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Dichter am Ball : Kein Recht auf Nutella

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal 75  000 Euro im Taxi gelassen? Also manchmal hat man ja schon den Eindruck, dass die Fahrt im Mietmercedes ein bisschen überteuert ist, aber das Jahresgehalt eines ganzen Trupps Bibliothekare lässt man selten auf der Rückbank liegen.

Dem Sportsfreund Max Kruse, hauptberuflicher Kicker und nebenbei passabler Kartenspieler, ist das letztens passiert. Kann ja mal vorkommen. Ich habe vor einiger Zeit meinen Regenschirm in der Bahn stehen lassen. Hinzu kommt aber, dass Kruse in der Vergangenheit des Öfteren zu tief im Nutellaglas gestochert haben soll. Auch da entdecke ich für mich eine gewisse Parallele, aber nun gut. Die allgemeine Empörung perfekt machte dann jedoch die Meldung, dass er seinen Geburtstag öffentlich und bis weit nach Mitternacht in einer Gastwirtschaft gefeiert hat, anstatt, wie es sich schließlich nach der gesunden Tresenmeinung hart nichts tuender Hartz-IV-Denker für einen Fußballspieler mit gut dotiertem Angestelltenvertrag gehört, auch am Wochenende bei trockenem Wasser und kalten Brot um halb neun das Licht auszumachen. Tja, wenn ich das mache, also was auch immer davon, juckt das keine Sau.

Da läuft doch was verkehrt. Meinem Wissen nach ist Max Kruse volljährig und hat gegen kein aktuell geltendes deutsches Recht verstoßen. Doch in unserer so arg beschränkten Vorstellung von Sitte, Anstand und Disziplin und dem blanken Neid, dass da einer besser gegen den Ball treten kann als wir und dafür mit Geld zugeschüttet wird, ist Max Kruse in allen Punkten moralisch natürlich schuldig. Nach unseren spießigen Maßstäben hat ein Sportler mit Millionenvertrag nun mal kein Recht auf persönliche Freiheiten und Schokoladensalbe auf der Weizenbrötchenhälfte. Und dabei machte die Nationalmannschaft vor ein paar Jahren sogar Werbung für die Nougatpampe.

Wir halten es für richtig, dass ein Fußballprofi asketisch wie ein Mönch zu leben hat, keine dunkle Brause trinkt, artig dumme Plattitüden ins Mikrofon quakt und gefälligst Autogramme schreibt, bis ihm der Arm abfällt. Zugegeben gehört aber auch etwas Dämlichkeit dazu, sich innerhalb von kurzer Zeit immer wieder bei solchen angeblichen Verfehlungen erwischen zu lassen.

Das Einzige, was man Herrn Kruse dann doch positiv anrechnen kann, ist, dass er die Party nach einem Punktspiel gefeiert hat. Diese Reihenfolge wird ja bekanntlich in den Niederungen des Punktspielbetriebs nicht immer eingehalten.

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