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American Football : Jörn Maier: „Ich will in die 1. Bundesliga“

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Vor dem Saisonauftakt am Sonntag spricht Elmshorns Headcoach Jörn Maier über langfristige Ziele und die US-Boys.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Die Elmshorn Fighting Pirates starten morgen, Sonntag, mit einem Auswärtsspiel bei Aufsteiger Paderborn Dolphins, der sich mit mehreren Amerikanern und erfahrenen deutschen Bundesligaspielern verstärkt hat. Die Pirates waren im vergangenen Jahr nach 13 Niederlagen und nur einem Sieg sportlich abgestiegen, durften dann aber doch in der German Football League 2 bleiben. Im Interview spricht Headcoach Jörn Maier (43) nicht nur über die sportliche Situation, sondern auch über die berühmte „Tapete“.

 

Haben Sie Ihren Jungs denn verboten, sich die Tabellen und Spielberichte des vergangenen Jahres anzugucken?
Jörn Maier:
Das nicht. Ich glaube sogar, das ist teilweise eine gute Erinnerung, wenn man sich ein paar Gegner, gegen die wir auch dieses Jahr spielen werden, wieder ins Gedächtnis ruft. Wir sind dieses Jahr durch Zufall und ein bisschen Glück in der Zweiten Liga, aber in diesem Jahr wollen wir die Liga sportlich halten. Ohne Wenn und Aber.

Warum Zweite Liga trotz der Erfahrungen des vergangenen Jahres?
Zum einen ist es mein persönlicher Anspruch, auf höchstmöglichem Niveau spielen und arbeiten zu können. Zum anderen haben wir mittlerweile einen großen Anteil an Spielern, die leistungsorientiert arbeiten und spielen wollen. Die haben auch für sich den Anspruch, ihre Leistungen in einer höheren Liga gegen bessere Gegner messen zu können. Letztendlich habe ich mal letzten Herbst ein langfristiges Ziel ausgegeben, das da heißt: 2018 oder 2019 möchte ich in die 1. Bundesliga.

Das ist dann wohl die berühmte Tapete, von der immer die Rede ist?
Wenn der Begriff schon gefallen ist: ja. Da stehen nicht nur sportliche Ziele drauf, sondern welche für die Gesamtheit. Ich bin natürlich nur der Headcoach der Herrenmannschaft, aber ich habe immer gesagt: Um größtmöglichen Erfolg bei den Herren zu erzielen, muss die gesamte Organisation leistungsfähig aufgestellt sein. Die Finanzen müssen sich entwickeln, genau wie das Marketing und die Pressearbeit. Auch die Cheerleader sind ein ganz, ganz wichtiger Faktor für die Leistungsstärke unserer Abteilung.

Haben Sie keine Angst, dass man vor solch hohen Zielen erstarrt?
Es ist sicher schon so, dass an der einen oder anderen Stelle gesagt wird: „Da haben wir ganz schön was vor uns“, aber ich halte das alles für durchaus realistisch. Wir wollen ja nicht die Braunschweig Lions des deutschen Footballs mit einem Stadion, in das 25  000 Leute passen, werden. Da werden wir nicht hinkommen. Aber ein wettbewerbsfähiges deutsches Footballteam in der 1. Bundesliga, das ist auch in einer Stadt wie Elmshorn oder auch gerade in einer Stadt wie Elmshorn durchaus möglich. Das bedeutet natürlich auch, dass wir viel Unterstützung brauchen: durch die Verantwortlichen unserer Stadt und durch die Wirtschaftskraft der Stadt. Alleine geht es nicht und von alleine geht es auch nicht.

Kommen wir wieder zum sportlichen Part: Was stimmt Sie optimistisch, dass es besser als im vergangenen Jahr läuft?
Wir hatten eine bessere Vorbereitung im Winter. Wir haben besser, ich will sagen: härter gearbeitet. Es ist auch ein ganz entscheidender Vorteil, dass der überwiegende Teil der Mannschaft zusammengeblieben ist. Die wissen, wo unsere Defizite waren und wir haben im Winter entsprechend daran gearbeitet. Wir waren einfach nicht athletisch genug, um mit unseren Gegnern mithalten zu können. In der breiten Masse haben wir da einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht.

Sie gehörten vergangenes Jahr auch schon zum Trainerstab. Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger Stefan Mau?
Ich habe als Headcoach auf das aufgebaut, was mein Vorgänger drei Jahre in Elmshorn entwickelt hat. Er hat den Pirates neues Leben eingehaucht und viele Prozesse in Gange gebracht, die ich weiterführe und verfeinere. Wir wollen physischer spielen und den Gegner beeindrucken mit dem, was wir nun auch körperlich in der Lage sind zu leisten. Wir haben keine Profis, aber sie haben alle das Potenzial, mehr aus sich herauszuholen – und das fordern wir jetzt ab. Der Leistungsdruck ist schon erhöht worden, es gehen aber nahezu alle diesen Weg mit.

Ein oft entscheidender Faktor sind die so genannten Importspieler, sprich: die Ausländer. Nach welchen Kriterien haben Sie in diesem Jahr ausgewählt?
Ich wollte gewisse Bedürfnisse erfüllen. Einer unser Kernpunkte ist: Wir sind in unserer Jugend gerade erst dabei, einen leistungsfähigen Quarterback zu entwickeln. Bis dahin müssen wir uns noch mit Talent von außerhalb verstärken. Wir haben dieses Jahr auf dieser Position explizit nach einem Europäer gesucht, da nur zwei Amerikaner zur gleichen Zeit auf dem Feld stehen dürfen. Ich bin auch der guten Hoffnung, dass ich mit dem Mathias Lilhauge aus Dänemark einen sehr guten Quarterback gefunden habe.

Ich wusste, dass ich in der Offense auf jeden Fall einen amerikanischen Runningback haben wollte, weil wir auch auf dieser Position im letzten Jahr sehr dünn besetzt waren. In der Defense wollte ich die Passverteidigung unbedingt verstärken. Dafür haben wir Keith Smith verpflichtet und der macht bisher auch einen ganz hervorragenden Eindruck.

Ist es schwer für solche Spieler, sich auf die Spielzüge einzustellen?
Jedes Team spielt ein bisschen anders, aber die Terminologie ist eigentlich ähnlich. Bestimmte Spielzüge mögen unterschiedliche Namen haben, aber das Konzept, das dahinter steht, ist oftmals das gleiche. Unsere beiden Amerikaner kommen beide direkt aus dem College und sind da gewöhnt gewesen, sich viel Wissen in kurzer Zeit aneignen zu können.

Wie klappt es mit dem Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft zwischen diesen Halbprofis und den deutschen Amateuren?
Es ist natürlich immer ein Spagat. Ich will dem Ganzen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. An die Importspieler gibt es die ganz klare Erwartungshaltung: Wenn ihr kommt, müsst ihr Gas geben, ihr müsst gute Dinge produzieren. Am Ende des Tages ist das der einzige Grund, warum sie hier sind.

Gucken wir aufs Wochenende: Was erwarten Sie von Paderborn und wie bereiten Sie sich auf so einen Gegner vor?
Paderborn ist ein Aufsteiger, das heißt: für uns noch eine gänzlich unbekannte Mannschaft. Wir hatten vorab ein Video von einem Vorbereitungsspiel bekommen und am letzten Wochenende hatte Paderborn bereits das erste Punktspiel in Potsdam. Da bin ich mit meinen drei Import-Spielern vor Ort gewesen und habe das Spiel live gesehen. Es wird ein guter Gradmesser.

Wie wichtig wäre ein guter Start für Sie?
Extrem wichtig. Wir arbeiten seit Anfang November extrem hart darauf hin, dieses Jahr eine bessere Saison zu spielen. Deshalb fiebern wir alle dem Spiel entgegen und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir erfolgreich sein werden. Ich will nicht sagen, dass wir ein Spitzenteam sind, aber wir werden ein solides Zweitliga-Football-Team sein. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Das muss immer das Ziel sein.

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