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Fußball-Kreisliga : Integration mit Ball

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ein Flüchtling aus dem Irak spielt bei Gencler Birligi eine wichtige Rolle. Heute Derby bei Lieth.

Sein Heimatland hat er sich auf die Finger der linken Hand verewigen lassen. Dort sind die Buchstaben I, R, A, Q eintätowiert. Den Irak hat Motaz Jameel Hanna aber schon vor Jahren verlassen. Der Wunsch nach einer Fußballkarriere hat ihn durch viele arabische Länder reisen lassen. Nun ist er in Deutschland, genauer in Elmshorn – als Flüchtling, der auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung hofft, aber auch als Fußballer. Seit drei Monaten trainiert er beim Kreisligisten Gencler Birligi. Mittlerweile hat er auch die Spielgenehmigung und seine ersten Partien absolviert. „Die Mannschaft gefällt mir; alle sind gut und ehrlich zu mir“, sagt Jameel Hanna, dem das Training von Veysel Celik und Hasan Balta gefällt: „Das ist hart, und das ist mir wichtig.“

Genclers Ligaobmann Veli Orhan, selbst ein erfahrener Jugendtrainer bei seinem Klub und bei Holsatia im EMTV, sind die Anlagen von Jameel Hanna nicht verborgen geblieben. „Technisch ist er sehr gut. Er braucht noch ein bisschen Kraft und Kondition“, sagte Orhan.

Letztere holt sich der 27 Jahre alte glühende Anhänger des 32-fachen spanischen Meisters Real Madrid in Eigeninitiative. Dies kennt er aus seiner Heimat. Regelmäßiges gemeinsames Training der ganzen Mannschaft, wie es bei Gencler dienstags und donnerstags auf dem kleinen Rasenplatz neben der Paul-Dohrmann-Schule üblich ist, sei in den arabischen Ländern nicht Gang und Gäbe.

Von denen hat er so einige gesehen, seit dem er im Alter von 18 Jahren die ersten Versuche unternahm, als Fußballprofi Tritt zu fassen. Zeitweise gehörte er auch zum erweiterten Kader der irakischen Nationalmannschaft, kam dort aber letztlich nicht zum Zuge. Bei Stationen im Iran, in Katar, Syrien und dem Libanon sammelte er nicht nur fußballerische Erfahrungen, sondern auch welche im Umgang mit den Medien.

In Deutschland hatte er es mit seinem Status als Flüchtling zunächst schwer, sportlich Fuß zu fassen. In Annaberg (Sachsen), wo er zunächst lebte, durfte er zwar trainieren, aber nicht spielen. Nach dem Umzug nach Elmshorn, wo seine heutige Ehefrau bereits wohnte, ging es besser. Nach Angaben von Gencler Birligis Vereinspräsidenten Mehmet Karakavak sei die nötige internationale Freigabe innerhalb weniger Wochen erteilt worden. Am 23. August (4. Spieltag) hatte er beim 2:1 über die SV Halstenbek-Rellingen III seinen ersten Einsatz im roten Trikot von GB. Eine Woche später erzielte er gegen den TSV Uetersen III das erste Tor für sein neues Team (Endstand 3:3). Seither hat Gencler mit ihm im Kader sechs Partien nicht verloren; beim 1:2 gegen den Kummerfelder SV am 20. September fehlte der torgefährliche Iraker, der am liebsten als Mittelstürmer spielt. Diese Serie soll aus seiner Sicht auch halten, wenn GB heute, Freitag, am Butterberg bei Bezirksliga-Absteiger SV Lieth antritt.

Dafür wird Motaz Jameel Hanna alles geben, aber die Kreisliga soll für ihn nicht Endstation sein. „Ich suche eine Herausforderung bei einem höherklassigen Verein“, sagt er. Doch spätestens wenn neben dem Spaß, den er bei Gencler hat, Geld ins Spiel kommt, geht dies erst, wenn er den Status Flüchtling abgelegt und eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung bekommen hat.

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erstellt am 16.Okt.2015 | 16:00 Uhr

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