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Im Interview: Michael Behrmann : „Ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Michael Behrmann über seine erste Saison als Frauentrainer in der Volleyball-Verbandsliga.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2016 | 16:00 Uhr

Den Jubel aus Norderstedt hat Michael Behrmann, Trainer der Elmshorner Verbandsliga-Volleyballerinnen, wohl vernommen. Der 1. VCN spielt nächste Saison in der Regionalliga, nachdem die Volleyball-Gemeinschaft von der Krückau trotz Meisterschaft auf den Aufstieg verzichtet hat. Im Interview spricht der 56-Jährige darüber, wie der personelle Umbruch funktionieren soll und warum er seiner Ehefrau unendlich dankbar ist.

Sie haben sich gegen den Aufstieg in die Regionalliga entschieden. Was sind die Gründe dafür?
Michael Behrmann: Das ist zum einen das hohe Durchschnittsalter der Mannschaft und dann schlicht und einfach die Tatsache, dass die Mädels das alles in ihrer sportlichen Karriere schon hinter sich gebracht haben. Die familiären Bindungen sind zu stark, als dass die Regionalliga für sie da noch einmal einen Reiz ausüben würde.

Die Mannschaft hat, Sie haben es eben angesprochen, ein Durchschnittsalter von mehr als 40 Jahren. Woran liegt es, dass dies so gekommen ist?
Das liegt zum einen an der immer noch vorhandenen Klasse der Spielerinnen. In den letzten Jahren haben Außenstehende oft gedacht „Mensch, da kriegst du keinen Fuß in die Tür“. Viele haben sich dann anderweitig orientiert – siehe die drei Spielerinnen, die vor zwei Jahren nach Norderstedt abgewandert sind, oder vergangenes Jahr, als wir eine ganze Reihe auch jüngerer Spielerinnen in unserer dritten Mannschaft hatten, die sich nach Esingen und Halstenbek orientiert haben.

Sie haben diese Saison in der Rückrunde die eine oder andere junge Spielerin eingesetzt, aber das eigentlich auch nur aufgrund von Verletzungen, oder ist das falsch ausgedrückt?
Während der Saison sind die Teams relativ fest, weil es Regelungen gibt, sich schnell festzuspielen. Es bringt nicht nur Vorteile für deine eigene Mannschaft, wenn welche von unten mitwirken, sondern du haust dann gleich den anderen Mannschaften, die Spieler ausleihen, ganz bös ins Kontor, wenn das zweimal passiert. Dann hat eine Spielerin sich nämlich festgespielt. Aber richtig ist natürlich, dass es aus der Not heraus geboren war. Wir hatten nur maximal zwölf Namen auf dem Zettel, aber das reduzierte sich ganz schnell auf eigentlich neun oder, wenn Urlaub war, auf acht. Deswegen haben wir Spielerinnen aus unteren Mannschaften mit reingenommen – und das hat eine wunderbare Eigendynamik entwickelt, weil man auch innerhalb des Vereins gesehen hat: Oh, das geht ja doch, man ist da ja doch willkommen und es hat sogar Spaß gebracht. Nun haben wir gesagt, wir verzichten aus dem eingangs genannten Grund auf den Aufstieg, aber ein weiterer Grund ist, dass wir in der Verbandsliga mehr Möglichkeiten haben, dem Nachwuchs die Tür aufzumachen.

Was ändert sich im Bereich der Mannschaft?
Theoretisch könnte man sagen, es bleiben alle zwölf da…

…aber?
...aber meine Erfahrung, auch ob des Alters der Spielerinnen, lässt mich dazu kommen, dass man während der Saison doch bloß neun einsatzbereite Mädels hat. Deswegen haben wir uns entschlossen, dass wir möglichst vier Nachwuchsspielerinnen heranholen wollen.

Wo kommen diese Nachwuchsspielerinnen her?
Wir sind uns schon einig mit Kim Deutschendorf, die dann nicht mehr bei VC Olympia spielen wird. Kim hat eigentlich in unserer Zweiten gespielt, aber mit Doppelspielrecht beim VCO auch in der Verbandsliga. Berit Jensen kommt als eine der drei zu Norderstedt Abgewanderten wieder zu uns, was mich besonders freut. Dann sind wir alle ganz begeistert von Hannah Dernehl, die mit einem riesigen Potenzial ausgestattet ist. Aber da müssen wir noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, weil sie sich im Kreise ihrer Altersgenosseninnen bei unseren Kreisliga-Damen doch ganz wohl fühlt. Aber gerade sie soll die Verbindung zu zukünftig weiteren Nachrückerinnen aus diesem Kreis darstellen. Dann würden wir auch gern Natalie Schmidt aus unserer zweiten Mannschaft bei uns sehen, die einmal bei uns ausgeholfen hat und sich dabei als absolut verbandsligatauglich erwiesen hat. Sie könnte genau die präsente Mittelblockerin werden,die uns in in der abgelaufenen Saison fehlte.

Wie war für Sie persönlich die Erfahrung im ersten Jahr bei den Frauen auf der Bank zu sitzen?
Es war nie meine Ambition, Trainer zu werden. Als ich Ende Februar gesagt habe, ich hör auf aktiv zu spielen, da hat es gerade einmal drei Wochen gedauert, bis die Mädels mir den Vorschlag gemacht haben, ich könnte doch das Traineramt bei ihnen übernehmen. Da habe ich mich einige Wochen mit Händen und Füßen gegen gewehrt...

Und heute sind Sie froh darüber, dass diese Gegenwehr nicht erfolgreich war?
Heute bin ich ganz froh, dass meine Frau Anke-Suzan mir gut zugeredet hat. Sie hat damals schon überblickt, dass ich so ganz ohne Volleyball gar nicht kann. Sie hat damals schon gesagt: „Lass mal den Herbst kommen. Dann fällt dir hier die Decke auf den Kopf, wenn du gar nichts machst.“ Dann bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe auf meine Frau gehört. Das war ein weiser Tipp, weil das Ganze leichter und mit mehr Spaß verbunden war, als ich anfangs dachte.

Und deshalb musste Ihre Frau Ihnen auch nicht mehr lange gut zureden, damit Sie ein zweites Jahr als Trainer dranhängen?
Das war gar keine Frage. Wenn ich da Nein gesagt hätte, wären wohl alle vom Glauben abgefallen. In Verbindung mit der Auffrischung der Mannschaft und dem Umkrempeln des Kaders habe ich eine interessante Aufgabe.

Dann bleibt wohl nur, Ihnen die Daumen zu drücken, dass Sie die Gespräche zum Umkrempeln erfolgreich zum Abschluss bringen.
Ein erster Schritt ist auf jeden Fall gemacht. Wenn die vier, die wir uns vorstellen, tatsächlich zu uns stoßen, haben wir damit einen super Grundstock gelegt, um auch weiteren die Tür zu öffnen. Es soll eigentlich so weitergehen, bis wir sagen können: Wir sind mit einer wesentlich jüngeren Mannschaft wieder an der Verbandsligaspitze angekommen. Das ist ein Projekt über zwei bis drei Jahre.

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