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American Football : „Ich war ein großer Jammerteddy“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Julian Pelka mauserte sich dank des Sports vom übergewichtigen Jungen zum selbstbewussten Athleten

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2016 | 16:00 Uhr

Eine preiswürdige Karriere erlebt Julian Pelka bei den Fighting Pirates. Der 20-Jährige erhielt vor kurzem mit dem EMTV den Breitensportpreis der Barmer Ersatzkasse und des Landesportverbands Schleswig-Holstein für die erfolgreiche Teilnahme an dem Vereinsprojekt „Spaß mit Pfunden“. Der 20. Breitensportpreis stand unter dem Motto „Unser Verein – Fit für die Zukunft“. Julian CJ Pelka erfüllt dies zweifellos.

Nachdem der Elmshorner im Dezember 2009 das erste Mal mit einem Freund zum Flagball-Training kam, hat sich nicht nur die Fitness und Athletik des Auszubildenden zum Einzelhandelskaufmann gehörig gebessert. Zudem gelang es ihm seitdem deutlich Gewicht abzunehmen und an Selbstbewusstsein zu gewinnen. „Ich war als Zehnjähriger nur ein großer Jammerteddy. Mit meinem Gewicht von 100 Kilo war ich relativ schwer“, berichtet Pelka, der seit sieben Jahren bei den Fighting Pirates als Center spielt. Aus dieser Spielposition leitet sich auch sein Spitzname „CJ“ für „Center Julian“ ab. Der Name gefällt ihm so gut, dass er erwägt ihn in seinen Pass eintragen zu lassen und damit offiziell zu machen. „Ich hatte Fußball, Hockey, Basketball und Baseball ausprobiert, bevor mich eine Schul-Sozialarbeiterin zum American Football schickte. Sie meinte, ich könne da meine Aggressionen gegenüber anderen Schülern abbauen. In Wirklichkeit wurde ich in der Schule mit meinem Maximalgewicht von 133 Kilogramm gehänselt und habe mich nur gewehrt.“

Pelka ging zum Flagball, damals eine Footballvariante für die Jüngsten, und blieb dabei. „Ich fühlte mich dort sofort willkommen und fand ganz schnell gute Freunde, mit denen ich mich auch ständig außerhalb des Trainings traf. Für sie spielten mein Aussehen und mein Gewicht keine Rolle. Im Gegenteil, die Footballer vermittelten mir, dass sie mich brauchten und mich gern dabei haben wollten. Vorher hatte ich gar keine Freunde, sondern eben nur Mitschüler. Und auch heute haben eigentlich alle meine Freunde was mit dem Sport zu tun.“ Mit 16 Jahren stellte Pelka zwei Weichen, die sein Leben veränderten. Zum einen entschied er, dass er nicht mit seiner alleinerziehenden Mutter nach Niedersachsen umziehen würde. Schließlich hatte er nur noch ein halbes Jahr Schule vor sich und wollte unbedingt bei den Pirates bleiben. Also bezog er eine eigene Wohnung und bewältigte seinen Alltag allein. Auch dabei unterstützte ihn sein Freundeskreis.

Zum anderen meldete er sich im Fitnesscenter an. In Absprache mit dem Physiotherapeuten der Pirates änderte er sein Essverhalten und trainierte derart regelmäßig, dass er Muskelmasse aufbaute und Gewicht verlor. In seinen besten Zeiten wog er nur noch 93 Kilo, doch mit dem abgeschlossenen Wachstum auf 1,81 Meter liegt sein persönliches Wohlfühlgewicht bei 110 Kilogramm. Das möchte er gern wieder erreichen, wenn er nach überstandener Verletzung – einem Sehnenriss in der Leiste – wieder ins Teamtraining und das Fitness-Studio zurückkehrt.

Doch nicht nur körperlich veränderte sich der Jugendliche. Mittlerweile übernahm er auch Verantwortung für den Pirates-Nachwuchs. So ist er seit Ende 2015 Trainer der Offensive Line der Young Pirates und unterstützt den Haupttrainer Markus Schwarz. Unter Schwarz hatte Pelka früher selbst trainiert, jetzt stehen sie bei den Regionalligaspielen sogar manchmal gemeinsam auf dem Spielfeld. Und auch das ist eine beeindruckende Form von Zukunftsförderung.


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