-Hauptausschuss bereits die Lizenzgebühren von 15 auf 25 Euro pro Startpass erhöht, um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden und den Sportbetrieb auf internationaler Ebene zu sichern. Dass dies nicht nur Spaß bereitet, verrät sie im Interview mit Michael Bunk.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in den außerordentlichen Verbandstag am heutigen Sonnabend?
Gabi Dörries:Mit dem Gefühl, gut vorbereitet zu sein. Wir haben zwei Jahre viel gearbeitet an den Themen, die ich vor meiner Wahl benannt habe. Wir haben den Zeitrahmen genau eingehalten und in den zwei Jahren in zahlreichen Sitzungen mit den Mitgliedern die Ideen und Vorstellungen diskutiert. Am 8.12. ist nun der Zeitpunkt, an dem die Mitglieder darüber entscheiden, mit welcher Weichenstellung der DSV in die Zukunft geht.

Wenn man den Umfang der Anträge des Präsidiums sieht, könnte man – flapsig formuliert – meinen, der DSV wäre ein Trümmerhaufen.
Das ist selbstverständlich nicht so, aber es ist an der Zeit, eine grundlegende Anpassung an die Gegebenheiten der Gesellschaft vorzunehmen. Es ist an der Zeit, sich neu auszurichten. Am Thema Finanzen haben sich in der Vergangenheit mehrere Präsidien abgearbeitet, aber dies nie bis zum Ende durchgezogen, so wie wir es jetzt getan haben. Denn es ist ja auch ein unpopuläres Thema, wenn man als Verband mehr Geld von seinen Mitgliedern haben möchte.

Wie haben Sie die Zeit seit Ihrer Wahl im Dezember 2016 erlebt?
Es waren zwei sehr anstrengende, sehr arbeitsintensive Jahre ohne Urlaub und mit 14-Stunden-Tagen. Das haben wir auch so gewollt. Es war nötig, dieses Projekt in einem überschaubaren Zeitrahmen zu realisieren. Hinzu kommt, dass alle Sommersportarten vor der Potenzialanalyse (PotAS) stehen. Es gab daher keine andere Wahl. Ich war vergangene Woche bei der DOSB-Mitgliederversammlung, wo der aktuelle Terminplan vorgestellt wurde. Bis Mai/Juni 2019 muss die Befragung abgeschlossen sein.

Haben sich Dinge persönlich für Sie verändert?
Es war tatsächlich eine ziemliche Belastung, die ich auch körperlich merke. Ich habe aber den Rückhalt meiner Familie. Unsere beiden Söhne sind in die Firma mit eingestiegen. Dadurch wurden hier Freiräume geschaffen.

War Ihnen diese Belastung bei der Wahl bewusst gewesen?
Nein. Wir hatten als Team ja drei Themen vorgestellt, die wir anschieben wollten: neue Struktur in Form einer neuen Satzung, ein neues Finanzkonzept und ein neues Marketingkonzept. Dass aber die nicht ordnungsgemäße Geschäftsführung und das Besserstellungsverbot hinzugekommen sind, war nicht absehbar gewesen. In beiden letzten Fällen mussten wir 2017 sehr schnell handeln. Wegen des Besserstellungsverbots mussten wir im Verband Strukturen wie in einer Behörde schaffen. Damit macht man sich auch keine Freunde.

Gab es persönliche Angriffe?
Ja, das passiert leider sehr schnell. Aber wir erhalten vom Bund eine Förderung von 4,5 Millionen Euro. Da bestimmt der Geldgeber die Spielregeln. Das gilt es zu akzeptieren – aber das sieht nicht jeder so.

Wie war die Arbeit innerhalb des Vorstands, mit dem Sie als Team zur Wahl angetreten sind?
Das waren gute zwei Jahre. Ich bin sehr zufrieden.

Treten Sie erneut an?
Das hängt auch vom Verlauf des Verbandstages ab. Wenn die Satzungsänderung angenommen wird, würden wir als Vorstand zurücktreten, um in den neuen Rhythmus zu kommen und eine Neuwahl zu ermöglichen. Es muss aber eine Basis vorliegen, damit eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll ist. Ich gehe offen in diesen Verbandstag, aber die Antwort auf Ihre Frage ist kein bedingungsloses Ja. Das soll, und das ist mir wichtig, keine Erpressung sein: Ich möchte eine demokratische Entscheidung. Ich möchte, dass sich die Delegierten frei entscheiden.

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