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Elmshorner Stadtlauf : Immer auf dem richtigen Weg

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Beim der Großveranstaltung fährt Uwe Lüders-Bahlmann immer dem Feld voran. Der 57-fache Landesmeister ist für den Streckenverlauf verantwortlich.

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erstellt am 19.Sep.2013 | 15:59 Uhr

Seine Marathon-Bestzeit liegt bei beachtlichen 2:50 Stunden. „Gelaufen im zarten Alter von 48 Jahren“, sagt Uwe Lüders-Bahlmann und lacht dabei leise. Das war beim Hamburg-Marathon 2004; zwei Jahre später hat er sich das letzte Mal an die 42,195 Kilometer gewagt – und musste diesen 16. Versuch vorzeitig abbrechen.

Hamburg war nicht nur wegen der räumlichen Nähe Lüders-Bahlmanns favorisierte Langstreckenveranstaltung. Auch der Termin Ende April habe ihm gut gepasst. „Ich konnte nach Weihnachten anfangen zu trainieren“, sagte der Raa-Besenbeker mit der Vorliebe für die kalte Jahreszeit. Im Sommer bei Hitze Drei-Stunden-Läufe zu absolvieren sei nichts für ihn. Wenn die Temperaturen stiegen zog und zieht es ihn immer noch auf die Laufbahn. Das 400-Meter-Oval ist die bevorzugte Trainingsstätte für Distanzen bis zu 5000 Meter.

Der abgebrochene Marathon – er erwähnt ihn nur in einem Nebensatz, denn an Ehrgeiz mangelt es dem ehemaligen Bankkaufmann, der sich seit zwei Jahren ausschließlich um den mehr als 100 Jahre alten elterlichen Hof an der Dorfstraße in Raa kümmert („Damit kann man sich ständig beschäftigen.“), nicht. Als er vor gut einem Monat über die 3000 Meter vermeintlich einen Vereinsrekord der Leichtathletik-Gemeinschaft Elmshorn aufgestellt hat, kurz darauf aber ein anderer Läufer mit einer zuvor nie bei Statistikwart Norbert Teetz gemeldeten schnelleren Zeit aufwartete, ließ dies Lüders-Bahlmann keine Ruhe. Einen Monat später nahm er einen neuen Anlauf. „Ich bin das ganz akribisch angegangen mit Trombosestrümpfen, Nasenpflaster und einer auf den Arm geschriebenen Marschtabelle. Das mache ich sonst nicht.“ Der Erfolg war die neue Rekordzeit von 10:53 Minuten.

Das Gefühl für Distanzen und Zeiten hat der 57-Jährige also. Keine schlechten Voraussetzungen, um beim Elmshorner Stadtlauf am Sonntag, 29. September, dem 10-Kilometer-Feld mit dem Fahrrad voraus zu fahren. „Damit zumindest der Erste den Weg ins Ziel findet“, sagt der für die Streckensicherung verantwortliche Dauerläufer. Trotz der Ausschilderung eine wichtige Aufgabe, wenn er denn auf dem richtigen Weg bleibt. „In Glückstadt“, beginnt Lüders-Bahlmann eine Anekdote aus jüngerer Vergangenheit, „wollte der Radfahrer einmal nicht wie vorgesehen den Deich hochfahren, sondern ist unten an ihm lang gefahren. Matthias Brandemann ist hinterhergelaufen und wurde disqualifiziert.“

Das ist Lüders-Bahlmann, der auch im Alltag viel mit dem Drahtesel unterwegs ist, zum Glück noch nicht passiert. Auch nicht, dass er von einem Läufer überholt wurde. „Ich rede ja auch mit den Läufern, wenn sie denn sprechen wollen“, erzählt er. Eng wurde es vergangenes Jahr trotzdem einmal als Leif Schröder-Grönevelt die doppelte Runde in einer 32er-Zeit lief. „Nach einem Kilometer hatte ich ihm noch gesagt: Das Tempo hältst du nicht durch. Ihn kannte ja keiner“, so Lüders-Bahlmann. Aber solche Überraschungen sind eben Teil des Spektakels.

Seit 22 Jahren „Lauf in den Herbst“

Uwe Lüders-Bahlmann kennt es von Beginn an und konnte seine Erfahrungen vom Raa-Besenbeker Lauf in den Herbst beisteuern. Den organisiert er seit jetzt 22 Jahren. Als Leichtathlet ist er ein Spätstarter. Geboren und aufgewachsen in Raa-Besenbek besuchte der Landwirte-Sohn die Dorfschule. „Sportunterricht gab es dort praktisch nicht“, erzählt er. Seinen ersten 5000-Meter-Lauf absolvierte er erst als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr. „Für viele war es eine Qual, für mich eigentlich ganz entspannt“, erinnert er sich.

Lüders-Bahlmann hatte damit seine Passion gefunden. Den Fußball, gegen den er bei Rasensport zusammen mit Kuddl Mumm und Hans Jürgen Stammer trat, ließ er bald liegen. 1992 trat er LG Elmshorn bei. Die technischen Leichtathletik-Disziplinen probierte er nur für einen Zehnkamp im Jahr 1994 aus. Die Laufbahn blieb sein Revier. 57 Landestitel in den verschiedenen Altersklassen und Strecken hat er seither gesammelt.

Auch Elmshorn kennt er als Läufer, zuletzt 2005. Seit einigen Jahren ist er aber ausschließlich als Streckenposten auf dem Fahrrad unterwegs. Vielleicht kann er dann auch einen Blick auf die sechs Frauen erhaschen, die er derzeit mit Martina Tschirch fit für den Stadtlauf macht. Es ist seine einzige Trainertätigkeit – und soll auch so bleiben. Genug zu tun hat er auch so.
 

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