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Dichter am Ball : Ich weiß nicht, ob ich es schaffe

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Hier, kennen Sie das? „Ich weiß nicht, ob ich es schaffe!“ Großartig, oder? Ich glaube ja echt, das ist der unangefochten beste Satz der Welt. Immer und überall und vor allem, wenn man nicht zum Training kommt. Soll er doch unmissverständlich die tugendhafte Absicht ausdrücken, dass man gerne möchte, aber offensichtlich ohne eigene Schuld nicht können wird. Alle Hoffnung scheint schon verloren, da kann man nicht mehr viel machen.

Neben Merkels „Wir schaffen das“ und dem nicht minder optimistischen „Können wir das schaffen?“ von Bob dem Baumeister, ist „Ich weiß nicht, ob ich es schaffe!“ einer der drei großen Sätze menschlicher Schaffenskrisen und der von Trainern und Übungsleitern mit Abstand am häufigsten als Kurzmitteilung auf dem Handtelefon gelesene Grund, warum in der Zeitspanne zwischen Mitte Oktober und Ende März, bei Regen, Schnee oder Fußball im Fernsehen Tag für Tag zigtausend Fußballer, und solche die es sein wollen, nicht zum Training kommen.

Es ist wirklich ein super Satz und ich selbst habe ihn im Laufe der Jahre etliche Male per Handy und auf Postkarte verschickt, wenn es mir zum Training zu kalt war, ich lieber irgendeine Grütze im Fernsehen gucken wollte und einfach keine Lust hatte. Da Ehrlichkeit aber selten im Leben (und beim Fußball schon mal gar nicht) belohnt wird, schreibt man dann eben so einen Stuss, anstatt bei der Wahrheit zu bleiben.

„Ich weiß nicht, ob ich es schaffe!“ als Trainingsabsage gibt es übrigens erst, seitdem es Handys gibt. Früher ist man schließlich immer zum Training gegangen, und wenn man mal nicht konnte, weil die Mutter Geburtstag hatte oder man noch für Mathe üben musste (die einzigen vom Trainer akzeptierten Gründe), dann hat man das schon eine Woche vorher angekündigt.

Seinen Ursprung hat „Ich weiß nicht, ob ich es schaffe!“ übrigens im traditionellen Western-Film und man hörte diesen gewichtigen Satz stets, wenn einer der Gangster auf der Flucht durch die Prärie und vorbei an angriffslustigen Indianern, ausgehungerten Geiern und Kondition trainierenden Fußballmannschaften aufgrund eines Bauchschusses den eigenen Tod vor Augen hatte.

Wer heutzutage wegen Bauchschuss, weil sein Fuß in eine Bärenfalle geraten ist oder es aus einem anderen recht triftigen Grund nicht zum Training schafft, teilt dieses wahrheitsgemäß und dazu noch reich bebildert mit, obwohl „Ich weiß nicht, ob ich es schaffe!“ hier durchaus mal seine volle Berechtigung hätte.

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