Jubiläum und baldiges Aus

Olga Shaposhnikova hat zahlreiche nationale und internationale Meisterschaften in den Altersklassen gewonnen.
Olga Shaposhnikova hat zahlreiche nationale und internationale Meisterschaften in den Altersklassen gewonnen.

Olga Shaposhnikova feiert fast unbemerkt 25 Jahre Trainertätigkeit für den Lawn-Tennis-Club

shz.de von
08. November 2018, 16:00 Uhr

Hätte vor 25 Jahren jemand Olga Shaposhnikova prophezeit, dass sie im November 2018 silbernes Jubiläum als Trainerin beim Lawn-Tennis-Club Elmshorn feiern würde – die heute 52-Jährige hätte denjenigen wohl für verrückt erklärt. Denn eigentlich hatte sie im August 1993 für drei Monate als Spielerin beim damaligen Regionalligisten in Damp anheuern und anschließend nach Russland zurückkehren wollen. Den Kontakt hatte Elke Plaumann vom LTCE vermittelt. Ähnliche Engagements war sie mit einer Freundin und zwei weiteren russischen Spielern über die Vermittlung von Alexander Zverev, Vater der heutigen deutschen Profis Mischa und Alexander Zverev, seit dem Fall der Mauer 1989 schon in Oberhausen und Herford eingegangen.

Wie das Schicksal so spielt: In dem Ostsee-Ferienort sprang der Sponsor kurzfristig ab. Zwei, drei Telefonate später stand für Shaposhnikova völlig überraschend fest: „Ich gehe nach Elmshorn.“ Der damalige LTCE-Vorsitzende Benno Arpe nahm sie in Empfang. „Er und seine Frau waren in Elmshorn wie Eltern für mich“, sagt sie heute noch. Fünf Trainerstunden pro Woche gab sie – damals noch auf Honorarbasis – an der Kaltenweide. Angestellte des Clubs ist sie erst seit 1999.

Für die junge Frau war es komplettes Neuland. Geboren und aufgewachsen in Kaliningrad hatte sie dort als Schülerin mit dem Tennissport begonnen. Die harte sowjetische Schule hat sie geprägt: Die Leistung stand – und steht bei ihr selbst auch heute noch – immer im Vordergrund. Der Sport in der damaligen UdSSR war staatlich gefördert („Sonst hätten meine Eltern sich das nicht leisten können.“) und der Staat forderte zurück.

Dass in Deutschland auch Mädchen und Jungen nur aus Spaß an der Freude und mit deutlich weniger Ehrgeiz Trainerstunden nahmen, war ihr fremd. „Es war für mich schwer zu akzeptieren und zu verstehen, dass einige eine Just-for-fun-Einstellung hatten“, sagte sie. Damit sei sie, gibt sie im Rückblick gerne zu, auch angeeckt. Diplomatie war nicht gerade ihre Stärke – und die anfängliche sprachliche Barriere machte die Kommunikation mit Kindern und Eltern zusätzlich schwerer. „Ich musste viel lernen.“

Heute stehen auch für Shaposhnikova Leistungs- und Breitensport wie selbstverständlich als gleichberechtigte Säulen des Vereinssports nebeneinander. Und diejenigen, die sie trainiert, hat sie ohnehin in ihr Herz geschlossen. „Meine Kinder“, sagt sie gern über die Mädchen und Jungen, die bei ihr Vor- und Rückhand lernen. Zudem hat Shaposhnikova vom ersten Jahr an auch für die Frauenmannschaften des LTC gespielt, selbst als 50-Jährige noch in der Verbands- oder Landesliga. Erst 2016 ist sie beim TC Blau-Weiß Weiher, 634 Kilometer entfernt von Elmshorn in Baden-Württemberg, in die Frauen 50-Mannschaft eingestiegen. Diese hat jetzt im Sommer nach zweimaligem Aufstieg in Folge den Klassenerhalt in der Regionalliga Süd-West geschafft. Zahlreiche Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften in den Altersklasse säumen die Karriere Shaposhnikovas, deren Name aufgrund damaliger Beschränkungen nie in der Weltrangliste der Frauen aufgetaucht ist.

Ein Vierteljahrhundert nach ihrer Ankunft ist Olga Shaposhnikova an der Krückau längst heimisch geworden. Sie hat geheiratet und vor sieben Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen; Ehemann Friedhelm Gabriel begleitet sie auf allen Fahrten zu Turnieren oder Punktspielen für BW Weiher. Nur beruflich wird das große Kapitel LTC Elmshorn bald ein Ende haben. Der Verein habe ihr zum 30. April 2019 gekündigt. Diese Nachricht machte aus dem silbernen Jubiläum auch ein trauriges.

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