Unicon : In Gluthitze cool geblieben

Nur auf einer Pedale ihres Einrades balancierend gleitet Nina Beckmann beim Street-Wettkampf auf dem Geländer entlang.
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Nur auf einer Pedale ihres Einrades balancierend gleitet Nina Beckmann beim Street-Wettkampf auf dem Geländer entlang.

Nina Beckmann ist mit vier Medaillen erfolgreichste Elmshornerin bei den Einrad-Weltmeisterschaften in Südkorea

shz.de von
16. August 2018, 16:00 Uhr

Medaillenregen für Nina Beckmann bei den Einrad-Weltmeisterschaften in der südkoreanischen Hafenstadt Ansan: Mit dem dritten Platz in der Street-Expert-Female Konkurrenz holte sich die Elmshornerin die dritte Bronzemedaille innerhalb einer Woche. Zuvor war Beckmannn bereits Dritte in den Disziplinen Slopestyle Street und Freestyle-Paarkür geworden. On Top gewann die Elmshornerin noch eine Silbermedaille für ihren Kurzeinsatz im US-deutschen Basketballteam, das in der B-Gruppe den zweiten Patz erspielte.

Die 18-jährige Einradfahrerin vom EMTV avancierte damit zur erfolgreichsten Elmshorner Teilnehmerin bei der Unicon im subtropischen Ansan. Karoline Voß (14) verpasste den Sprung aufs Podest nur knapp. Insgesamt waren acht Mitglieder des EMTV auf die koreanische Halbinsel gefahren.

Die Bedingungen waren nicht gerade einfach: Temperaturen von 40 Grad Celsius im Schatten, frittiertes Fleisch zum Frühstück und dann auch noch starke Konkurrenz aus Japan. Nina Beckmann schob diese beiseite, obwohl auch sie stöhnte: „Es war unglaublich schwül die ganze Zeit über.“

Wenigstens die Sporthalle, in der die Freestyle-Wettkämpfe stattfanden, war klimatisiert. Allerdings war die Anlage bei der großen Zahl der Sportler hoffnungslos damit überfordert, die Arena herunterzukühlen. Draußen schützte eine Zeltplane zumindest vor der direkten Sonne.

Nach dem dritten Platz mit ihrer Kür-Partnerin Janne Tegethoff-Harder (Schmalfelder SV) im Freestyle-Paarwettbewerb der Altersklasse 18/19 – ihrer eigentlichen Domäne – überraschte Nina Beckmann mit zwei weiteren Bronzemedaillen in den Disziplinen Street und Slopestyle Street. Während Freestyle dem Eiskunstlaufen ähnelt, gilt Street als die Skateboard-Disziplin des Einradfahrens, denn es werden Paletten, Handläufe und schiefe Ebenen befahren und besprungen.

„Street habe ich in Neuseeland gelernt“, sagte sie. 2017 hatte sie ein Schul-Auslandsjahr bei den „Kiwis“ verbracht. Dort trainierte sie Tricks mit den im Street-Bereich zur Weltklasse zählenden neuseeländischen Einradcracks ein. „Ich wollte auch in Neuseeland Einrad fahren und habe nach Freestyle gesucht, aber nichts gefunden.“ Stattdessen kam es zum Kontakt mit einem Jungen, der in der 20 Minuten entfernten Nachbarstadt Street fuhr. „Unser Hockeyteam hat dort trainiert. Da konnte ich mitfahren und bin dann mit ihm im Park gefahren“, erzählte Beckmann.

In Elmshorn mussten zuletzt auch mal der heimische Garten oder die Stufen vor der Bismarckschule zum Üben herhalten. Ebenso gut geeignet sind die Ramps im Steindammpark. „Ich habe mit Skateboard fahren begonnen und das Einrad einfach mitgenommen“, sagte Beckmann.

Bei der WM in Ansan hat sie wieder viele neue Tricks kennen gelernt. „Es ist cool, dass man die anderen Fahrer dort einfach fragen kann. Es kamen immer mehr Leute hinzu, die mir etwas gezeigt haben“, berichtete sie. Konkurrenzdenken gab es nicht – und wenn, dann nur während des Wettkampfes.

Für Nina Beckmann war es nach 2012 (Brixen/Südtirol), 2014 (Montreal/Kanada) und 2016 (San Sebastian/Spanien) bereits die vierte WM-Teilnahme in ihrer Karriere. Kein Wunder, dass sie von ihrem Sport mehr als überzeugt ist. „Einrad wird leicht mal unterschätzt, aber es steckt so viel dahinter“, sagte sie. Das Training wird sie auch während des Montag beginnenden Schuljahres – ihres hoffentlich letztem vorm Abitur – nicht vernachlässigen. Ein paar Stunden Schule hat sie auch während der Ferien hinter sich gebracht: Fahrschule mit Theorieunterricht für den Führerschein.

Ganz knapp an einer Medaille vorbei schrammte Karoline Voß (14): Im hochkarätig besetzten Freestyle Female Junior Expert landete sie auf dem vierten Platz und war damit beste Europäerin. Vor ihr platziert drei Fahrerinnen aus Japan, dem einzigen Land weltweit, in dem Einradfahren sowohl Volkssport als auch Hochleistungssport ist. Karoline überzeugte die Jury mit ihrer „Lucky Luke Kür“ und blieb cool wie der Comic-Held: „Nervös bin ich nur, wenn andere fahren.“

Eine tolle Performance zeigten Elmshorns Freestyle Spezialistinnen in den Gruppenküren. Mit ihrer Kleingruppen-Kür „Welcome to the Circus“ verzauberten Carina Stick, Laura Weise und Nina Beckmann mit dem schleswig-holsteinischen Landeskader das Publikum und wurden dafür mit dem fünften Platz belohnt. Karoline Voß fuhr mit ihren Partnerinnen Jana Riedel und Lea Bosse vom Norderstedter SV auf Platz vier mit der Kür „Rio“ in der Kleingruppe U 15. Und in der Großgruppe traten Stick, Weise, Beckmann und Voß als „Indianer“ auf und erreichten mit dem SH-Kader ebenfalls den fünften Platz.

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