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Gefeuerter HR-Co-Trainer : „Ich verstehe die Welt nicht mehr“

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Trainer Reza Khosravinejad kann seine Entlassung bei HR nicht nachvollziehen: "Derartige Beleidigungen habe ich keineswegs ausgesprochen", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung – Hat der Verein überreagiert?

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Emotionen gehören zum Fußballsport wie der Ball. Derbe Sprüche auf dem Platz sind keine Seltenheit. Aber wie weit darf ein Fußballer gehen? Für die Verantwortlichen des Oberligisten SV Halstenbek-Rellingen ging Co-Trainer Reza Khosravinejad vor dem Heimspiel seines Teams gegen Tabellenführer TuS Dassendorf am vergangenen Sonntag zu weit. Um seine Mannschaft auf das Spiel einzustimmen und anzufeuern, soll er den Gegner als „Blindentruppe“ tituliert haben. Der Schuss ging nach hinten los, HR verlor nach 15 ungeschlagenen Spielen in Folge mit 1:3, am Montag nach dem Spiel wurde Khosravinejad dann vom HR-Vorstand entlassen.

„Wir mussten handeln und einen Schlussstrich ziehen“, erklärte HR-Präsident Hans Jürgen Stammer am Montagabend, „es wurde eine Grenze überschritten, wir distanzieren uns klar und deutlich von den getätigten Äußerungen, die nicht das repräsentieren, was unseren Verein ausmacht.“

Was sagt nun der Entlassene selbst zu den Vorwürfen? Gegenüber unserer Zeitung erklärt Khosravinejad, der jüngst beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) seine Prüfung als Fußballlehrer bestand und dem von allen Seiten viel fachliche Kompetenz nachgesagt wird, er habe „derartige Beleidigungen keineswegs ausgesprochen“. Vielmehr habe er versucht, sein Team zu motivieren und darauf hingewiesen, dass der ungeschlagene Gegner nicht übermenschlich und unschlagbar sei. „Bei der Motivation wird man auch schon einmal emotional, um die Spieler zu erreichen, sie heiß auf das Spiel zu machen – das gehört einfach dazu. Aber ich wollte niemanden persönlich beleidigen und entschuldige mich bei Dassendorf, wenn das dort falsch aufgefasst wurde. Dass man mich aber deshalb bei HR entlässt, hat mich sehr überrascht und getroffen. Ich hätte mir mehr Rückendeckung erwartet und verstehe die Welt nicht mehr.“

Auch Dassendorfs Trainer Jan Schönteich, der noch am Sonntag auf der Pressekonferenz nach der Partie „heftige Aussagen“ Khosravinejads bestätigte, zeigte sich gestern von der Reaktion HRs verwundert: „Ehrlich gesagt überrascht uns diese Konsequenz, aber das ist eine Sache von HR. So heftig habe ich das noch nicht erlebt, aber auch wir sind keine Unschuldslämmer, das gehört manchmal dazu.“

HR-Führungsspieler Sebastian Krabbes zeigte sich im Internet auf der Plattform „facebook“ erschrocken ob der Handlung des Vereinsvorstandes und nimmt seinen ehemaligen Co-Trainer in Schutz: „Das ist alles Quatsch. Reza hat uns lediglich motiviert, er hat nichts wirklich Beleidigendes gesagt. Hier werden einem guten Menschen einfach Dinge unterstellt und es wird sein Ruf beschädigt.“ Ist Khosravinejad nun wirklich übers Ziel hinaus geschossen oder hat HR überreagiert?

Marc Zippel, erfahrener Coach des hiesigen Bezirksligisten SC Egenbüttel aus dem benachbarten Rellingen sagt zu dem Thema: „Diese Sachen sind doch eher lapidar. Fußball ist ein emotionaler Sport, solange es aber keine direkten, üblen Beleidigungen einer Person sind oder es zu Tätlichkeiten kommt, sollte etwas Motivationskitzel erlaubt sein.“

Präsident Stammer und auch HR-Cheftrainer Thomas Bliemeister („das ist nicht unser Stil“) verteidigen jedoch die Maßnahme des Vereins. Ihnen und anderen Verantwortlichen der Baumschuler wird allerdings gerade jetzt von etlichen Fußballfans aus dem Kreis im Internetforum „hafo.de“ (Hamburger Fußball online) vorgeworfen, dass sie sich nach dem Derby beim VfL Pinneberg (0:0) vor drei Wochen gegenüber VfL-Verantwortlichen ebenfalls zu verbalen Entgleisungen haben hinreißen lassen. Doppelmoral? „Ob da mit zweierlei Maß gemessen wird, kann ich nicht beurteilen. Ich bin auf jeden Fall maßlos enttäuscht, hätte mir gewünscht, dass die Sache anders geklärt worden wäre“, so Khosravinejad.

Das Kapitel HR ist für den 36-Jährigen abgeschlossen. Auf Emotionen in seinen Ansprachen will der junge Coach auch in Zukunft nicht verzichten – denn die gehören zum Fußballsport dazu.

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